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Medizin

Japan: Ultraschall verbessert Effektivität der Mammographie bei jüngeren Frauen

Freitag, 6. November 2015

dpa

Sendai – Eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung hat in einer randomisierten klinischen Studie aus Japan die Zahl der bei der Mammographie entdeckten Brustkrebser­krankungen erhöht. Dabei wurden vor allem Tumore in einem frühen Stadium entdeckt. Die Publikation im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)00774-6) dokumentiert, aber auch eine erhöhte Rate von falsch-positiven Befunden, bei denen eine Brustkrebserkrankung durch Nachfolgeuntersuchungen ausgeschlossen werden musste.

Die Änderung der Lebensgewohnheiten hat in Asien, wo das Mammakarzinom früher selten war, zu einem Anstieg der Erkrankungszahlen geführt. In Japan wird deshalb über die Einführung eines Mammographie-Screenings nachgedacht. Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales initiierte deshalb den „Japan Strategic Anti-cancer Randomized Trial (J-START) finanziert, deren erste Ergebnisse jetzt vorliegen.

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Die Studie nahm auf zwei Besonderheiten von Brustkrebs bei Asiatinnen Rücksicht. Zum einen liegt der Häufigkeitsgipfel in einem relativ frühen Alter. Während in den westlichen Ländern die meisten Frauen erst nach den Wechseljahren erkranken, liegt der Alters­gipfel bei Asiatinnen zwischen 40 und 49 Jahren. Dies bedeuten zum anderen, dass das Drüsengewebe sich noch nicht zurückgebildet hat. Japanerinnen haben ohnehin häufig kleinere und röntgendichtere Brustdrüsen als Frauen in westlichen Ländern.

In J-START wurden die Frauen bereits im Alter von 40 bis 49 Jahren gescreent. Bei der Hälfte der 72.998 Teilnehmerinnen wurde die Röntgenuntersuchung (Mammographie) durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ergänzt. Um die Kosten der zeitinten­siven Sonographie zu begrenzen wurden die Ultraschalluntersuchungen zumeist von medizinisch-technischen Assistenten durchgeführt, die in einer zweitägigen Schulung auf ihre Tätigkeit vorbereitet wurden. Bei vielen Frauen beider Gruppen wurde eine klinische Tastuntersuchung der Brust vorgenommen.

Die Frauen wurden in zwei Jahren zweimal gescreent. In der Interventionsgruppe (Mammographie plus Sonographie) wurden 184 Mammakarzinome (0,50 Prozent) entdeckt. In der Kontrollgruppe (nur Mammographie) waren es 117 Diagnosen (0,32 Prozent). In der Interventionsgruppe befanden sich 144 Tumore (71,3 Prozent) in den Stadien 0 und I, in denen die Heilungschancen sehr gut sind. In der Kontrollgruppe fielen nur 79 Tumore (52,0 Prozent) in diese Kategorie.

Auch die Zahl der Intervalltumore, die zwischen den beiden Screeningterminen entdeckt wurden, war in der Interventionsgruppe geringer: 18 (0,05 Prozent) versus 35 (0,10 Prozent). Noriaki Ohuchi von der Tohoku Universität in Sendai und Mitarbeiter geben die Sensitivität im Interventionsarm mit 91,1 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 87,2–95,0) an gegenüber 77,0 Prozent (70,3-83,7) in der Kontrollgruppe. Der Unterschied war signifikant, das erweiterte Screening mithin effektiver.

Die Kehrseite der zusätzlichen Sonographie war ein Anstieg der falsch-positiven Befunde. Im Interventionsarm wurde bei 1.665 Frauen (4,5 Prozent) eine Biopsie durchgeführt. In der Kontrollgruppe waren es 655 Frauen (1,8 Prozent). Ohuchi und Mitarbeiter geben die Spezifität mit 87,7 Prozent (87,3-88,0) gegenüber 91,4 Prozent (91,1-91,7) an. Auch hier war der Unterschied signifikant.

J-Start ist laut den Editorialisten Martin Yaffe und Roberta Jong von der Universität Toronto die erste randomisierte Studie, die beide Varianten des Screenings an asymptomatischen Frauen mit durchschnittlichem Risiko verglichen hat. Frühere Studien, die zumeist ind en USA durchgeführt wurden, hatten Frauen mit mittlerem oder hohem Brustkrebsrisiko eingeschlossen. Außerdem wurde die J-START-Studie an relativ jungen Frauen durchgeführt. Sie könnte deshalb ein Modell für ein Mammographie-Screening von Frauen vor der Menopause mit einer relativ röntgendichten Brust sein. 

Ob das Screening auch die Sterblichkeit am Mammakarzinom senkt, wollen Ohuchi und Mitarbeiter in einer Folgestudie untersuchen. Sie haben hierzu eine langfristige Nachbeobachtung mit dem japanischen Krebsregister veranlasst. © rme/aerzteblatt.de

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