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Medizin

Antidot gegen Apixaban und Rivaroxaban wirkt nach wenigen Minuten

Donnerstag, 12. November 2015

Hamilton – Die Wirkung der direkten Faktor Xa-Inhibitoren Apixaban und Rivaroxa­ban lässt sich durch die Infusion von Andexanet alfa in Minutenschnelle aufheben. Dies zeigen die Ergebnisse einer ersten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1510991). Das Antidot wirkt allerdings nur kurze Zeit, so dass sich an eine Bolusgabe eine längere Infusion anschließen muss.

Die in den letzten Jahren eingeführten direkt wirkenden Antikoagulanzien sind von vielen Ärzten mit Zurückhaltung aufgenommen worden. Ihnen fehlte ein Antidot, das im Fall einer akuten Blutung die Gerinnungsfähigkeit des Blutes wieder herstellen kann. Für den Thrombininhibitor Dabigatran wurde kürzlich ein derartiger Wirkstoff erfolgreich getestet. Idarucizumab normalisierte die Gerinnungswerte der Patienten innerhalb weniger Minuten (bis zum Stoppen der Blutungen vergingen dann allerdings elf Stunden).

Andexanet alfa strebt die gleiche Wirkung für die direkten Faktor Xa-Inhibitoren an, zu denen neben Apixaban und Rivaroxaban auch Edoxaban gehört, das allerdings in der Studie nicht eingesetzt wurde. Während Idarucizumab ein monoklonaler Antikörper ist, der an Dabigatran bindet, handelt es sich bei Andexanet um einen modifizierten Faktor Xa. Andexanet hat keine enzymatische Aktivität (wirkt also nicht als Gerinnungsfaktor), es bindet aber die Faktor Xa-Inhibitoren. Der Hersteller bezeichnet Andexanet deshalb als Köder („decoy“).

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Wie Idarucizumab kann auch Andexanet alfa die Blutgerinnung innerhalb weniger Minuten normalisieren. Dies wurde für Apixaban in der ANNEXA A-Studie und für Rivaroxaban on der ANNEXA R-Studie an gesunden Probanden im Alter von 50 bis 74 Jahren gezeigt, die probeweise über mehrere Tage die Antikoagulanzien eingenommen hatten.

Wie Deborah Siegel von der McMaster Universität in Hamilton/Ontario und Mitarbeiter zeigen, normalisierten sich die Gerinnungswerte der Probanden nach einer Infusion von Andexanet alfa innerhalb von zwei bis fünf Minuten. Für Rivaroxaban wurde allerdings eine doppelt so hohe Dosis benötigt.

Bei beiden Antikoagulanzien kam es nach der ersten Bolusgabe schon bald wieder zu einem erneuten Anstieg der Anti-Faktor Xa-Aktivität, so dass eine Infusion ange­schlossen werden musste. Bei einigen Patienten kam es vorübergehend zu einem Anstieg der D Dimer-Konzentration (ein Marker für eine erhöhte Gerinnungsaktivierung), die jedoch folgenlos blieb. Schwerwiegende unerwünschte oder thrombotische Ereignisse sind nach Auskunft der Autoren nicht aufgetreten.

Während Idarucizumab in den USA bereits zugelassen und für Europa eine Empfehlung der EMA vorliegt, dürften die Arzneimittelbehörden bei Andexanet alfa zunächst die Ergebnisse der laufenden ANNEXA 4-Studie abwarten, in der der Hersteller belegen muss, ob Andexanet alfa tatsächlich klinische Blutungen stoppen kann. © rme/aerzteblatt.de

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