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Medizin

Doppelresistenz gegen neueste Tuber­kulose-Medikamente

Donnerstag, 12. November 2015

Mycobacterium-tuberculosis dpa

Basel – Die Entwicklung von Resistenzen kann die Therapie der Tuberkulose erschweren. Dies gilt auch für die erst kürzlich in die Behandlung eingeführten Antibiotika Bedaquilin und Delamanid. In der Schweiz entwickelte ein Patient eine Doppelresistenz gegen beide Wirkstoffe. Er überlebte laut dem Fallbericht im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMc1506878) nur dank einer operativen Teilentfernung der befallenen Lungenflügel.

Bei dem Patienten, der aus Tibet in die Schweiz eingewandert war, wurde 2010 eine multiresistente Tuberkulose (MDR-Tbc) diagnostiziert. Wie Sebastien Gagneux vom Schweizer Tropeninstitut (Swiss TPH) in Basel berichtet, war eine Vierfachbehandlung mit Ethambutol, 4-Aminosalicylsäure, intravenösen Capreomycin und Cycloserin erfolglos. Erst die zusätzliche Therapie mit dem damals neuen Wirkstoff Bedaquilin führte zu einem befriedigenden Behandlungsergebnis. Im Jahr 2013 wird der Patient für vollständig genesen erklärt und aus dem Spital entlassen. Doch nur fünf Monate später wird er mit einem Rückfall erneut eingeliefert. 

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Nach einer wirkungslosen Behandlung mit sieben unterschiedlichen Antibiotika wird der Patient schliesslich auch mit dem neuen Antibiotikum Delamanid behandelt. Doch auch gegen dieses Antibiotikum entwickeln die TB-Erreger innerhalb weniger Wochen Resistenzen. Der Patient überlebte nur dank einer Lobektomie.

Die Genomsequenzierung ergab, dass die Tuberkulose-Erreger bereits zu Beginn der Behandlung nicht weniger als neun Resistenzmutationen aufwiesen und gegen sieben Wirkstoffe resistent waren. Im Nachhinein folgert Gagneux, dass die Behandlung möglicherweise erfolgreicher verlaufen wäre, wenn die Ärzte die beiden neuen Wirkstoffe gleich zu Beginn als Kombination eingesetzt hätten.

Dies entspricht dem Prinzip der Tuberkulose-Therapie, wonach der Erreger niemals mit nur einer einzigen wirksamen Substanz behandelt werden sollte, weil es sonst schnell zur Resistenz kommt. Doch die behandelnden Ärzte unterschätzten offenbar, mit welcher Geschwindigkeit Mycobacterium tuberculosis neue Resistenzen entwickeln kann. Laut Gagneux gibt es derzeit keine Studien darüber, wie die beiden neuen Medikamente zusammen wirken und welche Nebenwirkungen dabei auftreten können. © rme/aerzteblatt.de

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