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Politik

Anerkennung durch KVen führt zu Weiterentwicklung der Ärztenetze

Dienstag, 17. November 2015

Berlin – Eine Anerkennung und finanzielle Förderung von Ärztenetzen durch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) stärkt die ambulante Versorgung. Diese Meinung vertrat der Inhaber der MedicBrain Healthcare, Michael Steinhaus, die sechs der 15 Praxisnetze beraten hat, die mittlerweile von der KV Westfalen-Lippe zertifiziert wurden. „Die Anerkennung löst eine qualitätsorientierte Weiterentwicklung der Netze aus, was im Endeffekt zu einer Stärkung der ambulanten Versorgung führt“, sagte Steinhaus heute auf einer Veranstaltung des Bundesverbandes Managed Care (BMC) in Berlin.

„Die Netzmitglieder haben sich vor allem über die politische Anerkennung durch die Förderung gefreut. Das ist wie ein Qualitätssiegel“, so Steinhaus. Dadurch hätten sich die Stimmung und die Motivation der Netzmitglieder deutlich verbessert. Zudem sei die Bekanntheit des Netzes in der Region gestiegen, und auch Krankenkassen hätten bezüglich einer Zusammenarbeit angefragt. 

„Viele Ideen, die lange in den Schubläden lagen, konnten umgesetzt werden“
„Nach der Anerkennung hat es in den Netzen eine breite Diskussion darüber gegeben, wie die Fördergelder verwendet werden sollen“, berichtete Steinhaus, „ob für Sitzungsgelder, eine Beitragssenkung oder für die Projekte des Netzes.“ Viele Ideen, die lange in den Schubläden gelegen hätten, hätten die Netze dann umsetzen können.

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Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz hatte es die damalige schwarz-gelbe Koalition im § 87b Sozialgesetzbuch V (SGB V) den KVen ermöglicht, Praxisnetze anzuerkennen und finanziell zu fördern. Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz hat die schwarz-rote Regierung diese Regelung verbindlich vorgeschrieben. Doch nicht alle KVen haben sie bislang umgesetzt.

„Wenn man die Strukturen hat, ist der Aufwand nicht so groß“
Mit der KV Bayerns habe er allerdings gute Erfahrungen gemacht, berichtete der Geschäftsführer der Gesundheitsorganisation Region Ingolstadt (GOIN), Siegfried Jedamzik: „Die KV Bayerns war eine der ersten KVen, die die Ärztenetze unterstützt haben.“ Es sei zwar nicht einfach gewesen, alle Vorgaben der KV zu erfüllen. Wenn man die Strukturen habe, sei der Aufwand aber nicht so groß. 

Jedamzik betonte, dass der Paragraf 87b hilfreich sei, damit die Netze eine Rechts­struktur bekommen. Diese müsse dann aber von den Ärzten mit Leben gefüllt werden. „Ärzte kommen in Netzen zusammen, weil sie sich selbst und ihren Patienten ein Werteversprechen geben. Das ist eine emotionale Entscheidung“, sagte er. Wenn es einen solchen inneren Antrieb nicht gebe, helfe auch kein Paragraf 87b.

„Die Ärztenetze wollen keine kleinen KVen werden“
Jedamzik wies darauf hin, dass die Ärztenetze keine „kleinen KVen“ werden sollten, sondern lieber Add-On-Verträge machen wollten. Die Medizin laufe dabei regional, „da sind die Netze stark“. Die KVen seien hingegen das Dach, unter dem die Formalien geregelt würden. „Heute haben wir ein entspanntes Verhältnis zur KV Bayerns“, so Jedamzik. Ein solches Verhältnis gebe es aber nicht in allen KV-Bezirken.

Für die Zukunft wünscht er sich „Strukturen, die uns erlauben, noch mehr in den Markt zu gehen und noch mehr mit den Krankenhäusern zu kooperieren“. Zudem müssten Ärztenetze  einen Leistungserbringerstatus im Sozialgesetzbuch V erhalten. Dann könnten sie zum Beispiel auch Medizinische Versorgungszentren übernehmen. „So etwas traut sich kein einzelner Arzt“, so Jedamzik.

„Der Innovationsfonds für Praxisnetze die Kür“
Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Agentur deutscher Arztnetze, Carsten Jäger, betonte, dass die Praxisnetze den KVen nicht den Sicherstellungsauftrag wegnehmen wollten. Nur gemeinsam mit den KVen „wird ein komplettes Bild daraus“.

Für professionelle Praxisnetze „sollte die Anerkennung und Förderung nach § 87b SGB V eine Pflichtveranstaltung sein“, meinte er. Die Kür sei dann der Innovationsfonds. Der Fonds wurde mit dem Versorgungsstärkungsgesetz beschlossen. Am 15. Oktober hat sich der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) konstituiert. Aufgabe des Gremiums ist es, ab 2016 mit Mitteln des Innovationsfonds neue Versorgungsformen und Versorgungsforschungsprojekte zu fördern, die über die bisherige Regelversorgung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung hinausgehen.

Keine Zurückweisungen aus formalen Mängeln
„Es wird zwei Ausschreibungen pro Jahr geben, eine themengebundene und eine themenoffene“, habe er von dem unparteiischen Vorsitzenden des G-BA, Josef Hecken, erfahren, sagte Jäger. „Die ersten Themen werden die Heimversorgung sein, die Arznei­mittel­therapie­sicherheit, die seelische Gesundheit und strukturschwache Räume.“

Gefördert werden sollen demnach Projekte mit einem großen Patientenvolumen, zum Beispiel Projekte über eine Region. Zurückweisungen aus formalen Mängeln, wie bei der frühen Nutzenbewertung von neuen Arzneimitteln möglich, werde es beim Innovationsfonds nicht geben, betonte Jäger. Sollte es formale Mängel geben, könnten diese nachgebessert werden. © fos/aerzteblatt.de

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