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Ärzteschaft

Arzthonorar: Kassen publizieren Studie zum Orientierungswert

Montag, 16. November 2015

Berlin – In der Diskussion um die Frage, wie sich die Honorare für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten entwickeln können, hat der GKV-Spitzenverband nun ein Gutachten der Schweizer Beratungsfirma Prognos auf seiner Webseite veröffentlicht. Dessen Ergebnisse waren bereits Streitthema zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Kassen im Erweiterten Bewertungsausschuss im Sommer diesen Jahres.

Das Prognos-Gutachten soll Argumente dafür liefern, ob der Orientierungswert jährlich nur um die Veränderungen der Praxiskosten oder auch um die Erhöhung der Vergütung der ärztlichen Arbeitsleistung angepasst werden muss. Laut der Analyse stiegen 2013 und 2014 die Einnahmen in den Praxen stärker als die Aufwendungen. Für die Berechnung des Orientierungswertes dürfe allerdings kein weiteres Referenz­einkommen herangezogen werden.

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Kritik an der Studie äußerten die Wissenschaftler des Zentralinstitutes für die Kassenärztliche Versorgung (Zi). Die Studie liefere „keine schlüssige Argumentation gegen eine Anpassung des Arztlohns im Rahmen der Weiterentwicklung des Orientierungswerts“. Außerdem werden nach Angaben des Zi die Betrachtungen zur Wettbewerbsfähigkeit und zum Investitionsstau in Praxen kaum berücksichtigt. © bee/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 18. November 2015, 00:25

Wieder einmal falsche Prognosen bei PROGNOS!

1. Wie findet man die bisher unter Verschluss gehaltene PROGNOS-Studie des GKV-Spitzenverbands Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen vom 11. 8. 2015? Antwort: - https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/presse/presse_themen/aerzteverguetung/2015-08-11_Prognos-Studie_Arztlohn.pdf - also nicht bei PROGNOS direkt, denn die würden sich selbst blamieren, wenn sie ein derartiges "Gefälligkeits-Gutachten" ins Netz stellen würde.

2. Welche Tricks wurden angewandt, um die Arzteinkünfte aller niedergelassenen Vertragsärzte aus dem EBM schön zu rechnen?

a) Der Prozent-Trick: Alle PROGNOS-Angaben sind in Prozent und nicht in Euro und Cent. Dadurch wird eine geringfügige 10 Cent-Erhöhung von einem Euro in wenigen ausgewählten EBM-Bereichen zu einem satten 10 Prozent Plus hochstilisiert, ohne gleichzeitig Kostensteigerungen zu realisieren.

b) Der Kostensenkungs-Trick: Laufende Kosten und Praxisausgaben werden virtuell heruntergerechnet, um g e g e n den allgemeinen Preissteigerungs-Trend höhere Einnahmen-Ausgaben-Überschüsse zu extrapolieren.

c) Der Jahres-Bündelungstrick: Angeblich steigende Überschüsse werden bei niedergelassenen Vertragsärzten nicht per annum, sondern von 2011 bis 2014 zusammengerechnet, um sie höher erscheinen zu lassen.

d) Der Oberarzt-Gehaltstrick: Bei Oberärzten in Kliniken werden deren Gehaltssteigerungen dagegen nur mit jährlichen Prozentangaben klein gerechnet.

e) Der Birne-Apfel-Trick: In dem PROGNOS eine jahrzehntelange Gebühren- und Novellierungs-Stagnation bei der privatärztlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) konstatiert, wird eine völlig unlogische Brücke zur EBM-Vergütung geschlagen - Ärzte sollten und könnten doch in b e i d e n Gebührenordnungen das Verzichten lernen.

f) Absurder Analogie-Trick: Angeblich sei es laut PROGNOS weder in der Zahnärztlichen Gebührenordnung, bei den Kostennoten der Steuerberater, Rechtsanwälte und Notare bzw. den Gerichtsgebühren, noch bei den Architekten und anderen Freien Berufen in den letzten Jahren zu nennenswerten Gebührensteigerungen gekommen.

g) Alle-Vertragsärzte-sind faul-Trick: Trotz überbordender Bürokratie, demografischer Überalterung und Morbiditäts-Zunahme arbeiten wir lt. PROGNOS nicht mehr, sondern w e n i g e r als früher?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #656153
Hensw
am Dienstag, 17. November 2015, 13:35

Psychotherapeut_innen Honorare

Danke für den Kommentar ! Und wenn dann noch 2,7% als "Steigerung" verkauft werden, wenn die Honorarnachzahlungen die gerichtlich nbereits mehrfach entschieden wureden seit 2009 nicht geleistet sind,. dann ist das auch der Berufsghruppe gegenüber ein blanker Hohn: und wohlgemerkt: ich meine sowohl die psychologischen als auch die "nichtpsychologischen" Psychotherapeut_innen (vs. ärztlich und nichtärztlich... lach)
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 17. November 2015, 00:29

Die wahren Steuerungsmechanismen

Eine feste Gebührenordnung wird den Ärzten im EBM-Bereich seit Jahren vorenthalten. Ziel dieser Handlungsweise ist die Verlagerung des Morbiditäts- und Mengenrisikos auf die niedergelassenen Ärzte.

Interessant ist aus meiner Sicht der Unterschied der Arztgruppen beim Einkommen. Am meisten verdienen die Augenärzte, am wenigsten die Psychotherapeuten. Mit fachlichen Argumenten und mit einer Gerechtigkeitsdiskussion lassen sich diese Unterschiede nicht wirklich erklären. Sehr wohl dagegen mit der Wahrnehmung des Versorgungsauftrags durch die Kassen. Wenn also eine Arztgruppe dabei ist sich aus der Versorgung zurückzuziehen und ein Aufschrei der Patienten droht, dann wird diese Arztgruppe gefördert. Ich erinnere mich in den letzten Jahren wiederholt an Diskussionen zu Wartezeiten bei Augenärzten und Allgemeinmedizinern. Bei Arztgruppen mit stabilen Zahlen werden dagegen die Daumenschrauben angezogen.

Das Gegenbeispiel sind die Psychotherapeuten, durch die öffentliche Stigmatisierung dieser Patientengruppe werden Versorgungsengpässe durch die Kassen erst sehr spät als bedrohlich wahrgenommen, dementsprechend mies sind die Einkommen dieser Arztgruppe (siehe oberer Link zur ZI-Studie).

Man könnte viel Papier einsparen und viele Bäume retten, wenn die Kassen endlich zugeben würden daß eine gerechte Bezahlung ärztlicher Tätigkeit ihnen völlig egal ist und die einzige Motivation in der Abwendung politischer Sanktionen bei Defiziten im Sicherstellungsauftrag besteht.
Die Konsequenz für niederlassungswillige Kollegen besteht darin, daß ein derartiges Steuerungssystem instabil ist, also zum "Schweinezyklus" neigt. Zum Zeitpunkt der Niederlassung sollte man genau wissen, an welcher Phase des "Schweinezyklus" sich die eigene Arztgruppe befindet und man sollte für die Zukunft auch die schlechten Jahre dieses "Schweinezyklus" einplanen.
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