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Medizin

Gestationsdiabetes: Stillen könnte späteren Diabetesrisiko senken

Dienstag, 24. November 2015

dpa

Oakland - Frauen mit Gestationsdiabetes, die nach der Geburt ihren Säugling konse­quent und kontinuierlich stillten, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie in den Annals of Internal Medicine (2015 doi: 10.7326/M15-0807) in den Folgejahren nur halb so häufig an einem Typ 2-Diabetes wie Frauen, die ihre Säuglinge mit Baby­nahrung fütterten.

In den USA entwickeln zwischen 5 und 9 Prozent aller Frauen während der Schwan­gerschaft einen Gestationsdiabetes. Die meisten  erholen sich nach der Geburt von der diabetischen Stoffwechsellage. Doch ihr Risiko, in den Folgejahren an einem dann in der Regel dauerhaften Typ 2-Diabetes zu erkranken, ist um den Faktor 7 erhöht. Zu den effektiven Präventionsmaßnahmen gehören eine Gewichtsreduktion und Sport, ein günstiger Einfluss des Stillens galt bisher nicht als belegt, obwohl es während der Laktationsphase zu einer Verbesserung des Glukose- und Lipidstoffwechsels kommt und die Insulinresistenz, die ein wichtiger Auslöser des Typ 2-Diabetes ist, abge­schwächt wird.

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Dies könnte eine nachhaltige protektive Wirkung erzielen, die über die Stillphase hinaus anhält, wie die Ergebnisse von Erica Gunderson von der Forschungsabteilung der Krankenkasse Kaiser Permanente in Oakland zeigen. Die Epidemiologin hat die Ergebnisse der „Study of Women, Infant Feeding and Type 2 Diabetes After GDM Pregnancy“ (SWIFT) ausgewertet.

Die Studie begleitet 959 Frauen, die während der Schwangerschaft an einem Diabetes erkrankten. Ingesamt 113 entwickelten in den folgenden zwei Jahren einen Typ 2-Diabetes. Nur 17 dieser Frauen hatten voll gestillt. Gunderson errechnet für diese Frauen eine Inzidenzrate von 3,95 Neuerkrankungen auf 1.000 Personen-Monate. Bei den 29 Frauen, die überwiegend gestillt hatten, betrug die Inzidenzrate 4,88 pro 1.000 Personen-Monate, bei einer überwiegenden Fütterung mit Baby-Nahrung waren es 6,47 pro 1.000 Personen-Monate und bei Frauen, die niemals gestillt hatten, kam es zu 8,79 Neuerkrankungen auf 1.000 Personen-Monate. Dies deutete auf eine dosis-abhängige Wirkung hin: Je intensiver die Frauen ihre Säuglinge stillen, desto geringer ist das spätere Diabetesrisiko.

Gunderson errechnet für die drei Varianten des Stillens (teilweise, überwiegend oder ganz) Hazard Ratios von 0,64, 0,54 und 0,46. Anders ausgedrückt bedeutet dies eine Minderung des Risikos, innerhalb von zwei Jahren an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken, um 36 Prozent, 46 Prozent und 54 Prozent. Für das vollständige und das überwiegende Stillen waren die Hazard Ratios signifikant, ein statistischer Zufall erscheint ausgeschlossen.

Die Möglichkeit, dass andere Eigenschaften der stillenden Frauen als das Stillen für die protektive Wirkung verantwortlich sind, konnte Gunderson zwar nicht vollständig aus­schließen. Ihre Analyse berücksichtigt allerdings eine Reihe von konkurrierenden potenziellen Risikofaktoren wie mütterliche Adipositas vor der Schwangerschaft, Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, ungünstige Ergebnisse in einem Blutzuckerbelastungstest vor der Schwangerschaft, die Behandlung von Schwanger­schafts-Diabetes, eine Kaiserschnittentbindung, die Größe des Kindes bei der Geburt sowie ethnische Herkunft und einige Angaben zu Ernährung, körperlicher Aktivität und Gewichtsveränderung.

Das steigert die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse. Die Studie hat aber auch Schwächen. Dazu gehört, dass der Stillstatus nur in den Wochen 6 bis 9 nach der Geburt abgefragt wurde. Die Welt­gesund­heits­organi­sation rät allen Frauen, sechs Monate voll zu stillen und in den weiteren sechs Monaten allmählich zuzufüttern. Es ist deshalb möglich, dass die Studie den Effekt des Stillens unterschätzt. © rme/aerzteblatt.de

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