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Medizin

Darmparasiten beeinflussen Fruchtbarkeit von Frauen

Freitag, 20. November 2015

Santa Barbara – Frauen der Tsimane, ein Naturvolk in Bolivien, bringen mehr Kinder zur Welt, wenn sie mit einem Spulwurm infiziert sind. Eine Infektion mit einem Hakenwurm hatte eine gegenteilige Wirkung. Die Ursache vermuten die Forscher in Science (2015; 350: 970-972) im Einfluss der Helminthen auf das Immunsystem.

Darmparasiten sind in reicheren Ländern der Erde selten geworden. Weltweit sollen jedoch 500 Millionen Menschen mit Hakenwürmern (Ancylostoma duodenale oder Necator americanus) und 800 Millionen mit dem Spulwurm Ascaris lumbricoides infiziert sein. Unter den Tsimane, die ein internationales Team von Anthropologen seit 2001 erforscht, sind 70 Prozent von Darmparasiten befallen. Dies hat zum Teil überraschende Auswirkungen auf die Gesundheit.

Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass Darmparasiten die Anfälligkeit gegenüber anderen Infektionen wie Malaria, Giardiasis und Tuberkulose beeinflussen. Personen, die mit Helminthen infiziert sind, erkranken seltener an Allergien und
Autoimmunerkrankungen, deren Anstieg in den entwickelten Ländern mit der effektiven Kontrolle von Darmparasiten unter anderem in Verbindung gebracht wird.

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Auch den Tsimane wird die Behandlung von Darmparasiten angeboten. Das Team um den Anthropologen Aaron Blackwell von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara ist sich jedoch nicht sicher, ob sie den Tsimane damit einen Gefallen tun. Die Unter­suchung zeigt nämlich, dass Frauen, die mit dem Spulwurm Ascaris lumbricoides infiziert sind, ihr erstes Kind bereits relativ früh bekommen und der Zeitraum zwischen den Schwangerschaften deutlich verkürzt ist. Der Einfluss ist enorm.

Nach den Berechnung von Blackwell bringen Frauen, die mit Ascaris lumbricoides infiziert sind, im Laufe ihres Lebens zwei Kinder mehr zur Welt. Der Durchschnitt liegt bei den Tsimane bei neun Kindern. Frauen, die mit Ancylostoma duodenale oder Necator americanus infiziert sind, bekommen dagegen drei Kindern weniger (sofern die Berechnungen, die auf eine Beobachtung von neun Jahren beruhen, zutreffen).

Warum Darmparasiten, die die weiblichen Geschlechtsorgane nicht befallen und keine systemischen Toxine abgeben, die Fruchtbarkeit beeinflussen, ist nicht ganz klar. Blackwell vermutet aber, dass der nachgewiesene Einfluss auf das Immunsystem der auslösende Faktor ist. Darminfektionen verändern die Reaktion von T-Helfer-Zellen auf fremde Antigene.

Es kommt zu einem Wechsel von einer TH 1-Antwort, die starke Entzündungsreaktionen auslösen, hin zu einer TH 2-Antwort, die hier gegensteuert. Zu einer TH 2-Antwort kommt es auch in der Schwangerschaft. Sie soll verhindern, dass das Immunsystem der Mutter das Kind angreift. Die Infektion mit (bestimmten) Darmparasiten könnte deshalb die Bereitschaft des Körpers, eine Schwangerschaft auszutragen, erhöhen. Ob diese Hypothese zutrifft und wie sich der gegenteilige Einfluss von Hakenwürmern erklären lässt, haben die Forscher in der Studie nicht untersucht. © rme/aerzteblatt.de

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