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Politik

Krankenhäuser müssen die Hälfte ihrer Investitionen selbst finanzieren

Dienstag, 10. November 2015

dpa

Berlin – Krankenhäuser erhalten nur noch die Hälfte ihrer Investitionsmittel von den Bundesländern. In den Jahren 2012 bis 2014 haben die Krankenhäuser pro Jahr insgesamt 5,3 Milliarden Euro für Investitionen ausgegeben. 2,7 Milliarden Euro davon haben sie von den Bundesländern erhalten. 2,6 Milliarden haben sie selbst aus Eigenmitteln erwirtschaftet und am Kapitalmarkt erhalten. Das geht aus einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervor, die heute unter dem Titel „Investitionsfähigkeit der deutschen Krankenhäuser“ veröffentlicht wurde. An der Umfrage nahmen 167 Allgemeinkrankenhäuser teil.

34 Prozent der Gesamtinvestitionssumme haben die Krankenhäuser aus Eigenmitteln aufgebracht, zum Beispiel aus Überschüssen aus den Leistungsentgelten oder aus Wahlleistungserlösen. Weitere elf Prozent erhielten sie über Kredite.  

Investitionsbedarf steigt auf sieben Milliarden Euro pro Jahr
In den Jahren 2012 bis 2014 verwendeten die Krankenhäuser ihre Investitionen zum überwiegenden Teil (55 Prozent) für den Neu- und Umbau von Gebäuden. In die Medizintechnik flossen 29 Prozent der investierten Mittel. Der Anteil für IT (Hard- und Software) lag bei 9 Prozent.

Die Unterfinanzierung der Krankenhausinvestitionen führe zu einem erheblichen Investitionsstau, heißt es in der Studie. Für die nächsten fünf Jahre betrage der Investitionsbedarf der deutschen Krankenhäuser rund sieben Milliarden Euro pro Jahr. Der Investitionsbedarf sei damit um das Zweieinhalbfache höher als aktuell die öffentlichen Fördermittel für Krankenhausinvestitionen.

Öffentliche Förderquote bei einem Viertel der Häuser bei unter 34 Prozent
Dies habe gravierende Folgewirkungen: Nicht nur, dass fast die Hälfte der Kranken­häuser Verluste schreibe. Aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage würden auch viele, teils deutlich überfällige, Investitionen aufgeschoben. „In der Konsequenz führt das zu Überalterung und Substanzverlusten bei der baulich-technischen Infrastruktur und damit zu einer möglichen Verschlechterung der Patientenversorgung. Hier besteht also dringender Handlungsbedarf“, resümiert Andreas Weigand, Vorstand des DKI. „Ohne innovative und unkonventionelle Lösungen unter Mitwirkung aller Beteiligten wird sich die Lage zulasten der Bevölkerung weiter verschärfen.“

Bei einem Viertel der Krankenhäuser liegt die öffentliche Förderquote der Umfrage zufolge nur noch bei 34 Prozent oder weniger. Ein Viertel der Einrichtungen erreicht eine Förderquote von 69 Prozent oder mehr. Die geförderten Krankenhäuser erhielten 1,2 Milliarden Euro in Form einer Pauschalförderung sowie 1,5 Milliarden Euro als Einzelförderung vor allem für Neu- und Erweiterungsbauten.

Was die künftigen Finanzierungsquellen für Investitionen anbelangt, sind die Krankenhäuser pessimistisch. 19 Prozent der Häuser erwarten einen Anstieg der öffentlichen Investitionsmittel. Jeweils rund 40 Prozent der Häuser gehen von unveränderten oder sinkenden öffentlichen Fördermitteln aus.

Marburger Bund: Die Länder lassen die Krankenhäuser im Stich
„Die Länder in ihrer Gesamtheit lassen die Krankenhäuser weitgehend im Stich. Wenn nur noch die Hälfte der Krankenhausinvestitionen aus öffentlichen Fördertöpfen stammt und der Rest aus den Leistungsentgelten abgezweigt wird, führt dies unweigerlich zu einer Dauerbelastung des Krankenhauspersonals. Wir müssen endlich wieder dazu kommen, dass die Behandlungserlöse der Krankenhäuser ausschließlich für die Patientenversorgung, das Personal und die Sachkosten verwendet werden – und nicht für Investitionen in Dach und Fach und Gerät. Sonst ist die nächste Notoperation an den Krankenhausfinanzen vorprogrammiert“, kommentierte Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes, die Ergebnisse der Studie.

„Im Grunde bleibt es beim Status quo, also der Fortschreibung des Defizits und dem Zwang, Investitionsmittel durch Einsparungen am Personal, und damit an der Qualität, finanzieren zu müssen“, kritisierte die MB-Haupt­ver­samm­lung und forderte die Bundesländer nachdrücklich auf, endlich die seit Jahren bestehende Unterfinanzierung im investiven Bereich zu beheben. © fos/aerzteblatt.de

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