NewsVermischtesVDE-Weißbuch: Standards für die sichere Kommunikation im OP
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

VDE-Weißbuch: Standards für die sichere Kommunikation im OP

Mittwoch, 18. November 2015

dpa

Düsseldorf - Die Vernetzung medizintechnischer Geräte in Klinik und Operationssaal (OP)  kann einerseits die Patientensicherheit erheblich erhöhen und andererseits zu einer Marktöffnung führen, die es den Anwendern gestattet, unter den auf dem Markt verfügbaren Komponenten und Systemen frei zu wählen. Voraussetzung dafür ist, dass die vernetzten Geräte sichere offene Standards benutzen, um miteinander zu kommu­nizieren. Ein Meilenstein auf diesem Weg ist das vom VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik herausgegebene Weißbuch "Interoperabilität von Geräten und Systemen in OP und Klinik", das der Verband auf der Medica in Düsseldorf vorgestellt hat.

Derzeit verwenden die Hersteller medizinischer Geräte proprietäre Kommunika­tionsprotokolle und stellen oft uneinheitliche Anforderungen an die Bedienung. In den Kliniken führe das zu starren Strukturen und langen Innovationszyklen, kritisierte Michael Czaplik, Klinik für Anästhesiologie der Uniklinik der RWTH Aachen. Die Vernetzung der Komponenten sei schwierig, und oft komme es zu Doppeldoku­mentationen, weil die Systeme nicht vernetzt seien.

Anzeige

„Der Datenaustausch muss über das Krankenhausinformationssystem stattfinden“, so Czaplik. Nachteilig ist ihm zufolge auch, dass die Kliniken bei Produktinnovationen nicht das für den Patienten beste Gerät wählen können, sondern dasjenige kaufen müssen, das gemeinsam mit den anderen funktioniert. Alternativ dazu müssen sie das gesamte System auswechseln. Das aber ist teuer und birgt Risiken insbesondere bei technischen Umstellungen und Zukäufen inkompatibler Komponenten.

Zeitfenster von fünf Jahren
Das Weißbuch analysiert den Standardisierungstand bei der Vernetzung medizinischer Geräte im OP sowie deren Anbindung an die Informationssysteme und gibt einen Überblick über die rechtlichen Anforderungen und die internationale Normungs­landschaft. Darüber hinaus untersuchen die Autoren die vorhandenen Normen beim Risikomanagement und bei der Sicherheit. Auf dieser Grundlage gibt das Weißbuch Handlungsempfehlungen, in welche Richtung und in welchem Zeitrahmen sich die Standardisierung bewegen sollte, um die Interoperabilität der Geräte in OP und Klinik zu sichern. Der VDE geht davon aus, dass Innovationen mit offenem Standard und sicheren Schnittstellen in einem stufenweisen Prozess in fünf Jahren zur Verfügung stehen werden.

Einen Entwicklungsschub hat insbesondere das vom Bun­des­for­schungs­minis­terium geförderte Forschungsprojekt "OR.NET - Sichere dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik" gebracht, in dem mehrere vielversprechende Standards entwickelt wurden, die bei den entsprechenden Standardisierungsorganisationen eingereicht wurden und jetzt international kommentiert werden. An erster Stelle ist hier das open communication protocol (OCP) zu nennen, das beim IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) vorgestellt wurde und die Grundlage für die Konformitätserklärung für vernetzte medizinische Geräte ist. Auf Initiative des VDE haben sich die deutschen Branchenverbände bereits zum OCP verpflichtet.

Um die Interoperabilität zu sichern, fordert der VDE, die internationale Standardisierung weiter voranzutreiben. „Die Datensicherheit, Datenerfassung und Datenkontrolle müssen weiter standardisiert und implementiert werden“, betonte Frank Golatowski, Institut für Angewandte Mikroelektronik und Datentechnik, Universität Rostock. Der Gesetzgeber sollte die Verwendung von Standards innerhalb einer Einrichtung und damit auch für alle Fachabteilungen in der Klinik fördern und fordern, meinte der Experte.

Die Leistungserbringer sollten die in OR.NET entwickelten Standards in den Ausschreibungen einfordern, um damit Qualitätsanforderungen in der Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Zudem fordert der VDE, auch nach der Projektlaufzeit von OR.NET (Ende 2015) intelligente Fördermaßnahmen zu finden. So sei die Bereitstellung von Referenzsoftware häufig für einzelne Hersteller uninteressant, deren Verfügbarkeit jedoch für jeden Hersteller hochinteressant. Ähnliches gelte für die Entwicklung von Standards im Allgemeinen. Deshalb sollte es im allgemeinen Interesse liegen, offene und sichere Standards für die Interoperabilität vernetzter medizinischer Geräte zu fördern. © KBr/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. Oktober 2019
München – Flugzeugteile, maßgefertigte Brillengestelle, künstliche Hüftgelenke und Zahnkronen kommen heute schon vielfach aus dem 3-D-Drucker. Damit werden nach einer Untersuchung der
3-D-Druck-Markt wächst um 25 Prozent jährlich
4. Oktober 2019
Grenoble – Ein allein durch Hirnsignale gesteuertes Exoskelett hat es einem an allen 4 Gliedmaßen gelähmten Mann in Frankreich erlaubt, seine Arme zu bewegen und in einem an der Decke befestigten
Exoskelett ermöglicht Patienten Bewegung trotz Tetraplegie
4. Oktober 2019
Jena – Der Medizintechnik-Konzern Carl Zeiss Meditec hat sein selbst gesetztes Jahresziel beim Umsatz übertroffen. Im Geschäftsjahr 2018/2019 legten die Erlöse nach vorläufigen Zahlen um etwa 13,9
Carl Zeiss Meditec im Aufwind
2. Oktober 2019
Augsburg – Die Zahl der bildgebenden Verfahren in der Medizin ist in den vergangenen Jahren dank des medizinischen Fortschritts stark gewachsen. Eine Arbeitsgruppe um Thomas Kröncke, Direktor der
Medizinische Bildgebung: Uniklinik Augsburg untersucht Unter- und Überversorgung
1. Oktober 2019
Dresden – Robotersysteme sollen künftig bei der Pflege sowie in der Therapie von Demenzkranken helfen. Der Freistaat Sachsen fördert das Projekt „Care4All“ zur Entwicklung derartiger Systeme mit rund
Sachsen fördert Projekt zu Pflegerobotern
1. Oktober 2019
Lübeck – Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Dräger, die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat haben sich auf ein Eckpunktepapier zur Senkung der Personalkosten geeinigt. Damit sollen in
Dräger einigt sich mit Gewerkschaft auf Senkung der Personalkosten
17. September 2019
Regensburg – Mediziner der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) haben als Referenzzentrum ein neues robotisch gesteuertes Operationsmikroskop
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER