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Ausland

Ärzte ohne Grenzen: US-Bericht zu Krankenhausangriff „ungenügend“

Donnerstag, 26. November 2015

Berlin – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat den internen Bericht des US-Militärs zu den verheerenden Angriffen auf ihre Klinik im afghanischen Kundus scharf kritisiert. Der am Mittwoch vorgelegte Bericht sei „ungenügend, er wirft mehr Fragen auf als er Antworten liefert“, erklärte der Geschäftsführer der deutschen Sektion, Florian Westphal, am Donnerstag in Berlin. Notwendig sei weiter eine „unabhängige internationale Untersuchung“  der Bombardierung. Auch die deutsche Regierung müsse dafür ihren Einfluss geltend machen.

 Bei dem Angriff auf die Klinik am 3. Oktober waren 30 Menschen getötet worden, darunter 14 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und mindestens zehn Patienten, auch Kinder. In dem US-Untersuchungsbericht wird in erster Linie menschliches Versagen als Grund angegeben. Der „tragische, aber vermeidbare Zwischenfall wurde hauptsächlich durch menschliches Versagen verursacht“, sagte US-General John Campbell bei der Vorstellung am Mittwoch im Nato-Hauptquartier in Kabul. Eigentlich hätte ein hunderte Meter entferntes Gebäude bombardiert werden sollen, in dem verfeindete Kämpfer vermutet wurden.

USA müssen sich zu den Regeln der Genfer Konventionen bekennen
Campbell habe in seiner Erklärung das humanitäre Völkerrecht überhaupt nicht erwähnt, sondern sich auf geheime Einsatzregeln der US-Armee bezogen - „das reicht nicht aus“, erklärte Westphal. „Um Krankenhäuser im Kriegsgebiet in Afghanistan betreiben zu können, müssen wir vom US-Militär wissen, ob es dasselbe Verständnis von den in den Genfer Konventionen festgelegten Regeln im Krieg hat wie wir.“ Die Bundesregierung müsse Druck auf die USA machen, „damit diese endlich die Arbeit der genau für solche Fälle geschaffenen Internationalen Humanitären Ermittlungskommission zulässt“. 

Luftangriff auf Krankenhaus: Das Ende der Hilfe

22 Menschen sterben beim Angriff auf ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kunduz. Die Hilfsorganisation fordert eine unabhängige Aufklärung des Vorfalls. Wir sahen, wie das Krankenhaus in Flammen stand. [...] Auf der Intensivstation brannten sechs Patienten in ihren Betten. [...] 

Auch der Geschäftsführer der für die Klinik verantwortlichen belgischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Christopher Stokes, reagierte erbost auf den Bericht. „Es ist schockierend, dass ein Angriff der US-Streitkräfte ausgeführt werden kann, obwohl diese weder Sichtkontakt zum Zielobjekt noch Zugang zu der Liste der Objekte haben, die nicht angegriffen werden dürfen, und außerdem die Kommunikationssysteme versagen“, sagte er.

 In Kundus seien 30 Menschen getötet worden und jetzt Hundertausende ohne Zugang zu lebensrettender Hilfe, „offenbar nur, weil unser Krankenhaus schlicht und einfach das nächstgelegene große Gebäude neben einem freien Feld war und grob einer Beschreibung des eigentlichen Zieles entsprach“. Die „erschreckende Abfolge an Fehlern“ zeige „grobe Fahrlässigkeit seitens der US-Streitkräfte und Verletzungen der völkerrechtlichen Regeln der Kriegsführung“.

Bericht Ärzte ohne Grenzen bislang nicht zur Verfügung gestellt
Die USA hätten den Ärzten ohne Grenzen bislang weder den Untersuchungsbericht noch Teile daraus zur Verfügung gestellt, erklärte die Organisation weiter. Campbell habe die Vertreter der Organisation lediglich kurz vor der gestrigen Pressekonferenz in Kabul telefonisch über erste Ergebnisse informiert. MSF pocht weiter auf eine Veröffentlichung des Berichts.

Nach MSF-Angaben wurden in der Klinik zum Zeitpunkt des Angriffs 105 Patienten behandelt, darunter verletzte Taliban-Kämpfer, aber auch Frauen und Kinder. Die Organisation erklärte, dass auch verwundete Taliban-Kämpfer nach dem Völkerrecht als Patienten geschützt seien. Sie müssten ohne Diskriminierung behandelt und dürften nicht angegriffen werden. Auf dem Krankenhausgelände seien weder bewaffnete Kämpfer gewesen, noch habe es dort Kampfhandlungen gegeben. © afp/aerzteblatt.de

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