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Medizin

Muskeldystrophie Duchenne: Zweit-Mutation schützt vor Muskelschwund

Freitag, 13. November 2015

Boston – In einer Forschungseinrichtung in Brasilien, die Golden Retriever mit einem der Muskeldystrophie Duchenne vergleichbaren Gendefekt züchtet, ist es bei einem Tier zu einer zweiten Mutation in einem anderen Gen gekommen, die die Muskelschwäche deutlich abschwächt. US-Forscher haben das verantwortliche Gen gefunden und beschreiben es in Cell (2015; doi:10.1016/j.cell.2015.10.049) als einen potenziellen Ansatzpunkt für die Behandlung der Erkrankung beim Menschen.

Die Ursache der Muskeldystrophie Duchenne, an der einer von 3.500 bis 5.000 Jungen erkrankt, sind Mutationen im Dystrophin-Gen auf dem X-Chromosom. Sie haben zur Folge, dass das Dystrophin-Protein, ein wichtiges Bestandteil von Muskelzellen, nicht gebildet wird. Die Muskelzellen sterben ab und werden durch Bindegewebe ersetzt. Die Jungen erkranken ab dem Alter von 3 bis 5 Jahren an einer fortschreitenden Muskel­schwäche und sterben häufig noch im Jugendalter an Herz- oder Lungenversagen.

Eine ähnliche Mutation gibt es auch in der Hunderasse Golden Retriever. Die betroffenen Tiere erkranken an einer GRMD (Golden Retriever muscular dystrophy), die ein wichtiges Modell zur Erforschung der Erkrankung ist. In einer brasilianischen Zuchtstation wurde 2003 ein Hund geboren, der die GRMD-Mutation trug, aber dennoch lebenslang nicht an einer schweren Muskelschwäche erkrankte. Einer der Nachfahren ist ebenfalls gegen die Erkrankung gefeit.

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Dies rief eine Gruppe um Louis Kunkel vom Boston Children's Hospital in Massachusetts auf den Plan. Der Genetiker hatte in den 1980er Jahren als erster Mutationen auf dem Dystrophin-Gen entdeckt und die Ursache der Erkrankung beschrieben.

Das Team ließ das Genom der beiden nicht-erkrankten Tiere mit anderen Tieren der gleichen Zucht vergleichen. Am Broad Institut in Boston wurde entdeckt, dass die vor der Muskelschwäche bewahrten Hunde das Gen „Jagged1“ vermehrt aktivierten. Ein Test an Zebrabärblingen bestätigte, dass Jagged1 vor dem Untergang der Muskelzellen schützen kann. Fische mit Duchenne-Mutation entwickeln keine Muskeldystrophie, wenn die Forscher die Aktivität von „Jagged1“ steigerten.

„Jagged1“ gehört zum Notch-Signalweg, der in der Organentwicklung eine wichtige Rolle spielt. Wieso „Jagged1“ die Entwicklung der Muskeldystrophie bei den Hunden verhindern kann, ist noch nicht genau bekannt. Die Forscher vermuten, dass die vermehrte Aktivität von „Jagged1“ die Regeneration der Muskelzellen fördert und so den Umbau in ein Bindegewebe verhindert. Die Forscher suchen jetzt nach Medikamenten, die die Aktivität von Jagged1 bei Mäusen und Zebrabärblingen verstärken. Ob ein solches Mittel gefunden wird und ob es auch bei Jungen mit Muskeldystrophie Duchenne wirksam wäre, lässt sich natürlich nicht vorhersehen. © rme/aerzteblatt.de

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