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Medizin

Ultramarathon strapaziert Gehirn und Gelenke nur vorübergehend

Montag, 30. November 2015

Zieleinlauf des Trans-Europa-Laufs in Moskau /dpa

Ulm – Der menschliche Fuß ist auf extreme Laufstrecken besser vorbereitet als das Gehirn. Dies zeigen die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Begleitforschung zum Transeuropa-Lauf von 2009, die auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America in Chicago vorgestellt wurden.

67 Extremsportler trafen sich im April 2009 in der süditalienischen Hafenstadt Bari, um in den folgenden 64 Tagen zum Nordkap zu reisen, nicht mit einem Kreuzfahrtschiff, sondern zu Fuß. Mit dabei war ein Team der Universität Ulm, das die Extremsportler mit einem LKW begleitete, der mit einem mobilen Kernspintomographen (MRT) ausgerüstet war.

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Die Mediziner untersuchten die Teilnehmer, von denen 45 das Ziel erreichten, alle drei bis vier Tage, um die Auswirkungen des Extremsports auf den Körper zu untersuchen. Ein Schwerpunkt bildeten die Gelenke der Beine und hier vor allem im Bereich von Knöchel und Hinterfuß, die auf den 4.487,7 Kilometern das Gewicht der Läufer und vor allem die regelmäßigen Erschütterungen beim Laufen ertragen mussten.

Wie das Team um Uwe Schütz von der Ulmer Universitätsklinik für diagnostische und interventionelle Radiologie jetzt mitteilt, waren die Strapazen den Gelenken schon bald anzumerken. Auf den ersten 1.500 Kilometern kam es in allen Gelenken (mit Ausnahme der Kniescheibe) zu einer Zunahme der T2-gewichteten Signale. Sie zeigen an, dass es infolge der wiederholten Belastungen zu einer Störung im Knorpel gekommen ist.

Der Verlauf der oberflächlichen Kollagenfasern ist gestört und der Wassergehalt des Knorpels nimmt ab, vermutete Schütz kürzlich in einer Publikation Osteoarthritis and Cartilage (2014; 22: 1840-1850). Das Ausmaß war keineswegs banal. Im Knöchel stieg das T2-Signal um 25,6 Prozent an, im Subtalargelenk wurde eine Zunahme um 20,9 Prozent, im Chopart-Gelenk zwischen Talus und Calcaneus waren es 26,3 Prozent und im femorotibialen Gelenk zwischen 25,1 und 44,0 Prozent.

Im weiteren Verlauf des „Transeurope-Footrace“ erholten sich dann jedoch die Gelenke im Fußbereich. Im Sprunggelenk kam es zu einem Rückgang der T2-gewichteten Signale um 30,6 Prozent und in den Hinterfußgelenken um 28,5 Prozent beziehungs­weise 16,0 Prozent. Im  Kniegelenk blieben die Werte jedoch erhöht. Eigentlich hatten die Medizinern erwartet, dass die Fußgelenke anfälliger sind, da ihre Gelenkfläche kleiner und damit die Belastung pro Flächeneinheit größer ist. Eine weitere Veränderung war ein Anstieg im Durchmesser der Achillesferse. Die Knochenstruktur wurde durch die extremen Belastungen dagegen nicht in Mitleidenschaft gezogen. Der Fuß des Menschen ist auf Laufen angelegt, meint Schütz.

Das Laufen belastet jedoch nicht nur die Gelenke. Auch im Gehirn kam es zu signifi­kanten Veränderungen. Die MRT-Aufnahmen zeigten, dass die graue Hirnsubstanz am Ende des Rennens um 6,1 Prozent zurückgegangen war, was die Forscher anfangs beunruhigte. Im Verlauf des Alterns kommt es in der Regel um einen Rückgang der grauen Hirnsubstanz um 0,2 Prozent pro Jahr.

Das Gehirn der Läufer war jedoch nicht vorzeitig gealtert. Während die altersbedingte Atrophie des Gehirns nicht reversibel ist, hatten sich die MRT-Aufnahmen aller untersuchten Teilnehmer nach acht Monaten wieder vollkommen erholt. Ein Ultramarathon führt bei durchtrainierten Sportlern zu keinen dauerhaften Hirnschädigungen, erklärte Schütz. © rme/aerzteblatt.de

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