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Ärzteschaft

Hartmannbund: Mehr Einheit und Einigkeit in der Ärzteschaft!

Freitag, 6. November 2015

Berlin – Für mehr Einheit und Einigkeit in der Ärzteschaft hat der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt, auf der Haupt­ver­samm­lung seines Verbandes geworben. „Auch in der Ärzteschaft gibt es zu viel Kleinteiligkeit, und das macht uns mitunter politikunfähig“, sagte Reinhardt vor den Delegierten in Berlin. Aus seiner Sicht sei es auch eine Aufgabe, die Politik bei der Gesetzgebung zu beraten.

„Wir als Ärzteschaft sollten uns viel öfter überlegen, wie aus dem Blick des Arztes Versorgung sinnvoll organisiert werden kann“, so Reinhardt. Konkretes Beispiel seien die geplanten Portalpraxen im Krankenhausstrukturgesetz. „Unsere Vorschläge sollten hier realitätsbezogen und praktikabel sein. Wir sollten uns nicht mit den Wünschen beschäftigen, die wir in der Verbandswelt haben, sondern uns an den gesellschaftlichen Machbarkeiten orientieren.“ 

So müsse auch das Thema Patientensteuerung diskutiert werden. Die Krankenkassen fielen als Mitstreiter bei dem Thema aus. „Die haben Null Interesse an einer Patien­tensteuerung“, berichtete Reinhard. Auch bei der aktuellen Diskussion um die Reform der  amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) beklagte Reinhardt, der auch Mitglied im Vorstand der Bundes­ärzte­kammer ist, den öffentlichen Streit zwischen Zahn- und Humanmedizinern. Nach seiner Ansicht sollten Streitigkeiten intern und mit weniger radikalen Äußerungen ausgetragen werden.

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Schulterschluss zwischen Verbänden und KVen gefordert
Um interne Streitigkeiten zu überwinden, forderte Werner Baumgärtner, Vorstands­­­­vorsitzender von MEDI-Geno Deutschland, einen Schulterschluss zwischen den Verbän­den anlässlich der Wahlen in den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) im Jahr 2016. „Die Politik hat ein leichtes Spiel mit uns, weil die innerärztliche Zerstrittenheit derzeit nicht zu toppen ist.“ Daher „müssen wir Verbände wieder in den KVen sagen, wo die Wirklichkeit hingeht“, so Baumgärtner.

Für mehr „Unaufgeregtheit“ warb auch der Vorstandsvorsitzende der Kassen­ärzt­lichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, in seinem Grußwort und in der Aussprache mit den HB-Mitgliedern. Derzeit stelle sich die Frage, wie die Unstimmig­keiten und Probleme in der KBV aufgearbeitet werden können, da gebe es momentan in der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung unterschiedliche Auffassungen, so Gassen. An die Gesundheitspolitiker gerichtet, erklärte er, dass dort vergessen werde, dass die Organisation in KBV und KVen ein Recht der Ärzteschaft sei.

Kritik äußerte Gassen erneut an den Regierungsplänen, Portalpraxen einzurichten. Dies sichere nur die hohen Patientenzahlen in den Kliniken, dabei müsse aus seiner Sicht viel mehr darüber diskutiert werden, wie die hohe Zahl an unnützen Krankenhaus­aufent­halten reduziert werden könne. Denn auch die Arbeitsbelastung in den Kliniken steige – „die Kollegen in den Kliniken sind ja auch nicht zufrieden mit ihrer Situation“, so Gassen. Klar müsse der Politik sein, dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) nicht die Interessen der Klinikärzte vertrete – sondern die der Klinikträger. Dies werde den Ländern finanziell „noch auf die Füße fallen“, prognostizierte Gassen.

"Wir wurden von der Geschichte überollt"
Auf der Haupt­ver­samm­lung des Hartmannbundes warfen die Delegierten einen Blick zurück in die Vergangenheit: Die Einheit der Gesundheitssysteme in West- und Ostdeutschland jährt sich zum 25. Mal – und musste damals sehr schnell gehen. „Wir wurden von der Geschichte überrollt, wir hatten keine Zeit, Gesetze lange zu besprechen. Es gab auch keine festen Verbandsstrukturen, mit denen man Auswirkungen hätte diskutieren können“, erinnert sich Franz Knieps, der damals vom AOK Bundesverband in das DDR-Ministerium für Arbeit und Soziales zur Unterstützung des deutschen Vereinigungsprozesses abgeordnet war.

Heute ist er Vorstand des BKK-Dachverbandes. Binnen einem Jahr musste das Gesund­heitswesen umgebaut werden, „da war keine Zeit für weitreichende Diskussionen, der Druck war zu groß im System“, erinnerte sich Rainer Hess, damaliger KBV-Vorsitzender. Den Vorwurf, damals seien Polikliniken zu schnell abgeschafft worden, ließ Hess nicht gelten.

Den Polikliniken nur eine Betriebsgarantie für fünf Jahre zu geben, war ein Fehler
„Wir haben Verträge mit den Kassen geschlossen, um diese Polikliniken zu finanzieren. Wir als KBV haben die Poliklinik nicht weggeredet“, sagte er. Eher hätten sich in den Jahren nach der Wiedervereinigung die neu gegründeten Kassenärztlichen Vereini­gungen gegen die Polikliniken ausgesprochen, so Hess. Es sei aber ein Fehler gewesen, den Polikliniken per Gesetz zunächst nur eine Betriebsgarantie für die kommenden fünf Jahre zu geben. Mit dieser Perspektive hätten keine Investoren gefunden werden können, waren sich Knieps und Hess einig.

Für die Ärzte, die damals in Kliniken und Polikliniken arbeiteten, war der Wandel eine Zeit der Umbrüche. An einem Tag seien die Kollegen entlassen worden, zwei Tage später waren die Arbeitsverträge wieder da, berichtete Ellen Lundershausen, damals HNO-Ärztin in einer Betriebs-Poliklinik, heute als niedergelassene HNO-Ärztin tätig und Präsidentin der Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen. Für viele ältere Kollegen sei beispiels­weise ein hoher Kredit für die Finanzierung einer Niederlassung nicht mehr möglich gewesen. So hätten viele gerne in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet, berichtete Wolfgang Weidig, einer der Mitbegründer des Hartmannbundes in Mecklenburg-Vorpommern.

„Tief erschüttert hat mich der Wilde Westen, der mit unerfahrenen Ärzten Geschäfte mit überteuerten Geräten, Immobilien und Grundstücken gemacht haben“, sagte Hess. Für Knieps ist es besonders bedauerlich, dass die Lage von behinderten und pflege­bedürftigen Menschen lange nicht im Fokus der ersten Gesetze nach der Wieder­vereinigung waren. „Die pflegebedürftige Bevölkerung war fast unsichtbar, da sich die DDR auf die arbeitende Bevölkerung konzentriert hatte. Darauf hätten wir einen stärkeren Blick richten müssen.“ © bee/aerzteblatt.de

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