NewsMedizinHepatitis C: Sofosbuvir plus Velpatasvir heilen schneller
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Hepatitis C: Sofosbuvir plus Velpatasvir heilen schneller

Donnerstag, 19. November 2015

dpa

Frankfurt/London/Boston – Eine fixe Kombination aus dem seit 2014 verfügbaren NS5B Inhibitor Sofosbuvir und dem noch nicht zugelassenen NS5A-Inhibitor Velpatasvir hat in mehreren Phase 3-Studien eine Hepatitis C mit allen Genotypen innerhalb von 12 Wochen geheilt. Die Behandlung erzielte in Kombination mit Ribavirin auch bei fortgeschrittener Leberzirrhose eine gute Wirkung.

Sofosbuvir/Velpatasvir ist nicht die erste Kombination aus mehreren direkt wirkenden Virustatika (DAA), die die Hepatitis C ohne langwierige Interferonbehandlung zur Ausheilung bringt. Sie liefert jedoch die bisher besten Ergebnisse. In der ASTRAL 1-Studie, deren Ergebnisse ein Team um Stefan Zeuzem vom Universitätsklinikum Frankfurt/Main im New England Journal of Medicine (NEJM 2015; doi: 10.1056/NEJMoa1512610) vorstellt, erzielten 622 von 624 Patienten (99 Prozent), die mit den Genotypen 1, 2, 4, 5 oder 6 des Hepatitis C-Virus infiziert waren, nach einer Behandlung über 12 Wochen eine anhaltende virologische Ansprechrate (SVR), die mit einer Heilung gleichgesetzt wird. Die einzigen beiden Therapieversager waren mit einer seltenen Virusvariante infiziert, die gegen die Wirkstoffe resistent ist.

Anzeige

In der ASTRAL 2-Studie betrug die SVR-Rate bei Genotyp 2 ebenfalls 99 Prozent und in der ASTRAL 3-Studie waren es beim Genotyp 3 95 Prozent. Die Ergebnisse der beiden Studien wurden von einem Team um Graham Foster von der Queen Mary University of London vorgestellt (NEJM 2015; doi: 10.1056/NEJMoa1512612). Nur in der ASTRAL 4-Studie, deren Teilnehmer bereits eine dekompensierte Leberzirrhose (Child–Pugh–Turcotte Klasse B) hatten, war die SVR mit 83 Prozent etwas niedriger. Sie stieg allerdings auf 94 Prozent, wenn Sofosbuvir/Velpatasvir mit Ribavirin kombiniert wurde, wie ein Team um Michael Curry vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston berichten kann (NEJM 2015; doi: 10.1056/NEJMoa1512614).

Alle Experten sind sich einig, dass die Erkrankung nicht bis zur Zirrhose fortschreiten sollte, um mit der Hepatitis C-Therapie zu beginnen. Genau diese Verzögerung droht allerdings vielen Patienten, da die Geldgeber angesichts von Therapiekosten um die 100.000 Euro pro Behandlung nicht bereit und angesichts der hohen Zahl von (vermu­teten) Infizierten nicht in der Lage wären, allen Patienten die angemessene frühzeitige Therapie zu finanzieren. In den USA zahlen 33 staatliche Medicaid-Programme nur, wenn es aufgrund der Infektion bereits zu einer schweren Leberer­krankung gekommen ist. Die Medikamente mögen dann noch die Infektion kurieren, der zirrhotische Umbau der Leber dürfte jedoch irreversibel sein.

Der Hersteller, der Sofosbuvir derzeit als Monopräparat und in Kombination mit Ledipasvir, einem NS5A-Inhibitor, vertreibt, hat in den USA die Zulassung der neuen Kombination beantragt. Er hofft aufgrund einer „Breakthrough Therapy“-Klassifizierung auf einen baldigen positiven Bescheid, der aufgrund der guten Verträglichkeit demnächst erteilt werden dürfte.

In Europa soll der Antrag noch vor Ende des Jahres eingereicht werden. Das Mittel dürfte dann im Frühjahr eingeführt werden. Es handelt sich um die erste rein orale Kombination, die mit einer Tablette pro Tag innerhalb von 12 Wochen bei allen Genotypen mit höchster Erfolgschance eingesetzt werden kann. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #657757
RainerBachmann
am Donnerstag, 31. Dezember 2015, 11:13

Hepatitis C: Sofosbuvir plus Velpatasvir heilen schneller

Wenn ich es richtig verstanden habe, soll die o. g. kombination 100.000€/therapie kosten. Die gruppe der zu therapierenden patienten ist riesig und die volkswirtschaftlichen folgekosten eine späten, bei schwer geschädigter leber einsetzenden, therapie sind erheblich höher. D.h: mit viel niedrigerem gewinnstreben amortisiert sich solch ein medikament immer. Nun, über moral möchte ich lieber nicht sprechen. Der begriff staat iS einer im weitesten sinne gearteten schutzgemeinschaft auf einem staatsgebiet sollte - so wie Indien es richtig vorgemacht hat - seine staatliche macht benutzen und derartiges raubrittertum zugunsten von aktienpaketen eindämmen. Raubkopien oder 1/3 des preises: das wäre aus meiner wahrnehmung eine richtige antwort . Und damit könnte man dann auch gleich noch belegen, dass TTIP genau aus solchen gründen vom tisch gehört, denn genau damit könnten sich solche raubritter auch noch legal "recht" verschaffen.
Dr Rainer Bachmann
LNS

Nachrichten zum Thema

30. August 2019
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor schwerwiegenden Leberschäden, zu denen es bei Patienten gekommen ist, die mit den Kombinationspräparaten Mavyret, Zepatier und Vosevi
Hepatitis-C-Therapie: FDA warnt vor Leberschäden
29. August 2019
Berlin – Frauen, die bei einer Immunprophylaxe Ende der 1970er-Jahre in der ehemaligen DDR mit Hepatitis-C infiziert wurden, sollen nach Plänen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) auch dann
Hepatitis-C-Opfern der ehemaligen DDR soll Entschädigung nicht mehr gekürzt werden
28. August 2019
Heidelberg – Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) drängt angesichts bestehender Lieferengpässe bei Hepatitis-B-Impfstoffen auf zügige Maßnahmen der Politik. Die Fachgesellschaft rief das
Nephrologen rufen zu Maßnahmen gegen Lieferengpässe bei Hepatitis-B-Impfstoffen auf
26. Juli 2019
Genf und Berlin – Weltweit sind neunmal mehr Menschen mit Hepatitis infiziert als mit HIV. Dennoch wird weniger in die Diagnose und die Therapie der Erkrankungen investiert. Nach Berechnungen der
Welt-Hepatitis-Tag: WHO-Studie fordert vermehrte Anstrengungen in ärmeren Ländern
23. Juli 2019
Essen – Die Deutsche Leberstiftung warnt davor, dass Deutschland das Ziel, Hepatitis B und C bis zum Jahr 2030 zu eliminieren, voraussichtlich nicht erreichen wird. Dieses Ziel hatte die
Hohe Dunkelziffer bei Hepatitis vermutet
24. Juni 2019
Stockholm –. Während die Zahl der akuten Hepatitis B-Infektionen in Europa sinkt, ist die Zahl der Menschen mit chronischen Infektionen seit 2008 gestiegen. Ein Grund dürfte nach einem Report des
Hepatitis B: Weniger akute, aber mehr chronische Infektionen in Europa
20. Mai 2019
Langen – Blutspenden in Deutschland werden künftig auch auf eine mögliche Hepatitis-E-Infektion getestet. Als Grund für den zusätzlichen Test nannte das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER