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Medizin

Zika-Virus: Importe nach Europa sind möglich

Freitag, 27. November 2015

Stockholm – Die Ausbreitung des Zika-Virus in Südamerika und die Assoziation mit einer kongenitalen Mikrozephalie haben das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zu einer Risikoeinschätzung bewogen. Reisemediziner und Gynäko­logen werden zur vermehrten Aufmerksamkeit aufgefordert. Schwangere sollten sich bei einer Reise in die Endemie-Länder schützen.

Das 1947 im Zika-Forest in Uganda erstmals isolierte Virus, ist seit längeren in West- und Zentralafrika verbreitet. Es wurde später auch in Asien und seit 2007 auf mehreren Inseln der Pazifikregion nachgewiesen. Von den Yap-Inseln (2007) hat es über Französisch-Polynesien (2013-2014) und die Osterinseln den südamerikanischen Kontinent erreicht. Chile meldete im Februar 2014 einen ersten Fall. In diesem Jahr konnte das Virus im Nordosten Brasiliens Fuß fassen. In Salvador, der drittgrößten Stadt Brasiliens, wurden seit Februar 14.835 Fälle einer akuten exanthematösen Erkrankung registriert.

Den Höhepunkt erreichte die Epidemie im Mai. Sechs Monate später wurden in der gleichen Region auffallend viele Kinder mit einem deutlich verminderten Kopfumfang geboren. Bis zum 9. November registrierte die brasilianische Gesundheitsbehörde 141 Fälle einer kongenitalen Mikrozephalie, ebenso viele wie in den Jahren zuvor in ganz Brasilien. Die brasilianischen Behörden, die einen Zusammenhang mit der Ausbreitung des Zika-Virus vermuten, haben daraufhin einen Gesundheits-Notstand ausgerufen.

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Schwangere Frauen wurden aufgefordert, den Kontakt mit Menschen zu meiden, die unter Fieber oder anderen Zeichen einer Infektion leiden. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, sich vor Mückenstichen zu schützen, indem sie Türen und Fenster geschlossen halten und im Freien Hosen und langärmelige Hemden tragen und Repellentien anwenden. Zika-Viren werden von Stechmücken der Gattung Aedes übertragen.

Ob die Zika-Viren für die Fehlbildungen verantwortlich sind, ist auch Sicht der ECDC derzeit nicht erwiesen. Die Häufigkeit der Mikrozephalien in der gleichen Region, die sechs Monate zuvor von einer Epidemie mit dem für Brasilen neuen Erreger erfasst wurden, mache eine Kausalität jedoch plausibel, heißt es in einem Rapid Risk Assessment.

Allerdings ist eine Häufung von Mikrozephalien in anderen Regionen, in denen Zika-Viren auftreten, bisher nicht aufgefallen. Eine transplazentare Transmission sei jedoch für andere Flaviviren bekannt, die Dengue, oder das West Nile-Fieber auslösen. Auch das Potenzial, Frühgeburten und Fehlbildungen auszulösen, sei für Flaviviren nachge­wiesen. Die ECDC verweist auf eine Untersuchung aus den USA, wo zwei von 72 untersuchten Neugeborenen nach einer West Nile-Infektion ihrer Mutter während der Schwangerschaft eine Mikrozephalie hatten (allerdings konnten bei den Kindern, von denen eines starb, keine Virus-Antikörper oder Virusgene nachgewiesen werden).

In Europa ist das Zika-Virus bisher nicht aufgetreten. Mit der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) ist jedoch ein möglicher Vektor in Südeuropa vorhanden und eine Ausbreitung im Prinzip möglich (wenn auch nicht in den kalten Jahreszeiten). Für möglich halten die Forscher jedoch, dass Fernreisende sich in Südamerika infizieren und das Virus nach Europa transportieren.

Da die Erkrankung häufig milde verläuft und viele Patienten beschwerdefrei bleiben, besteht das Risiko, dass das Virus durch Blutspenden übertragen wird. In Polynesien waren nach einer Untersuchung 3 Prozent der Blutspender infiziert. Zu einer erhöhten Aufmerksamkeit fordert das ECDC neben Reisemedizinern auch Geburtshelfer auf, denn eine in Südamerika während der Schwangerschaft erworbene Infektion könnte – so denn die Assoziation kausal ist – auch in Europa zur Geburt von Kindern mit einer konnatalen Mikrozephalie führen.

Schwangeren wird geraten, sich bei Reisen nach Südamerika oder anderen Endemie-Regionen vor Mückenstichen zu schützen. Die Hauptsymptome der Erkrankung, die drei bis zwölf Tage nach dem Mückenstich einsetzen, sind ein leichtes Fieber (unter 38,5°C), eine vorübergehende Arthritis/Arthralgie, die mit Schwellungen in den kleinen Gelenken an Händen und Füßen einhergehen kann, ein makulopapulöses Exanthem (Flecken und Knoten), das sich häufig zuerst am Gesicht zeigt, eine nicht-eitrige Konjunktivitis mit Augenrötungen sowie unspezifische Allgemeinsymptome wie Muskelschmerz, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Zu den wichtigsten reisemedizinischen Differenzialdiagnosen zählen das Dengue- und das Chikungunya-Fieber. © rme/aerzteblatt.de

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