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Ärzteschaft

Niedergelassene verdienen weniger als Klinikärzte

Freitag, 6. November 2015

dpa

Berlin – Ein Vertragsarzt verdient mit der Behandlung gesetzlich Versicherter in der gleichen Arbeitszeit nach wie vor weniger als ein Arzt mit vergleichbarer Qualifikation im Krankenhaus. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervor.

„Während die Klinikärzte von Tariferhöhungen profitieren, verringert sich das Einkommen der Vertragsärzte durch stetig steigende Betriebskosten“, erläuterte der Zi-Geschäftsführer Dominik von Stillfried. Die 2014 im Rahmen des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) erhobenen Daten zeigten, dass die Jahresüberschüsse in den Jahren 2010 bis 2013 stagnierten, während die Betriebskosten in den Praxen um 7,7 Prozent gestiegen seien.

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Für den Vergleich hat das Zi die Jahresüberschüsse der Praxen standardisiert, um sie vergleichbar zu machen. Zum Beispiel wurden sie auf die Normarbeitszeit umgerechnet. Danach lag der sogenannte standardisierte Jahresüberschuss 2013 bei rund 117.100 Euro. Ein vergleichbares Bruttogehalt eines Oberarztes in der Klinik beträgt jedoch derzeit mehr als 135.000 Euro.

Der nicht-standardisierte durchschnittliche Jahresüberschuss eines Vertragsarztes betrug 2013 rund 145.400 Euro. Er liegt unter anderem deshalb höher als der standardisierte Wert, weil die Arbeitszeit selbständig tätiger Ärzte mit rund 49 Wochenstunden deutlich über der eines angestellten Arztes liegt. „Werden davon die Beiträge zur Altersvorsorge, zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Einkommens­steuer abgezogen, verbleibt für einen Praxisinhaber ein durchschnittliches Nettoeinkommen in Höhe von 71.758 Euro im Jahr“, berichtet das Zi.

Allerdings verlief die wirtschaftliche Entwicklung von 2010 bis 2013 in den einzelnen Fachrichtungen unterschiedlich – sowohl bei Einnahmen und Aufwendungen als auch beim Jahresüberschuss. Besonders deutlich sind die Aufwendungen je Praxisinhaber bei den Anästhesisten mit durchschnittlich jährlich 4,3 Prozent und in der Kinder- und Jugendpsychiatrie um 4,5 Prozent gestiegen.

Dagegen wurden die größten Einnahmenzuwächse im Fachgebiet Neurologie mit 5,8 Prozent erzielt. Für Orthopäden und Psychotherapeuten verringerten sich die Jahresüberschüsse um durchschnittlich 1,7 Prozent.

Mit dem Praxis-Panel hält das Zi jedes Jahr die Kosten, Einnahmen und Überschüsse von Praxen fest. Die diesjährige Befragung von mehreren tausend Vertragsärzten und Vertragspsychotherapeuten startete Mitte Juli und wurde jetzt bis zum 30. November verlängert. „Je mehr Praxen sich beteiligen, desto aussagekräftiger ist die Datenlage“, appellierte Zi-Geschäftsführer von Stillfried an die Ärzte und Psychotherapeuten. Das ZiPP stelle eine wichtige Informationsbasis für die Honorarverhandlungen von KBV und Krankenkassen sowie für die Weiterentwicklung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes dar. An der Erhebung in 2014 hatten sich rund 5.000 Praxen beteiligt. © hil/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 10. November 2015, 00:45

Lieber Kollege Schmibi

Sie verfallen hier dem gleichen Fehler wie ganz viele Vertreter der schreibenden Zunft.
Sie vergessen die berühmten "Lohnzusatzkosten", die ihr Arbeitgeber zusätzlich zu ihrem Bruttolohn aufwenden muss, um Ihnen dieses Gehalt zahlen zu können, und die sie als Freiberufler zusätzlich erwirtschaften müssen, um sich einen entsprechenden "Unternehmerlohn" zahlen zu können. Durchschnittlich 21% vom Bruttolohn in 2015...
Wenn Sie als Oberarzt samt Diensten und Überstunden ein Bruttogehalt von 100.000 € erzielen, muss ihr Arbeitgeber 121.000 € dafür aufwenden.
Als Freiberufler müssen Sie zudem einen erheblichen Teil davon aus ihrem versteuerten Einkommen aufbringen.
Mit einem Vorsteuergewinn von 135.000€ können Sie einen Unternehmerlohn in Höhe eines Oberarztgehalts mit 6 Wochen Jahresurlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nicht erwirtschaften!
Avatar #557959
Schmibi
am Montag, 9. November 2015, 14:52

Werden hier Äpfel mit Birnen verglichen?

Entschuldigung, aber einen solch einseitigen Artikel kann ich als angestellter Arzt nicht einfach so stehen lassen:
Hier wird behauptet, dass ein "vergleichbarer" Oberarzt mehr als 135000,-€ im Jahr verdient, andererseits aber angeblich "deutlich weniger als 49 Stunden in der Woche arbeitet". Beides entspricht in keiner Weise der Realität an deutschen Kliniken.

Ich kenne keinen Oberarzt - und auch sonst keine Kollegen in der Klinik - die in der Woche nicht deutlich MEHR als 49 Stunden arbeiten, und zwar dank Arbeitszeitgesetz auch ohne Bezahlung, da die Überstunden teilweise als Freizeit abgegolten werden sollen, teilweise auch einfach verfallen. Ganz zu schweigen von der "Opt out- Regelung".
Auf der anderen Seite beträgt meines Wissens das höchst mögliche Einkommen (leitender OA bzw. Chefarzt, Gruppe IV, Stufe 2, siehe Entgelttabelle VKA des MB) ca. 8700,-€ im Monat, also ca. 103000,-€ im Jahr. Da es im Artikel ausdrücklich nur um die Versorgung gesetzlich Versicherter geht, gehören selbst eventuelle Beteiligungen an der privatärztlichen Versorgung von Patienten o.ä. (wohl dem, der so etwas bekommt...) nicht in diese Rechnung.
Wie also kommt man auf "mehr als 135.000,-€"???

Ich weiß wohl, dass sich die Lage der niedergelassenen Kollegen in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat, und habe auch volles Verständnis für deren Kritik an der deutschen Gesundheitspolitik.
Aber wäre es nicht besser, an einem Strang zu ziehen, anstatt mit einer solchen Darstellung eventuelle (falsche) Neiddebatten auszulösen?
LNS
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