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Methaphetamin­abhängigkeit: Sehr heterogene Konsumenten brauchen unterschiedliche Ansätze

Dienstag, 10. November 2015

Crystal-Meth-dpa

Berlin. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe von Bundes­ärzte­kammer und dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) ist seit Mai dabei, Empfehlungen für die medizinische und psychosoziale Behandlung der Methaphetaminabhängigkeit zu erarbeiten. Erste Ergebnisse dieses Leitfadens wurden bei der Jahrestagung der Bundesdrogenbeauftragten am 6. November in Berlin vorgestellt. „Trotz aller Maßnahmen ist Crystal Meth in Deutschland weiter auf dem Vormarsch, ganz besonders in den Grenzregionen zu Tschechien, aber auch zunehmend in Großstädten. Auch die Behandlungszahlen in der Notfallmedizin, der Psychiatrie und der Suchtberatung steigen rasant.“ So begründete der Drogenbeauftragte Marlene Mortler die Entscheidung für das diesjährige Tagungsthema.

„Die Zahl der Sicherstellungsfälle von Crystal Meth ist zwischen 2008 und 2014 von 400 Fällen auf 4.000 Millionen gestiegen“, berichtete Peter Henzel, Vizepräsident des Bundeskriminalamtes (BKA). Die Zahl der Erstkonsumenten sei besonders zwischen 2013 und 2014 vor allem in Sachsen stark angestiegen. Die Droge werde größtenteils in Tschechien produziert und dort auf grenznahen „Asia-Märkten“ verkauft. Aber auch Polen und die Niederlande gelten als Lieferanten. Gehandelt werde Crystal Meth, und auch andere illegale Drogen, zudem  über das Internet in sogenannten B2B-Onlineshops. „Auch der Handel in Webshops und Plattformen im ‚darknet‘ ist für die Polizei schwer zugänglich“, betonte  der BKA Vize.

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Sehr heterogene Konsumentengruppen
„Es gibt bisher sehr wenig wissenschaftliche Daten aus Deutschland“, berichtete Norbert Wodarz, Zentrum für Suchtmedizin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie  am Bezirksklinikum Regensburg. „Wir wissen aber, dass die klassische Suchthilfe nur wenige Crystal-Konsumenten erreicht, auch weil die Konsumenten­gruppen sehr heterogen sind“. Die größte Gruppe sind nach Wordarz sehr junge Politoxmane, die fast alles nehmen. Die Grenze zur Gruppe der Partykonsumenten, die ebenso wenig homogen ist, verläuft fließend. Betroffen sind auch alleinerziehende Frauen und  Schwangere, die überproportional häufig traumatisiert sind. Konsumiert wird die Droge auch von „Männern die Sex mit Männern haben“ (MSM), häufig verbunden mit riskantem Sexualverhalten. Auch zur vermeintlichen Leistungssteigerung in Studium und Beruf wird die Droge eingesetzt. „In Suchthilfe und Entwöhnung brauchen wir  für all diese Gruppen spezialisierte Angebote“, forderte der Suchtmediziner.

„Methamphetaminkonsumenten haben ein sehr hohes Risiko für Psychosen, besonders wenn sie die Droge in Kombination mit Alkohol konsumieren“, erklärte Wodarz. Auch aggressive Durchbrüche, Gewalttätigkeit und sehr riskantes Verhalten seien typische Erscheinungen. „Crystal-User wollen sich im Notfall meist nicht helfen lassen und werden deshalb häufig in Polizeibegleitung in die Notaufnahmen gebracht.“

Methamphetaminabhängigkeit ist gut behandelbar
Die Methamphetaminabhängigkeit ist gut behandelbar, so die einheitliche Meinung der Experten der Arbeitsgruppe, die sich bei der Tagung mit der ambulanten Behandlung beschäftigt hat. Es gebe wirksame psychotherapeutische Ansätze. Die unterschiedlichen Konsumenten brauchten jedoch individuelle Angebote je nach ihrer Lebenswelt. Entscheidend verbessert werden müssten jedoch die Erreichbarkeit der Konsumenten sowie die Haltequote. Ebenso optimiert werden müssten die Schnittstellen zwischen Prävention, ambulanter Behandlung und stationärer Reha.

Es gebe auch ausreichende und gute Angebote der stationären Entwöhnungsbehandlung für Erwachsene, so die Experten der entsprechenden Arbeitsgruppe. Allerdings müssten die Abhängigen besser und früher erreicht werden. Für Kinder und Jugendliche fehlten entsprechende Angebote. Die Behandlung müsse aber mögliche neurokognitiven Einschränkungen und auch die Auswirkungen auf die Sexualität thematisieren, um erfolgreich zu sein.

Auch Hausärzte und Durchgangsärzte sollen Risikoabschätzung vornehmen
Schließlich  stellte Ephrosyne Gouzoulis Maifrank, Professorin an der psychiatrischen Klinik des Landschaftsverband Rheinland in Köln, die ersten Ergebnisse des Leitfadens von Bundes­ärzte­kammer und ÄZQ vor, der vollständig im April 2016 erscheinen soll. Zur Diagnostik: Notwendige Informationen zur Risikoabschätzung des Konsums sollen danach auch von Hausärzten und Durchgangsärzten erhoben werden, die dann bei den Konsumenten die Bereitschaft wecken sollen, sich in suchtspezifischen Einrichtungen vorzustellen. Die Akuttherapie soll in einer ruhigen reizabschirmenden Umgebung mit personeller Begleitung stattfinden.

Zwei bis vier Wochen werden für die stationäre Behandlung empfohlen. Hochpotente Antipsychotika sollten nicht zur Behandlung eingesetzt werden, es sei denn es liegt auch eine andere Symptomatik vor. Auch Ärzte in Gynäkologie und Geburtshilfe sollten für die Problematik des Konsums von Schwangeren fortgebildet werden. Bei Patienten, die ihren Konsum nicht reduzieren wollen, sollten Ärzte zumindest „safer-use“-Maßnahmen empfehlen.

© pb/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 11. November 2015, 00:06

Gut behandelbar?

Schon 2007 schrieb Dr Albrecht Ulmer: !"Die Suchterkrankungen verhalten sich statistisch so, als ob es die Standardtherapie nicht gäbe". Bezogen auf die Gesamtzahl der Abhängigen sind die "Erfolge" der Entwöhnungstherapien bei allen Substanzen durchweg eher armselig, insbesondere im Hinblick auf die Nachhaltigkeit der Ergebnisse.
Die gegenwärtig aussichtsreichste Behandlung besteht neben der Sozio- und Psychotherapie in der hochdosierten Verabreichung von Baclofen. Die Substanz vermag als bisher einzige im Tiermodell die Selbstadminstration nahezu aller Drogen zu unterdrücken. Der Effekt selbst geringer Dosen (80mg/d) bei Cocainabhängigkeit wurde schon vor vielen Jahren von Anne-Rose Childress im MRT sichbar gemacht (https://www.youtube.com/watch?v=byain0Vo5mo).
Ich selbst behandle seit Jahren Alkohol-, Amphetamin- und Cocainabhängige erfolgreich mit Baclofen.
Ich habe keinen Grund für die Annahme, dass die Wirksamkeit auf den neuro-biochemisch vermittelten Suchtdruck (Craving) bei Methamphetamin sich von der bei Dexamphetamin oder Cocain unterscheiden sollte.
Bei Beachtung weniger Kontraindikationen und Wechselwirkungen sowie langsam einschleichender Dosierung sind notwendige Dosen bis zu 4mg/kg Körpergewicht sicher. Jeder Arzt könnte nach einer kurzen Schulung Baclofen sicher und erfolgreich anwenden - aber keiner weiss irgendetwas über Baclofen! Statt dessen wird wiedergekäut, eine Abstinenz, die nicht täglich erkämpft und erlitten wird, sei wertlos!
Icch könnte k.....n!
LNS

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