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Medizin

Nebenwirkungs­spektrum von Finasterid und Dutasterid zu wenig erforscht

Sonntag, 8. November 2015

Boston/Münster – Ein Viertel der Männer unter 5-α-Reduktasehemmertherapie scheint nicht von der Medikation zu profitieren. Zudem können Nebenwirkungen die Patienten belasten. Ein internationales Forscherteam unter Mitwirkung der Boston University School of Medicine (BUSM) und des Zentrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie am Universitätsklinikum Münster hat diese nun zusammengetragen. Die Wissenschaftler publizieren ihre Ergebnisse in den Reviews in Endocrine and Metabolic Disorders (doi: 10.1007/s11154-015-9319-y).

Die 5-α-Reduktasehemmer Dutasterid und Finasterid hemmen die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron. Sie werden in der Therapie der obstruktiven Miktion durch Prostatavergrösserung und zunehmend in der androgenbedingten Alopezie eingesetzt. Es bestehen kontroverse Diskussionen bezüglich der Schwere und Persistenz von unerwünschten Nebenwirkungen unter 5-α-Reduktasehemmertherapien. Vor allem Beeinträchtigungen der Sexualfunktion stehen hierbei im Vordergrund.

Unter Finasterid kommt es bei rund zehn Prozent der Patienten zu verminderter Libido bis hin zum Verlust, während es in 18 Prozent der Fälle zu erektiler Dysfunktion kommt. Bei einigen Patienten bestehen die Nebenwirkungen auch nach Absetzen der Therapie weiter. Die aktuelle Studie fand keine Belege für die Annahme, dass die sexuellen Nebenwirkungen vor allem während der ersten sechs Monate auftreten und danach abflachen. Zum Nutzen von 5-α-Reduktasehemmern in der Chemoprävention des Prostatakarzinoms fanden die Wissenschaftler keine eindeutigen Hinweise.

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In ihrer Zusammenfassung der aktuellen Datenlage führt die Arbeitsgruppe von Abdulmaged Traish (BUSM) Auswirkungen auf weitere Systeme an. „Die Hemmung der 5-α-Reduktase verstärkt möglicherweise Insulinresistenz, Typ 2 Diabetes, Gefäßerkrankungen und Osteoporose. Die Studien hierzu sind nicht eindeutig“, so Traish, Die Untersuchung der psychiatrischen Nebenwirkungen sei ebenfalls limitiert, allerdings beschrieben einige Fallstudien verstärkte Depression und Angstsymptomatik bei Patienten unter 5-α-Reduktasehemmertherapie, so der Wissenschaftler.

Traishs Team fordert weitere Studien zu Nebenwirkungen, die bei einer 5-α-Reduktasehemmertherapie auftreten können. Ein besonderes Augenmerk gelte hierbei Zusammenhängen zwischen der Dosis und dem Schweregrad von Langzeitnebenwirkungen. © nt/aerzteblatt.de

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