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Medizin

Webseite hilft Nachwuchsärzten in Studie, Suizid-Ideen zu vermeiden

Sonntag, 22. November 2015

dpa

Ann Arbor – Eine von australischen Psychologen entwickelte webbasierte kognitive Verhaltenstherapie zur Suizidprävention hat Nachwuchsärzten in den USA geholfen, dem psychologischen und mentalen Stress in den ersten Monaten ihrer Ausbildung besser standzuhalten. Die „Interns“ signalisierten laut den Ergebnissen einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Psychiatry (2015; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2015.1880) nur halb so häufig Suizidgedanken.

Ärzte haben ein signifikant höheres Suizidrisiko als der Rest der Bevölkerung. Beson­ders gefährdet sind die Berufseinsteiger, die sich in den ersten Monaten ihrer klinischen Tätigkeit oft den Anforderungen nicht gewachsen sehen. Die Folge sind Depressionen, die nicht selten im Suizid enden. Die American Foundation for Suizide Prevention schätzt, das sich in den USA im Durchschnitt jeden Tag ein Mediziner das Leben nimmt (Berufsanfänger eingeschlossen). Die Betroffenen sind zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn für Hilfsangebote in der Regel nicht offen, weil sie einen Karriereknick befürchten und für eine psychologische Behandlung keine Zeit haben.

Ein webbasiertes Programm, das die Mediziner jederzeit absolvieren können, ohne dass die Vorgesetzten davon Kenntnis erhalten, könnte hier eine Versorgungslücke schlie­ßen, glaubt Srijan Sen von der Universität von Michigan in Ann Arbor. Sein Team hat jetzt erstmals diese neue Form der psychologischen Internetberatung in einer klinischen Studie untersucht.

Insgesamt 199 angehende Ärzte wurden noch während des Studiums kontaktiert. Ihnen wurden entweder regelmäßig per Email Informationen über Depressionen und ihre Behandlungen zugeschickt. Oder sie wurden gebeten, an dem mentalen Trainings­programm „MoodGYM“ teilzunehmen, das Forscher am australischen National Institute for Mental Health Research entwickelt haben.

Die interaktive Beratung, die an der Universität Leipzig inzwischen auch für den deutsch­sprachigen Bereich überarbeitet wurde, basiert auf den Prinzipien der kognitiven Verhal­tenstherapie. Sie besteht aus vier Modulen. Im ersten Modul wird bei den Teilnehmern das Problembewusstsein für das komplexe Zusammenspiel von Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen gefördert. In den Modulen 2 und 3 lernten sie, die Symptome bei sich zu erkennen. Im Modul 4 werden dann Strategien zur Problemlösung angeboten.

Alle drei Monate erhielten die Teilnehmer den Fragebogen PHQ-9 zugeschickt, der sich nach neun Symptomen einer depressiven Gemütserkrankung erkundigt. Die abschlie­ßende Frage 9 betrifft die Suizidalität. In der Kontrollgruppe meinten 21 von 99 Teil­nehmern, dass sie gelegentlich mit dem Gedanken spielen, dass es „besser wäre, wenn sie tot wären oder sich selbst Gewalt zufügen würden“.

Unter den Teilnehmern im „MoodGYM“-Arm äußerten nur 12 von 100 Berufsanfängern diese Suizidideen. Sen und Mitarbeiter errechnen ein relatives Risiko von 0,40, das bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,17 bis 0,91 statistisch signifikant war. Damit könnte das kostenlose und für die Patienten ohne große Hürden erreichbare „MoodGYM“-Programm eine Möglichkeit sein, den mentalen Stress zu Beginn ihrer ärztlichen Tätigkeit zu verarbeiten und möglicherweise auch ihre Chancen erhöhen, das erste Berufsjahr lebend zu überstehen. © rme/aerzteblatt.de

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