Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Die meisten Herzinfarkte bleiben unentdeckt

Dienstag, 10. November 2015

iStock

Bethesda/Maryland – Die kardiale Magnetresonanztomographie, die auch kleinere Narben im Herzmuskel darstellen kann, zeigt, dass deutlich mehr Menschen als bisher angenommen im Verlauf ihres Lebens einen Herzinfarkt erleiden. Die meisten ischä­mischen Ereignisse verlaufen nach den im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; doi: 10.1001/jama.2015.14849) veröffentlichten Ergebnissen einer bevölkerungs­basierten Kohortenstudie unbemerkt.

Die Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA) begleitet eine Gruppe von mehr als 6000 Erwachsenen. Die Teilnehmer werden alle zwei Jahre gründlich medizinisch untersucht. In der fünften Testreihe zwischen 2010 bis 2012 wurde erstmals eine kardiale Magnetresonanztomographie durchgeführt. Diese Untersuchung liefert hoch auflösende Bilder des Herzmuskels und mit Hilfe des Kontrastmittels Gadolinium lassen sich jene Abschnitte darstellen, die nicht mehr durchblutet werden, weil sie nach einem Herzinfarkt abgestorben sind.

Von den 1.840 Personen, die im Durchschnittsalter von 68 Jahren an der Untersuchung teilnahmen, hatten nicht weniger als 146 oder 7,9 Prozent eine Perfusionsstörung im Herzmuskel. Nur bei 32 Teilnehmern (1,7 Prozent) war ein Herzinfarkt in der Vorge­schichte dokumentiert. Die anderen 114 Teilnehmer (6,2 Prozent) konnten sich an kein ischämisches Ereignis erinnern und auch im EKG fanden sich keine Hinweise darauf.

Dies bedeutet, dass nicht weniger als 78 Prozent (114 von 146) aller Herzinfarkte klinisch stumm verliefen. Männer hatten mit einer Prävalenz von 12,9 versus 2,5 Prozent deutlich häufiger einen Herzinfarkt erlitten als Frauen. Das Team um David Bluemke vom National Institute of Biomedical Imaging and Bioengineering in Bethesda/Maryland errechnet eine Odds Ratio (OR) von 5,76. Weitere Risikofaktoren waren Adipositas (OR 1,32 pro 4,8 Standardabweichungen des Body-Mass-Index), arterielle Hypertonie (OR 1,61) und Rauchen (OR 2,00). Teilnehmer mit einer Infarktnarbe hatten häufiger einen erhöhten Kalzium-Score, der das Ausmaß der Gefäßverkalkung in den Koronararterien angibt.

Welche Auswirkungen die stummen Infarkte auf die Gesundheit haben, ist noch nicht bekannt. Prinzipiell kommt es aber nach jedem Herzinfarkt zum Ersatz von Herz­muskelgewebe durch ein Bindegewebe, das keine kontraktive Funktion hat und die Herzleistung auf Dauer herabsetzt. Zu den Spätfolgen gehört eine Kardiomyopathie und eine Herzinsuffizienz. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

31.08.17
Neue Brustschmerz­ambulanz am Universitäts­klinikum Leipzig
Leipzig – Eine Anlaufstelle für Patienten mit unklarem Brustschmerz hat das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) eingerichtet. Die „Chest Pain Unit“ (CPU) genannte Einheit gehört zur Klinik für......
28.08.17
Antientzündlicher Antikörper verlangsamt „inflammatorische“ Atherosklerose nach Herzinfarkt
Boston – Ein starker Blocker von Entzündungsreaktionen, der seit acht Jahren zur Behandlung verschiedener autoinflammatorischer Erkrankungen zugelassen ist, hat in einer Phase 3-Studie bei Patienten......
27.07.17
Mendelsche Randomisierung bestätigt: Zu viel Kalzium im Blut erhöht Herzinfarktrisiko
Stockholm - Menschen, die aus genetischen Gründen erhöhte Kalziumkonzentrationen im Blut haben, erkranken häufiger an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) und an einem Herzinfarkt. Die Ergebnisse einer......
18.07.17
Computertomographie des peri-koronaren Fettgewebes zeigt Herzinfarktrisiko an
Oxford – Britische Forscher haben herausgefunden, dass die entzündlichen Veränderungen in den Koronarien, die der Plaquesbildung vorausgehen, Auswirkungen auf das Fettgewebe in unmittelbarer Umgebung......
05.07.17
Studie: Gürtelrose erhöht Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko
Seoul - Ein Herpes Zoster erhöht möglicherweise das Risiko auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das kam in einer Analyse von Krankenregistern in Südkorea heraus, die jetzt im Journal of the......
26.06.17
Europäisches Netzwerk für Chest Pain Units geplant
Mainz – Die European Acute Cardiovascular Care Association (ACCA) will ein europaweites Netzwerk von Chest Pain Units (CPUs) aufbauen. Den Anstoß hierzu hatte die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie......
22.06.17
Stillen reduziert Risiko für Herzerkrankungen bei Müttern
Oxford/Peking – Stillen kommt nicht nur der Gesundheit des Kindes zu gute. Auch die Mutter profitiert. Ihr Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall sinkt um acht bis 18 Prozent in......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige