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Diabetes-Fach­gesellschaft streitet mit der Zuckerindustrie

Mittwoch, 18. November 2015

dpa

Düsseldorf – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat Aussagen der „Wirtschaftliche Vereinigung Zucker“ (WVZ) dementiert, wonach Zucker nicht dick mache und Zuckerkonsum kein Risikofaktor für Diabetes Typ 2 sei. Die WVZ habe dies in einem Info-Brief an die Mitglieder des Bundestagsausschusses für Gesundheit behauptet und sich dabei unter anderem auf Ernährungsempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) berufen.

„Die DDG betrachtet diese Aktion als unseriös und weist die Argumentation als manipulativ und plump zurück“, teilte die Fachgesellschaft mit. Die Behauptungen der WVZ sind laut der DDG eine Mischung aus Wahrheiten, Halbwahrheiten und der bewussten Aussparung von Wahrheiten. Die Argumentation der Zuckerlobby knüpfe an ähnliche Strategien der Tabakindustrie an, die jahrzehntelang erfolgreich versucht habe, von den gesundheitlichen Folgen des Rauchens abzulenken.

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Im Detail funktioniert die Argumentation laut der DDG folgendermaßen: Zunächst stelle die WVZ richtigerweise fest, dass Übergewicht ein Risikofaktor für die Entstehung von Diabetes Typ 2 sei. Für die Entstehung von Übergewicht sei aber nicht eine einzelne Zutat, sondern die Energiebilanz entscheidend: „Wenn jemand übergewichtig ist, kann das sehr viele Ursachen haben, wie der persönliche Lebensstil, Veranlagung, Stress oder Schlafmangel. Zucker gehört nicht dazu. Ausschlaggebend für die Entstehung von Übergewicht ist letztlich die Energiebilanz“, heißt es in einer Veröffentlichung der WVZ vom 7. September 2015 – nachzulesen auf der Internetseite des Verbandes.

„Diese Argumentation ist unseriös, weil sie entscheidende Zusammenhänge bewusst ausspart“, sagte der Präsident der DDG, Baptist Gallwitz. Zwar sei gegen den maßvollen Konsum von Zucker nichts einzuwenden. „Das Problem ist jedoch unsere heutige Ernährungsweise mit einer Vielzahl industriell erzeugter Lebensmittel, die ein Übermaß an Zucker, Fett und Salz enthalten und damit zu viele Kalorien“, so Gallwitz.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sollte der Zuckerverbrauch nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Gesamtenergieaufnahme ausmachen. Noch besser sei es, wenn der tägliche Zuckerverbrauch auf fünf Prozent reduziert werde. Zehn Prozent der Energieaufnahme für Erwachsene wären etwa 50 Gramm Zucker. Tatsächlich aber verzehrt jeder Deutsche im Durchschnitt etwa das Doppelte an Zucker. © hil/aerzteblatt.de

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