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WHO: Müttersterblichkeit fast um die Hälfte gesunken

Freitag, 13. November 2015

dpa

Genf – In diesem Jahr werden weltweit vermutlich etwas über 300.000 Frauen an den Folgen von Schwangerschaft oder Geburt sterben. Die Müttersterblichkeit hat sich damit seit 1990 fast um die Hälfte verringert, wie Berechnungen von US-Forschern im Auftrag der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) im Lancet (2015; doi: 10.1016/ S0140-6736(15)00838-7) zeigen. Das ehrgeizige Millennium-Entwicklungsziel, die Mütter­sterblichkeit in diesem Zeitraum um drei Viertel zu vermindern, wurde weltweit nur in neun Staaten erreicht.

Dass Frauen während der Schwangerschaft oder innerhalb von 42 Tagen nach Beendigung der Schwangerschaft aufgrund von Ursachen, die in Beziehung zur Schwangerschaft oder deren Behandlung stehen, sterben (so die Definition der Müttersterblichkeit), ist in hochentwickelten Ländern selten. In Deutschland wurden 2013 gerade einmal 29 Fälle registriert. Das entspricht einer Inzidenz von 4 Frauen auf 100.000 Lebendgeborene. In vielen Ländern Afrikas südlich der Sahara sterben noch mehr als 1.000 Frauen auf 100.000 Lebendgeborene unter oder nach der Geburt. Am höchsten ist die Zahl in Sierra Leone in Westafrika mit einer Inzidenz von 1.360 auf 100.000 Lebendgeborene.

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Die WHO und die UN haben das Problem in der Vergangenheit schon öfter thematisiert, so 1987 in der Motherhood Conference in Nairobi, 1994 auf der International Conference on Population and Development in Kairo, 1995 auf dem Fourth World Congress on Women in Peking und 1997 auf der Safe Motherhood Technical Consultation in Colombo/Sri Lanka.

Die Müttersterblichkeit ist während dieser Zeit gesunken. Ein wichtiger Impuls war die Aufnahme der Müttersterblichkeit in die Millennium-Entwicklungsziele (MDG) im Jahr 2000. MDG 5 forderte die Reduktion der Müttersterblichkeit um 75 Prozent. Seither hat sich der vorher bestehende Trend verstärkt, und die Reduktion auf 303.000 Todesfälle im Jahr 2015 stellen einen Rückgang um 43,9 Prozent gegenüber 1990 dar. Die Schätzung ist allerdings relativ grob. Das 80-Prozent-Unsicherheitsintervall reicht von 291.000 bis 349.000.

Die Unsicherheit erklärt sich aus der Tatsache, dass im Jahr 2000 insgesamt 98 von 171 Staaten keine standesamtlichen Register hatten, die Geburten erfassen, und für 55 Länder gab es auch 2010 keine verlässlichen Informationen über die Zahl der mater­nalen Todesfälle. Dass sich die Situation jedoch insgesamt verbessert hat, zeigt sich daran, dass die Schätzungen nicht mehr so weit auseinander liegen wie noch 1990.

Damals kam die Global Burden of Disease-Studie noch auf 374.000 Todesfälle gegenüber 532.000 nach der aktuellen Schätzung (mit einem 80-Prozent-Unsicherheitsintervall von 496.000 bis 590.000). Für 2013 lagen die Werte mit 292.000 in der Global Burden of Disease-Studie und 315.000 nach der aktuellen Schätzung dichter beieinander.

Die meisten Länder haben nach den von Doris Chou von der WHO-Zentrale in Genf zusammen mit Forschern der Harvard Universität Boston und der Universität von Kalifornien in Berkeley ermittelten Daten Fortschritte gemacht. Am stärksten sank die Müttersterblichkeit in Ostasien. Dort befinden sich auch einige der neun Staaten, in denen die Müttersterblichkeit um mehr als 75 Prozent sank: Dies waren Bhutan, Kap Verde, Kambodscha, Iran, Laos, die Malediven, die Mongolei, Ruanda und Osttimor.

UN und WHO hoffen, dass die Zahl der vermeidbaren Todesfälle vor, während und nach der Geburt in Zukunft weiter sinken wird. Zu den Zielen nachhaltiger Entwicklung (SDG) gehört eine Reduktion der Sterblichkeit auf unter 70 pro 100.000 Lebendgeborenen im Jahr 2030. Um vor allem den Ländern Afrikas südlich der Sahara zu helfen, auf die zwei von drei aller globalen maternalen Todesfälle kommen, wurde in diesem Jahr die „Global Strategy for Women’s, Children’s and Adolescents’ Health“ ins Leben gerufen. © rme/aerzteblatt.de

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