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Medizin

Nierenspende: Risikorechner auf Nierenversagen vorgestellt

Mittwoch, 11. November 2015

dpa

Boston – Lebendspender einer Niere haben ein geringes, aber signifikant erhöhtes Risiko auf ein späteres Nierenversagen. Eine US-Arbeitsgruppe hat im Internet einen Risikorechner für potenzielle Spender veröffentlicht. Im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1510491) wagen sie eine Vorhersage der absoluten Risiken.

Das Chronic Kidney Disease Prognosis Consortium hat die Daten von 4,9 Millionen US-Amerikanern ausgewertet, die an sieben Kohortenstudien teilnahmen und dort über einen Zeitraum von 4 bis 16 Jahren beobachtet wurden. Das Risiko auf ein chronisches Nierenversagen war dabei nicht nur von den Parametern der  Nierenfunktion wie der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) oder einer Albuminurie abhängig.

Auch Bluthochdruck, aktuelles oder ehemaliges Rauchen, Diabetes und Übergewicht erwiesen sich als Risikofaktoren. Der Kalkulator, den die Forscher im Internet veröffentlicht haben, berücksichtigt auch Alter, Geschlecht und ethnische Herkunft. Letztere ist in den USA ein wichtiger Faktor, da Afroamerikaner in den USA deutlich häufiger an einem dialyseplichtigen Nierenversagen erkranken als Weiße: Ein 20-jähriger männlicher Afroamerikaner erleidet zu 0,08 Prozent in den nächsten 15 Jahren ein dialysepflichtiges Nierenversagen, bei einem weißhäutigen Mann sind es nur 0,02 Prozent.

Für Frauen betragen die Risiken 0,05 gegenüber 0,01 Prozent. Die 15-Jahres-Risiken steigen mit dem Alter an, doch in der Regel hat ein gesunder 60-jähriger Amerikaner ein geringes Risiko, in den nächsten 15 Jahren dialysepflichtig zu werden. Bei 99 Prozent der Studienteilnehmer lag das Risiko unter 3 Prozent, bei 94 Prozent sogar unter 1 Prozent. 

Mit diesem Ausgangsrisiko müssen die relativen Risiken multipliziert werden, die sich durch die Abgabe einer Niere ergeben und die das Consortium mit dem Faktor 3,5 bis 5,3 angibt. Dies dürfte bei einem Ausgangsrisiko von 3 Prozent ein Grund sein, Personen von einer Lebendspende abzuraten. Betroffen wären nach der Studie vor allem Afroamerikaner im Alter von 53 bis 68 Jahren. Auch für jüngere Afroamerikaner kann das Risiko deutlich ansteigen, wenn zusätzliche Risikofaktoren auftreten, wobei ein hoher Albumin/Kreatinin-Quotient den größten Einfluss hatte: Ein Afroamerikaner mit einer eGFR von 115 ml/min/1,73m2 hat ein projiziertes Lebenszeitrisiko von 13,3 Prozent, wenn der systolische Blutdruck 140 mm HG beträgt, er aktiver Raucher ist und der Albumin/Kreatinin-Quotient 30 beträgt. Bei der gleichen Konstellation und einem Albumin/Kreatinin-Quotient von 4 betrug das Lebenszeitrisiko „nur“ 5,4 Prozent.

Streng genommen gelten die Projektionen nur für die USA. Die Methodik ließe sich jedoch leicht auf andere Länder übertragen, schreiben die Autoren. Der Editorialist Robert Steiner von der San Diego School of Medicine in La Jolla weist jedoch darauf hin, dass diese Projektionen nicht berücksichtigen, dass einige Spender, die zum Zeitpunkt der Spende noch nierengesund sind, im späteren Leben an einem Diabetes erkranken oder eine unvorhersehbare Nierenerkrankung entwickeln, ohne dass sich diese mit einem Risikokalkulator vorhersagen lasse. © rme/aerzteblatt.de

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