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Medizin

suPAR: Bluttest könnte Nierenerkrankungen früher erkennen

Freitag, 13. November 2015

Atlanta – Der lösliche Urokinase-Plasminogen-Aktivator Rezeptor (suPAR), der bei der fokal segmentalen Glomerulosklerose vermehrt ins Blut freigesetzt wird, könnte auch die drohende Entwicklung anderer Nierenerkrankungen anzeigen. Dies kam in einer Biobank-Analyse im New England Journal of Medicine (2015; 373: 1916-25) heraus.

Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR), die auf der Bestimmung des Kreatinin-Werts beruht, und der Nachweis von Eiweiß im Urin (Proteinurie) haben sich zur Beurteilung der Nierenfunktion bewährt. Beide zeigen an, dass die Nieren bereits geschädigt sind. Es fehlt jedoch ein Biomarker, der bereits anschlägt, wenn es noch nicht zum irreversiblen Verlust von Nierenfunktion gekommen ist. Ein Team um Arshed Quyyumi von der Emory Universität in Atlanta glaubt, einen solchen Frühindikator gefunden zu haben.

Vorausgegangen waren Untersuchungen von Jochen Reiser von der Rush Universität in Chicago. Der Forscher hatte zeigen können, dass suPAR ein erster Biomarker der fokal segmentalen Glomerulosklerosen ist, einer zunehmend häufigeren Erkrankung der Nierenkörperchen, die zum dialysepflichtigen Nierenversagen führen kann. Für die aktuelle Studie hat das Team die Fragestellung auf alle Nierenerkrankungen aus­geweitet.

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Grundlage ist eine Analyse der Emory Cardiovascular Biobank, die in den Jahren 2003 und 2009 Blutproben von 3.683 Patienten gesammelt hat, die wegen einer Herzkatheter­untersuchung die Klinik aufgesucht hatten. Quyyumi ließ in den archivierten Blutproben die suPAR-Konzentration bestimmen und setzte sie mit der Nierenfunktion der Patienten in den Folgejahren in Beziehung: Vierzig Prozent der Patienten mit einer hohen suPAR Ebene (mehr als 3.040 ng/ml) aber anfangs normalen eGFR-Werten entwickelten in den folgenden fünf Jahren eine Nierenerkrankung.

Im Vergleich dazu erkrankten nur 10 Prozent der Personen mit niedrigen suPAR-Ausgangswerten. Darüber hinaus zeigte der suPAR-Wert an, ob es bei Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion in den nächsten Jahren zu einer weiteren Verschlechterung kommt.

Die Ergebnisse wurden danach in eine zweiten Kohorte, der Women's Interagency HIV Study (WIHS), validiert. Auch dort zeigte eine erhöhte suPAR-Konzentration den bevorstehenden Rückgang der Nierenfunktion an. Da die Teilnehmerinnen dort jünger und abgesehen von der HIV-Infektion gesünder waren, schritt die Nierenerkrankung jedoch langsamer voran. 

Reiser hält den prädikativen Wert der suPAR-Konzentration aufgrund der Studie für erwiesen. In der Pressemitteilung vergleicht er die Bedeutung bereits mit dem Choles­terin­test für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Anders als beim Cholesterin gibt es jedoch derzeit kein Mittel, das den suPAR-Wert senkt und dadurch die Entwicklung einer Niereninsuffizienz abwenden könnte.

Die Editorialisten Karl Skorecki vom Technion–Israel Institute of Technology in Haifa und Barry Freedman von der Wake Forest School of Medicine in Winston-Salem/North Carolina haben deshalb Zweifel, ob der Test zum gegenwärtigen Zeitpunkt Informationen liefert, die bei der Behandlung der Patienten sinnvoll genutzt werden können. © rme/aerzteblatt.de

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