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Ärzteschaft

Psychiater warnen vor Verschlechterung der Versorgung

Mittwoch, 25. November 2015

Berlin – Deutschlands Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie gehen mehrheitlich davon aus, dass sich die Versorgungslage für psychisch erkrankte Menschen in den kommenden zehn Jahren verschlechtern wird. Das zeigt eine Umfrage unter 8.300 Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die heute in Berlin vorgestellt wurde.

Danach befürchten 59 Prozent der Psychiater eine Verschlechterung der Versorgung, 22 Prozent meinen, sie werde sich verbessern, und 19 Prozent, die Versorgung werde gleich bleiben. Die Hauptprobleme sind laut den Befragten der Fachärztemangel (67,3 Prozent), die Finanzierbarkeit der Versorgung (64,3 Prozent) und die Zunahme der Patientenzahl (58,0 Prozent).

 „Diese Ergebnisse machen deutlich, dass die Gesundheitspolitik und Selbstverwaltung die Herausforderungen in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen dringend anpacken müssen“, sagte die DGPPN-Präsidentin Iris Hauth heute bei der Eröffnung des Jahreskongresses der Fachgesellschaft in Berlin. Nötig seien strukturierte Versorgungsangebote, in welchen die verschiedenen Berufsgruppen und Sektoren Hand in Hand arbeiten könnten. „Von entscheidender Bedeutung ist dabei, dass diese Angebote die Patienten und deren Bedürfnisse in den Mittelpunkt rücken und nicht einseitig auf Kostenersparnis und Wettbewerb fokussieren“, forderte Hauth.

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Die langen Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz hob der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte und des Spitzenverbandes ZNS, Frank Bergmann, hervor. „Im Durchschnitt warten Patienten sechs Monate auf einen freien Therapieplatz, in einigen Regionen auch deutlich länger“, sagte er in Berlin. Bergmann wies auf ein Konzept hin, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit allen an der Versorgung psychisch Kranker beteiligten Leistungserbringern entwickelt hat.

Es sieht unter anderem Behandlungspfade für die Patientenbetreuung vor, eine strukturierte Kommunikation zwischen den an der Behandlung beteiligten Leistungserbringern und Zeitkorridore zum Abbau von Wartezeiten. Lotsengespräche sowie Akuttherapien sollen Patienten schneller in die richtige Therapie bringen.

Koordination der Versorgung ist entscheidend
„Mit einem Ampelschema, das die Dringlichkeit für eine Behandlung beschreibt, müssen wir die Patienten dort hinbringen, wo sie hingehören“, sagte Bergmann. Das könne der Psychiater sein, der Psychotherapeut oder auch der Hausarzt sein. „Wichtig ist, dass einer die Versorgung koordiniert.“ Nur so ließen sich die Defizite in der Versorgung kompensieren, denn „Wir werden nicht mehr Psychiater und Psychotherapeuten ins System bekommen“, glaubt Bergmann.

Auch die Hausärzte sollten nach Vorstellung von DGPPN-Präsidentin Hauth mehr in die Versorgung psychisch Kranker eingebunden werden: „Mithilfe des Curriculums Psychosomatische Grundversorgung und gezielten Schulungen in Krisenintervention können sie eine wichtige Rolle spielen.“ Bergmann wies weiter darauf hin: „Wir müssen auch erreichen, dass nicht alle Patienten auf der Facharztschiene bleiben, angesichts der langen Wartezeiten.“ Der Facharzt könne die nötige Diagnostik vornehmen, und in manchen Fällen den Patienten dann auch wieder vom Hausarzt versorgen lassen, schlägt der Psychiater vor.

Trotz der vielfältigen Probleme bei der Versorgung macht die DGPPN-Umfrage aber auch deutlich, wie die Psychiater in Deutschland zu ihrem Beruf stehen. Auf die Frage „Würden Sie denselben Beruf nochmals wählen?“ antworten 92 Prozent „Ja!“ © hil/pb/aerzteblatt.de

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