NewsPolitikÄrzte dürfen Arzneimittel verstorbener Hospizbewohner nicht weitergeben
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Ärzte dürfen Arzneimittel verstorbener Hospizbewohner nicht weitergeben

Freitag, 13. November 2015

Berlin – Die Bundesregierung will es Ärzten nicht erlauben, in Hospizen nicht verwendete Arzneimittel von verstorbenen Patienten an andere Hospizbewohner weiterzugeben. Das betonte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünenfraktion (Bundestagsdrucksache 18/6241). Die Grünen hatten darin die Kritik des Diözesan-Caritasverbands Köln zitiert, dass Hospize Medikamente verstorbener Patienten vernichten müssten. Davon betroffen seien allein in Nordrhein-Westfalen jährlich Medikamente im Wert von mehr als 850.000 Euro, so der Caritasverband.

Nach § 43 Arzneimittelgesetz sei die Abgabe apothekenpflichtiger Arzneimittel für den Endverbrauch grundsätzlich den Apotheken vorbehalten, schreibt die Bundesregierung. Dabei gebe es weder ein Dispensierrecht der verordnenden Ärzte noch eine entsprechende Bevorratungs- und Abgabebefugnis der Einrichtung.  

Apotheken müssten bei erneuter Abgabe für die Qualität der Arzneimittel einstehen
Die Voraussetzungen und Modalitäten einer Rücknahme von bereits an Endverbraucher abgegebenen Arzneimitteln zum Zwecke der erneuten Abgabe seien nicht ausdrücklich geregelt, heißt es weiter in der Antwort der Regierung. Die Apotheke müsste allerdings bei erneuter Abgabe für die Qualität der zurückgenommenen Arzneimittel einstehen. Dies sei auch in der Heimversorgung problematisch, da trotz der vorgesehenen Überprüfung der ordnungsgemäßen, bewohnerbezogenen Aufbewahrung der Umgang mit den gelieferten Arzneimitteln in der Einrichtung keiner durchgehenden Kontrolle durch die versorgende Apotheke unterliege und somit eine Beeinträchtigung der Qualität auch hier nicht ausgeschlossen werden könne.

Anzeige

Die bestehenden Regelungen dienen laut Bundesregierung der Arzneimittelsicherheit und sollen eine qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung durch Apotheken flächendeckend und wohnortnah sicherstellen. Ausnahmen von diesen Grundsätzen kämen nur in begründeten Fällen in Betracht und dürften „bewährte Verfahren und Strukturen nicht grundsätzlich in Frage stellen“.  

Ausnahme bei bestimmten Betäubungsmitteln
Eine solche Ausnahme wurde vor drei Jahren von der Bundesregierung beschlossen. Seither können Ärzte ambulanten Palliativpatienten bestimmte Betäubungsmittel überlassen. Dieses Dispensierrecht war bislang nur Apothekern vorbehalten. Maßgeblicher Anwendungsfall dafür sei die Deckung des dringenden und kurzfristigen Betäubungsmittelbedarfs eines ambulant versorgten Patienten in einer voraussichtlichen palliativ-medizinischen Krisensituation, hieß es damals. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #675503
Widerstand
am Samstag, 14. November 2015, 18:31

Ein Hurra der Pharmalobby

Wie kann man denn auch Medikamente, die das MHD noch nicht erreicht haben, an andere Patienten weitergeben? Es ist doch unverantwortlich den Pharmaunternehmern den Gewinn zu schmälern, nur weil keine neuen Medikamente gekauft werden.
Die Kette der Gesetzgebung ist doch klar: Patient braucht Medikament, bekommt es vom Arzt, der bekommt ? von Pharma, die kassiert bei den Kassen und gibt Spenden an Politik, deren Mitglieder Häuser bauen, in Urlaub fahren und und und die Wirtschaftsbossse unterstützen, die den Arbeitnehmer ausnutzen, der zum Patienten wird und... Also wirklich, diesen Kreislauf kann man doch nicht dadurch torpedieren, dass man Medikamente weiterverwendet statt neu zu kaufen.
LNS

Nachrichten zum Thema

14. Oktober 2019
Berlin – Lieferengpässe bei Arzneimitteln haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: Von 40 Meldungen (2015) auf 81 Meldungen (2016), auf 108 Meldungen 2017 und auf 268 Meldungen im
Zahl der Lieferengpässe bei Arzneimitteln deutlich angewachsen
9. Oktober 2019
Bad Segeberg – Angesichts zunehmender Lieferengpässe für Arzneimittel muss die Politik dringend handeln. Dafür machte sich die Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH) heute stark. Sie fordert unter
Kammer Schleswig-Holstein ruft Politik wegen Arzneimittelengpässen zum Handeln auf
7. Oktober 2019
Mainz/Wiesbaden – Nach zwischenzeitlichen Lieferengpässen für Grippe-Impfstoffe im vergangenen Jahr sind aktuell bereits mehr Impfdosen ausgeliefert worden als in der gesamten Vorjahressaison. Zur
Bereits mehr Grippe-Impfdosen freigegeben als im vergangenen Jahr
4. Oktober 2019
Kiel – Der Apothekerverband Schleswig-Holstein rechnet in dieser Saison nicht mit Engpässen bei Grippeimpfstoffen. Zwar seien über den Verband weniger Impfdosen bestellt worden als im Vorjahr, sagte
Experten rechnen nicht mit erneuten Engpässen bei Grippeimpfstoffen
30. September 2019
Berlin – Die FDP-Gesundheitsexpertin Katrin Helling-Plahr befürchtet nach dem Brexit Engpässe bei der Versorgung deutscher Patienten mit einigen Medikamenten. „Es könnte auch sensible Medizinprodukte
FDP fürchtet Risiko für Arzneimittelversorgung durch Brexit
27. September 2019
Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat vor Lieferschwierigkeiten bei Arzneimitteln gewarnt. Diese würden zunehmend die Patientenversorgung gefährden. Demnach listet das Bundesinstitut für
Bundesärztekammer macht sich für nationale Arzneimittelreserve stark
27. September 2019
London – Ein Bericht des britischen Rechnungshofs (Financial Audit Office) hat erneut Zweifel aufkommen lassen, ob Großbritannien für einen ungeregelten EU-Austritt am 31. Oktober vorbereitet ist. Die
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER