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Medizin

HPV-Impfstoff: EMA sieht kein Risiko auf Tachykardie- oder Schmerzsyndrom

Donnerstag, 5. November 2015

Human-papilloma-virus HPV

London – Die Impfstoffe Cervarix, Gardasil/Silgard und Gardasil-9, die junge Mädchen vor einer späteren Infektion mit humanen Papillomaviren schützen können, sind nach Einschätzung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) nicht für Erkrankungen am komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) oder dem posturalen orthostatischen Tachykardiesyndrom (POTS) verantwortlich.

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) ist eine abnormale Reaktion des Körpers auf eine Weichteil- oder Nervenverletzung. Statt einer regulären Abheilung kommt es zu chronischen Schmerzen, Schwellungen und Veränderungen der Haut. Nach Frakturen einer Extremität wurde die Störung früher als „Morbus Sudeck“ bezeichnet. In letzter Zeit hat es Berichte von Mädchen gegeben, die nach der Impfung – einer intramuskulären Injektion, beispielsweise in den Musculus deltoideus der Schulter – über ein CRPS klagten. Eine Abfrage der Nebenwirkungsdatenbank des Paul-Ehrlich-Instituts ergab im Juli vier Meldungen.

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Beim posturalen orthostatischen Tachykardiesyndrom (POTS) kommt es nach dem Aufrichten zu einem Anstieg der Herzfrequenz auf über 120/min, wobei der Blutdruck oft konstant bleibt. Zu den Symptomen zählen Schwindel, Herzrasen, Übelkeit und eine starke körperliche Schwäche. Nach dem Hinsetzen oder -legen lassen die Beschwerden meistens rasch nach. Das POTS wurde laut einer Meldung des PEI im Juli in Deutschland bisher nicht mit einer Impfung in Verbindung gebracht. Es gab jedoch Berichte aus anderen Ländern, etwa aus Dänemark.

CRPS und POTS sind jedoch keine Phänomene, die nur nach HPV-Impfungen beschrieben wurden. Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharma­kovigilanz (PRAC) schätzt, dass es in der Altersgruppe der 10- bis 19-jährigen Mädchen und Frauen, denen zur Impfung geraten wird, auch ohne Impfung pro Jahr zu 150 Erkrankungen pro einer Million kommt. Die Inzidenz des POTS dürfte eher höher sein. Nach Einschätzung des PRAC gibt es keine Hinweise, dass die CRPS- und POTS-Fallberichte eine ungewöhnliche Häufung darstellen.

Das PRAC weist darauf hin, dass einige Symptome von CRPS und POTS mit dem chronischen Müdigkeitssyndrom (CFS, auch als Myalgische Enzephalomyelitis oder ME bezeichnet) überlappen. In diesem Zusammenhang sei besonders relevant, dass in einer großen Beobachtungsstudie kein Zusammenhang zwischen dem HPV-Impfstoff und CFS gefunden wurde, heißt es in der Pressemitteilung.

Laut EMA sind seit Einführung der Impfstoffe weltweit mehr als 80 Millionen Mädchen und Frauen geimpft worden. In einigen europäischen Ländern liege die Impfquote bei 90 Prozent. Wenn die Impfung CRPS oder POTS auslösen würde, hätte es zu einem spürbaren Anstieg dieser Erkrankungen kommen müssen. © rme/aerzteblatt.de

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