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Medizin

Intravenöse Eisentherapie: Anaphylaxie bei Dextrose-Präparaten am häufigsten

Mittwoch, 18. November 2015

Silver Spring – Eine intravenöse Eisentherapie führte in einer Kohorte von Medicare-Begünstigten häufiger zu anaphylaktischen Reaktionen, wenn Präparate mit dem Träger Dextran eingesetzt wurden. Dies zeigt eine Untersuchung der US-Arzneibehörde FDA im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; doi: 10.1001/jama.2015.15572).

Bei allen Präparaten zur intravenösen Gabe ist das elementare Eisen von einer Kohlenhydrathülle umgeben. Sie soll den Eisenkern schützen und die Abgabe an das retikuloendotheliale System erleichtern. Den älteren Formulierungen mit Dextran-Hülle wird ein erhöhtes Risiko von anaphylaktischen Reaktionen nachgesagt.

Es gibt laut Cunlin Wang von der FDA jedoch nur wenige direkte Vergleichsstudien, die aufgrund einer geringen Teilnehmerzahl die Frage bisher nicht sicher beantworten können. Die FDA-Mitarbeiter haben deshalb die Krankenakten von 688.183 Medicare-Begünstigten auswerten lassen, die zwischen 2003 und 2013 eine intravenöse Eisen­substitution erhielten. Zum Einsatz kamen neben Eisen-Dextran Eisen-Gluconat, Eisen-Sukrose und das erst 2010 eingeführte Ferumoxytol.

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Die Ärzte notierten nur 274 Fälle einer Anaphylaxie nach einer ersten Anwendung und 170 weitere Fälle bei einer erneuten intravenösen Eisentherapie. Die Inzidenz war damit deutlich niedriger als in klinischen Studien. Wang vermutet, dass die Ärzte leichtere Komplikationen nicht in die Krankenakten eingetragen haben oder als Allergie anders klassifiziert haben.

Dies gefährdet aber nicht die Kernfrage der Studie, den Vergleich der einzelnen Präparate. Hier kam es unter Dextran-Formulierungen tatsächlich häufiger zu anaphylaktischen Reaktionen. Wang gibt die Rate mit 68 auf 100.000 Personen an (95-Prozent-Konfidenzintervall 57,8-78,7). Bei allen Nicht-Dextran-Präparaten zusammen betrug die Rate nur 24 auf 100.000 Personen. Wang ermittelt eine adjustierte Odds Ratio (OR) von 2,6, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,0 bis 3,3 statistisch signifikant war.

Unter Eisen-Dextran kam es demnach 2,6-fach häufiger als bei den anderen Präparaten zu anaphylaktischen Reaktionen. Zu berücksichtigen ist, dass Dialyse-Patienten nicht in die Auswertung eingeschlossen waren.

Am seltensten traten die Reaktionen nach der ersten Applikation von Eisen-Sukrose auf. Im Vergleich hierzu betrug die Odds Ratio für Eisen-Dextran 3,6 (2,4-5,4); für Eisen-Gluconat 2,0 (1,2-3,5) und für Ferumoxytol 2,2 (1,1-4,3). Da sich die Eisen-Dosis und Verabreichungsschemata der einzelnen Präparate unterscheiden, hat Wang auch die Anaphylaxie-Rate bei einer Substitutionstherapie mit 1.000 mg-Eisen berechnet. Auch hier kam es unter Eisen-Dextran mit 82 auf 100.000 Personen am häufigsten zu anaphylaktischen Reaktionen. Am niedrigsten war die Rate auch hier mit 21 auf 100.000 Personen mit Eisen-Sukrose. © rme/aerzteblatt.de

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