NewsMedizinRanibizumab bei diabetischer Retinopathie Laserkoagulation nicht unterlegen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Ranibizumab bei diabetischer Retinopathie Laserkoagulation nicht unterlegen

Montag, 16. November 2015

Boston – Im Vergleich mit einer panretinalen Laserkoagulation könnte der Nutzen einer intravitrealen Injektion des VEGF-Inhibitors Ranibizumab bei der proliferativen diabe­tischen Retinopathie mindestens vergleichbar oder sogar höher sein. Das Forscherteam um Lloyd Paul Aiello an der Harvard Medical School berichtet in JAMA über ihre randomisierte klinische Studie (doi:10.1001/jama.2015.15217).

Ranibizumab ist ein Antikörper, der für die feuchte Form der altersbedingten Makuladegenration entwickelt wurde. Der Antikörper bindet den Wachstumsfaktor VEGF, welcher im Krankheitsprozess die Ausbildung pathologischer Gefäße fördert. Diese tragen zu der Zerstörung der Netzhaut bei. Die pathologische Gefäßbildung findet auch bei der proliferativen diabetischen Retinopathie statt, weshalb Ranibizumab als mögliche Behandlungsoption gilt.

Eine proliferative diabetische Retinopathie ist nach einem etwa 20-jährigen Krankheitsverlauf bei einem Viertel aller Typ-2-Diabetiker und bei der Hälfte aller Typ-1-Diabetiker nachweisbar. Die Standardbehandlung besteht in einer panretinalen Laserkoagulation der Netzhaut, die jedoch auf Kosten des peripheren Visus gehen kann. Vergleichende Studien, welche den Einsatz von Ranibizumab und der Laserkoagluation betreffen, kommen bisher zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Anzeige

Die Studie wurde mit Unterstützung des Diabetic Retinopathy Clinical Research Network und des National Eye Institute in den USA durchgeführt. Insgesamt 305 Patienten mit einer diabetischen Retinopathie wurden von Ärzten entweder mit einer panretinale Laserkoagulation in ein bis drei Sitzungen behandelt, oder erhielten über mindestens drei Monate intravitreale Injektionen mit Ranibizumab. Bei Auftreten eines diabetischen Makulaödems erhielten auch Patienten der Lasergruppe die Antikörpertherapie, da sie hier als Standardbehandlung gilt.

Nach einem Zeitraum von zwei Jahren verglichen die Forscher das Outcome der Patienten. Patienten der Antikörpergruppe erkannten im Mittel 2,2 Buchstaben mehr im Sehtest. Für das periphere Sehen zeigten die mit Laser behandelten Patienten ein deutlich schlechteres Outcome und erlitten auch häufiger Komplikationen wie ein Makulaödem (28 Prozent versus 9 Prozent) oder eine Vitrektomie (15 Prozent versus 4 Prozent).

Abhängig war das Ergebnis unter anderem vom Ausmaß der Neovaskularisation. Wenn es innerhalb der zwei Jahre nicht zu einem Progress der Neovaskularisation kam, bestand kein Unterschied zwischen den Gruppen.

Nach den Ergebnissen war die Behandlung mit Ranbizumab der Standardbehandlung mit dem Laser nicht unterlegen und hatte seltener einen peripheren Visusverlust zur Folge. Das seltenere Auftreten eines diabetischen Makulaödems könnte auch für eine protektive Wirkung des Antikörpers sprechen, so die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Oktober 2020
Berlin – In Deutschland müssen Ärzte jedes Jahr rund 50.000 Amputationen aufgrund eines diabetischen Fußsyndroms (DFS) vornehmen. Durch flächendeckende, gezielte Maßnahmen könnte diese Zahl deutlich
Diabetologen fordern mehr Anstrengungen gegen Fußamputationen
20. Oktober 2020
München – Eine zu frühe Geburt kann die Gefäßentwicklung in der Netzhaut stören und so eine Frühgeborenenretinopathie (ROP) auslösen. Bislang erhalten alle Frühchen, die vor der 32.
Leitlinie empfiehlt Screening auf Frühgeborenenretinopathie bei Geburten vor der 31. Schwangerschaftswoche
20. Oktober 2020
Dallas – Ein neues Basis-Insulin, das aufgrund einer Halbwertzeit von 196 Stunden nur einmal in der Woche injiziert werden muss, hat in einer Phase-2-Studie den HbA1c-Wert von Patienten mit
Typ-2-Diabetes: Basis-Insulin mit einmal wöchentlicher Injektion überzeugt in Phase-2-Studie
19. Oktober 2020
Berlin – Eine diabetische Retinopathie entwickelt sich lange Zeit unbemerkt. Zu Sehstörungen kommt es erst, wenn die Netzhaut des Auges bereits behandlungsbedürftige Schäden aufweist. Regelmäßige
Zu wenig leitliniengerechte Augenarztkontrollen bei Diabetes
12. Oktober 2020
Berlin – Eine Coronainfektion über die Augen ist nach Medizinerangaben unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Reibe man sich beispielsweise die Augen mit corona-kontaminierten Händen, wäre eine
Mediziner sehen geringes Risiko für Coronainfektion über Augen
9. Oktober 2020
Boston – Der SGLT-2-Inhibitor Ertugliflozin hat sich in einer sogenannten Endpunktstudie als sicher erwiesen. Der erhoffte Rückgang der kardiovaskulären und renalen Ereignisse blieb nach den jetzt im
Typ-2-Diabetes: Ertugliflozin hat (nur) neutrale Wirkung auf Herz-Kreislauf-Ereignisse
8. Oktober 2020
Berlin – Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei einem Diabetes mellitus zwei- bis vierfach erhöht, bei Frauen sogar bis sechsfach. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER