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Ärzteschaft

Bei Leseschwäche von Schulkindern zunächst Visus überprüfen

Montag, 16. November 2015

dpa

München – Bei Verdacht auf eine Lese- und Rechtschreibstörung (LRS) bei Schul­kindern sollten Eltern zunächst die Augen auf eine mögliche Fehlsichtigkeit untersuchen lassen. „Auch bei einer bestehenden Legasthenie kann eine Sehstörung die Symptome zusätzlich verstärken“, erläutert Susanne Trauzettel-Klosinski von der Universitäts-Augenklinik Tübingen. Sie hat für die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) an einer Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung einer Lese- und Rechtschreibstörung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) mitgewirkt.

„Scharfes Sehen ist eine wichtige Voraussetzung, um Lesen und Schreiben zu lernen“, erklärt die Leiterin der Forschungseinheit für visuelle Rehabilitation. So könnten Weitsichtigkeit, schielende Augen oder eine verminderte Naheinstellung der Augenlinse dazu führen, dass Buchstaben und Wörter nicht scharf auf der Netzhaut abgebildet werden. Oft reiche dann schon eine Brille, um die Lesefähigkeit deutlich zu verbessern.

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Zwei bis vier Prozent der deutschen Schulkinder leiden an einer schweren Lese- und Rechtschreibstörung. Trotz durchschnittlicher Intelligenz geraten sie im Vergleich zu ihren Klassenkameraden in Rückstand beim Lesen und Schreiben. Die Ursachen dafür sind nicht endgültig geklärt. Studien weisen aber auf eine fehlerhafte Verarbeitung von sprachlichen Informationen im Gehirn hin.

Den Kindern fällt es zum Beispiel schwer, die Buchstaben beim Lesen in Laute umzuwandeln. Die Behandlungsempfehlung der Leitlinie lautet darum, diesen Umwandlungsvorgang mit den Betroffenen zu üben – zum Beispiel durch gemeinsames Vorlesen. Hinzu kommen Rechtschreibtrainings und eventuell Übungen zum Textverständnis.

Das Wichtigste sei, die Schwäche frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, so Trauzettel-Klosinski. „Je früher die Betroffenen gezielte Förderung erhalten, desto mehr Chancen haben sie, ihre Defizite aufzuarbeiten“, betont die Expertin.

Die DOG weist daraufhin, dass Therapieansätze mit Medikamenten, Prismengläsern oder Brillen mit Farbfiltern nicht wissenschaftlich untersucht seien und den Betroffenen schaden könnten. © hil/aerzteblatt.de

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