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Ärzteschaft

NAV-Virchow-Bund fordert Reform des KV-Systems

Montag, 9. November 2015

Berlin – Der NAV-Virchow-Bund hat eine Stärkung der ärztlichen Freiberuflichkeit gefordert. „Damit der Arzt im Spannungsfeld aus professionellem Handeln, den berechtigten Erwartungen der Patienten und den von der Gesellschaft zur Verfügung gestellten Mitteln bestehen kann, benötigt er Freiheit in Diagnostik und Therapie, Regelungsarmut und Bewegungsspielraum für die eigene Selbstverwaltung“, forderten die Delegierten auf der Bundeshauptversammlung des Verbandes am Samstag in Berlin.

„Überkontrolle und Gewinnstreben zerstören das Vertrauen in den freien Beruf“
Fachfremde administrative Vorgaben, die immer stärker werdende Einbindung in gesetzliche Rahmenbedingungen, aber auch die Schwächen der eigenen Selbstver­waltung führten zu einer zunehmenden Deprofessionalisierung des Arztberufes mit schwerwiegenden Folgen für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Darüber hinaus zerstörten die zunehmende Überkontrolle, aber auch ein ungezügeltes Gewinnstreben in den eigenen Reihen sowie eine Unterordnung medizinischer Erfordernisse unter ökonomische Zwänge das unbedingt notwendige Vertrauen sowohl in das System als auch in den freien Beruf.

„Daher ist es nun dringend erforderlich, dass der Wert der Freiberuflichkeit durch eine Diskussion des ärztlichen Selbstverständnisses in allen Gremien wiederbelebt und gestärkt wird. Dabei spielen die medizinischen Fakultäten, die Kammern und die Selbstverwaltung eine zentrale Rolle“, heißt es in der Entschließung. Erforderlich sei zudem, „dass die eigenen Selbstverwaltungsorgane durch zeitgleiche Professio­nalisierung und Demokratisierung reformiert werden“.

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„Hauptamtlichkeit der KV-Vorstände hat regionale Interessenvertretung geschwächt“
In diesem Zusammenhang forderte der NAV-Virchow-Bund eine Reform des Systems der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). „Die 2004 durch das Gesundheits­modernisierungsgesetz durchgesetzte Organisationsreform der Kassenärztlichen Vereinigungen hat zu einer Schwächung der regionalen Interessenvertretung innerhalb der KVen und zu einer Entfremdung der ärztlichen Basis von der Selbstverwaltung geführt“, kritisierten die Delegierten. Daher müssten regionale Strukturen gestärkt und die Ver­tre­ter­ver­samm­lung gegebenenfalls vergrößert werden.

Mit der Einführung der Hauptamtlichkeit hätten die Vorstände in den KVen die Funktion von Managern übernommen, die über Milliardensummen entscheiden. Hierfür würden sie auch wie Manager vergütet. „Sie sind damit aber nicht mehr Teil der Selbst­verwaltung, sondern von ihr angestellte Mitarbeiter, zuständig für das operative Geschäft“, betonten die NAV-Delegierten.  

Hausarzt-Facharzt-Konflikt spielt auf lokaler Ebene überhaupt keine Rolle
Der NAV-Virchow-Bund betonte die Bedeutung der Ver­tre­ter­ver­samm­lung in den KVen. „Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung ist das demokratisch gewählte Abbild der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten. Ihre wichtigste Aufgabe ist, einer Entfremdung eines professionalisierten, hauptamtlichen Vorstandes von der Basis entgegenzuwirken und ihn zu beaufsichtigen“, heißt es in der Entschließung. Durch eine stärkere Verwurzelung auf regionaler Ebene werde die Basis dabei besser in Entscheidungsprozesse einge­bunden. Zudem bekämen echte Versorgungsthemen wieder mehr Bedeutung, während der Hausarzt-Facharzt-Konflikt entschärft werde, der auf lokaler Ebene überhaupt keine Rolle spiele.

Um die Stärkung der ärztlichen Basis auch in die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassen­ärztlichen Bundesvereinigung zu tragen, sollen zukünftig nicht mehr die hauptamtlichen Vorstände entsandt werden, sondern die Vorsitzenden der Ver­tre­ter­ver­samm­lung, forderten die Delegierten.

NAV-Virchow-Bund fordert Ende des Budgetzwangs
Dass KVen Portalpraxen an Krankenhäusern einrichten sollen, wie es mit dem Krankenhausstrukturgesetz beschlossen wurde, lehnte der NAV-Virchow-Bund als „einseitigen und schwerwiegenden Eingriff in die autonome Selbstverwaltung der Vertragsärzteschaft“ ab. Der bisherige Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigungen werde dadurch quasi aufgehoben. „Es entsteht ein stationärer Notfallsektor mit einer weitreichenden Überversorgung, der auch noch von den Vertragsärzten bezahlt werden soll“, kritisierten die Delegierten und forderten die Politik auf, „die einseitige Bevorteilung der Kliniken zu stoppen und für gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen stationärem und ambulantem Bereich zu sorgen“.

Der Verband forderte zudem „ein Ende des Budgetzwanges in der vertragsärztlichen Versorgung“. Die derzeitige Form der Budgetierung bilde weder das Inanspruchnahmeverhalten der Patienten noch die Entwicklung des Versorgungsangebots ab. Das Diktat der Beitragssatzstabilität dürfe nicht zur systematischen Unterfinanzierung einer gesamten Berufsgruppe führen.

Nicht nur Kinder- und Hausärzte sollen impfen
Darüber hinaus setzte sich der NAV-Virchow-Bund dafür ein, die Impfbereitschaft in der Bevölkerung zu steigern und eine höhere Durchimpfungsrate in Deutschland zu erreichen. Er beteilige sich mit dem Ziel an der „Impfallianz für Deutschland“, den Nutzen von Impfungen wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rufen. „Auch wenn die Hauptlast von Impfungen und Aufklärung bei Kinderärzten, aber auch bei Hausärzten liegt, sollen alle Arztgruppen dazu angehalten werden, ihre Patienten ebenfalls zu informieren und gegebenenfalls Impfungen durchzuführen“, heißt es in der entsprechenden Entschließung.

Die Delegierten warnten auch vor einem leichtfertigen Umgang mit sogenannten Gesundheits-Apps. Der rasant wachsende Markt für Gesundheits- und Lifestyle-Applikationen für Smartphones und andere tragbare Minicomputer berge viele Risiken für die Nutzer. So sei bei diagnostischen Anwendungen, die beispielsweise das Hörvermögen testen oder mit denen Veränderungen der Haut untersucht werden können, Vorsicht geboten. „Nur der Arzt ist dazu befähigt, eine fundierte Diagnose zu stellen und die geeignete Therapie einzuleiten“, betonten die Delegierten. „Dafür ist der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patienten, wie er in der ärztlichen Berufsordnung verankert ist, unabdingbar.“  © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Montag, 9. November 2015, 22:51

Was Funktionäre anscheinend nicht mitbekommen haben

Grosse Aufregung über Portal- und Notfallpraxen an den Krankenhäusern, kein Wort zu Änderungen in den Notfalldienstsatzungen der regionalen KV-en, die vor einigen Jahren die Kostenbeteiligung der zum Notfalldienst zwangsverpflichteten Kassenärzte brachte. Da laufen im Jahr vierstellige €urobeträge auf, die natürlich bequem im Vorwegabzug bei der Quartalsabrechnung "verrechnet" werden.
Wo gibt es vergleichbares in der Arbeitswelt?
NAV-Virchow-Heinrich präsentiert sich jetzt schon im Wahlkampf um das Spitzenamt der KBV, er war ja früher bereits gegen Köhler angetreten, als scheinbar "kritischer Geist" gelingt das meistens ...
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