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Medizin

Prostatakarzinom: „Flüssige Biopsie“ zeigt Resistenzen auf Abirateron und Enzalutamid an

Sonntag, 8. November 2015

dpa

Vancouver/London – Die Untersuchung von zellfreier Tumor-DNA im Blut, auch „flüssige Biopsie“ genannt, kann erkennen, ob es bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom unter der Behandlung mit Abirateron oder Enzalutamid zu Resistenten kommt. Dies zeigen Untersuchungen in Science Translational Medicine (2015; 7: 312re10) und Clinical Cancer Research (2015; 21: 2315-24).

Die Einführung von Abirateron im Jahr 2011 und Enzalutamid im Jahr 2013 haben die Behandlung des metastasierten Prostatakarzinoms verbessert. Die Mittel werden typischerweise eingesetzt, wenn es nach einer medikamentösen oder chirurgischen Kastration erneut zum Tumorwachstum gekommen ist. Diese Resistenz wird auf eine vermehrte Empfindlichkeit der Androhen-Rezeptoren auf den Tumorzellen zurück­geführt. Diese reagieren dann auf kleinste Mengen von Androgenen oder verwandten Hormonen, die trotz der kastrationsbedingten Androgendeprivation im Körper gebildet werden.

Diese Beobachtung hatte zur Entwicklung von Abirateron und Enzalutamid geführt: Abirateron inhibiert die Androgensynthese in gesunden Körperzellen, Enzalutamid blockiert in den Tumorzellen neben dem Androgenrezeptor noch weitere Stationen der Signalkaskade. Beide Mittel können das Prostatakarzinom jedoch nur vorübergehend stoppen. Nach einiger Zeit entwickelten die Krebszellen auch gegen Abirateron und Enzalutamid Resistenzen.

Die Untersuchung dieser Resistenzen wird dadurch erschwert, dass Biopsien aus den Metastasen technisch schwierig durchführbar und für den Patienten schmerzhaft sind. Als Alternative wird seit einiger Zeit eine „flüssige Biopsie“ diskutiert. Sie besteht im Nachweis von zellfreier DNA im Blut, die beständig aus abgestorbenen Tumorzellen freigesetzt wird. Diese DNA kann heute nachgewiesen werden und eine genaue „tiefe“ Sequenzierung deckt genetische Veränderungen auf.

Ein Team um Kim Chi vom Vancouver Prostate Centre konnte kürzlich zeigen, dass die Resistenz auf Abirateron und Enzalutamid häufig mit einem Anstieg in der Anzahl der genetischen Kopien des Androgen-Rezeptors assoziiert ist. Bei einigen Patienten wurden auch Mutationen gefunden, die möglicherweise die Bindung von Enzalutamid herabsetzen. Wie erwartet, wurden diese Veränderungen bei Enzalutamid (das ja am Rezeptor angreift) häufiger gefunden als bei Abirateron (das seinen Angriffspunkt nicht am Rezeptor hat). Wenn die Zahl der Genkopien bereits vor Beginn der Therapie erhöht ist, kommt es unter der Behandlung mit Enzalutamid rascher zur erneuten Tumor­progression.

Ein Forscherteam um Francesca Demichelis von der Universität Turin und Gerhardt Attard vom Institute of Cancer Research in London, zeigt jetzt, dass auch die Wirkung von Abirateron durch eine erhöhte Zahl der Genkopien, vermutlich aber auch durch Mutationen im Rezeptor, aufgehoben werden kann. Patienten mit dieser Veränderung erreichten 7,8-fach seltener einen deutlichen Rückgang der PSA-Werte, dem biochemischen Maßstab für eine Tumorremission beim Prostatakarzinom.

Die Forscher fanden auch heraus, dass das Auftreten der genetischen Veränderungen der Resistenz häufig voraus ging. Regelmäßige „flüssige Biopsien“ könnten deshalb in Zukunft helfen, die Therapie zu steuern, und rechtzeitig mit einer Chemotherapie zu beginnen, die nach dem Ausschöpfen der Androgendeprivation noch eine letzte therapeutische Option bietet. Die britischen Onkologen planen hierzu eine klinische Studie an mehr als 600 Patienten. © rme/aerzteblatt.de

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