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Ärzte ohne Grenzen: Grund für Luftangriff in Kundus weiter unklar

Freitag, 6. November 2015

Kabul – Gut einen Monat nach dem US-Luftangriff auf das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen im nordafghanischen Kundus ist der Grund für das Bombardement nach Angaben der Hilfsorganisation immer noch völlig unklar. Bei einer internen Unter­suchung habe Ärzte ohne Grenzen keine Erklärung gefunden, warum das Krankenhaus angegriffen worden sein könnte, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Es seien weder bewaffnete Kämpfer auf dem Krankenhausgelände gewesen, noch habe es auf dem Gelände oder von diesem aus Kampfhandlungen gegeben.

Der Bericht stützt sich auf die bisherige interne Untersuchung der Hilfsorganisation und beschreibt, wie Patienten in ihren Betten verbrannten, medizinische Mitarbeiter enthauptet wurden oder Gliedmaßen verloren und Menschen bei der Flucht aus dem brennenden Gebäude aus der Luft beschossen wurden. Bei dem Angriff am 3. Oktober waren mindestens 30 Menschen getötet worden, darunter 13 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und zehn Patienten. Sieben weitere Opfer wurden bislang noch nicht identifiziert.

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„Vom Inneren des Krankenhauses aus betrachtet, war der Zweck des Angriffes, zu töten und zu zerstören", erklärte der Geschäftsführer der für das Krankenhaus verantwort­lichen belgischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Christopher Stokes. „Wir wissen jedoch nicht, warum. Wir haben weder die Sicht aus dem Cockpit, noch wissen wir, was in den militärischen Kommandoketten der Afghanen oder US-Amerikaner geschah."

Der Bericht enthält dagegen Details zur Übermittlung der GPS-Koordinaten des Krankenhauses sowie Protokolle der Telefonanrufe bei den Militärbehörden, mit denen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen versuchten, die Luftangriffe zu stoppen. Ärzte ohne Grenzen hatte nach eigenen Angaben vor dem Angriff mit allen Konfliktparteien vereinbart, dass die Neutralität des Krankenhauses gemäß den Regeln des humanitären Völkerrechts respektiert werden würde.

Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen dürften nie mit Waffen betreten werden
„Wir haben unseren Teil der Vereinbarung eingehalten", erklärte die Präsidentin der Hilfsorganisation, Joanne Liu. Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen dürften nie mit Waffen betreten werden - „und diese Regel wurde von allen respektiert". Das Personal der Klinik habe zudem vor und während der Luftangriffe "die vollständige Kontrolle über die Einrichtung" gehabt.

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen wurden in der Klinik zum Zeitpunkt des Angriffs 105 Patienten behandelt, darunter verletzte Taliban-Kämpfer, aber auch Frauen und Kinder. Stokes betonte, dass auch verwundete Taliban-Kämpfer nach dem Völkerrecht als Patienten geschützt seien. Sie müssten ohne Diskriminierung behandelt und dürften nicht angegriffen werden.

Ärzte ohne Grenzen kündigte an, die interne Untersuchung der Vorfälle fortzusetzen. Die Hilfsorganisation forderte jedoch erneut eine unabhängige Untersuchung durch die Internationale Humanitäre Ermittlungskommission (IHFFC) in Bern. Die Kommission, die auf der Grundlage eines Zusatzprotokolls zu den Genfer Konventionen Verletzungen des humanitären Völkerrechts im Kriegsfall untersuchen soll, muss vor einer Untersuchung die Zustimmung der betroffenen Staaten einholen. © afp/aerzteblatt.de

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