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Medizin

Spätaufsteher sind diabetesgefährdet

Sonntag, 22. November 2015

schlaf-dpa

Pittsburgh – Menschen, die sich morgens aus dem Bett quälen, weil ihr biologischer Chronotyp nicht mit den gesellschaftlich vorgegebenen Arbeitszeiten harmoniert, haben einer Studie im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2015; 10.1210/jc.2015-2923) zufolge häufig kardiometabolische Risikofaktoren, die langfristig zu einem Typ 2-Diabetes führen können.

Die Schlafforschung hat akzeptiert, dass es unterschiedliche Chronotypen gibt. Die Frühaufsteher („Lerchen“) sind auch an freien Tagen morgens schon vor 7 Uhr hell­wach, für die Nachtmenschen („Eulen“) ist der Montagmorgen der schwierigste Moment der gesamten Woche. Chronobiologen vermuten seit längerem, dass die regelmäßige Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus für die Eulen gesundheitliche Nachteile hat. Patricia Wong von der Universität Pittsburgh und Mitarbeiter hat dies jetzt in einer Studie wissenschaftlich untersucht.

An der Studie nahmen 447 gesunde Männer und Frauen im Alter zwischen 30 und 54 Jahren teil, die mindestens 25 Stunden pro Woche außerhalb des Hauses arbeiteten. Alle Teilnehmer wurden mit einem Aktigraphen ausgerüstet, den sie beständig am Arm trugen und der ihre Bewegungen über eine ganze Woche aufzeichnete. Bei Eulen kommt es dabei zwischen Arbeitstagen und Wochenende zu einer Verschiebung der Schlafzeiten, die die Forscher als „sozialen Jetlag" bezeichnen. Die Eulen erleiden wöchentlich die gleichen Symptome, denen Menschen nach Flügen über mehrere Zeitzonen hinweg ausgesetzt sind.

Die Eulen waren in der Studie in der Mehrheit: Bei 85 Prozent der Teilnehmer verscho­ben sich die Schlafzeiten an den Wochenenden auf einen späteren Punkt. Die anderen 15 Prozent waren am Wochenende früher wach als unter der Woche. Zur Bestimmung des sozialen Jetlags wurde die Verschiebung im Mittelpunkt der Schlafzeit heran­gezogen.

Die Ergebnisse zeigen, dass der „soziale Jetlag“ sich ungünstig auf einige kardio­meta­bolische Parameter auswirkt, die als Risikofaktoren für den Typ 2-Diabetes bekannt sind. Die wiederholte Verschiebung der Schlafzeiten ging laut Wong mit einem niedri­geren HDL-Cholesterin und einem höheren Nüchtern-Insulin einher. Die Insulin­sensitivität war vermindert. Teilnehmer mit sozialem Jetlag waren häufiger über­gewichtig und sie hatten einen größeren Taillenumfang. Die Assoziationen hatten auch Bestand, nachdem Wong andere bekannte Risikofaktoren wie körperliche Aktivität und Kalorienzufuhr in ihren Berechnungen berücksichtigte.

Die Querschnittstudie ist sicher kein abschließender Beweis, dass die Risikofaktoren langfristig das Diabetesrisiko erhöhen. Da die Erfassung des Chronotyps mittels Aktigraphen einfach möglich ist, dürfte die Frage schon bald Gegenstand von prospektiven Beobachtungsstudien sein. Epidemiologische Studien könnten untersuchen, ob Menschen mit Gleitzeit im Alter seltener an einem Typ 2-Diabetes erkranken. © rme/aerzteblatt.de

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