NewsMedizinLithiumtherapie schränkt Nierenfunktion nicht ein
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Lithiumtherapie schränkt Nierenfunktion nicht ein

Montag, 30. November 2015

Dundee – Eine Therapie mit dem Stimmungsstabilisator Lithium ist auch über einen längeren Zeitraum nicht wesentlich nephrotoxisch, solange es nicht zu akuten Intoxikationen kommt. Dies berichten Forscher um Peter Donnan an der Dundee University in The Lancet Psychiatry (DOI: 10.1016/S2215-0366(15)00316-8).

Lithium ist ein Alkalimetall, welches in therapeutischer Dosierung am häufigsten bei Patienten mit bipolaren Störungen oder Depressionen zum Einsatz kommt. Lithium soll die Stimmung stabilisieren und sowohl vor manischen als auch vor depressiven Episoden schützen. Die therapeutische Breite ist gering, weshalb regelmäßig Medikamentenspiegel bei den Patienten bestimmt werden müssen.

Im Blut liegt es in ionisierter Form vor und erzeugt so im Tubulussystem der Niere einen osmotischen Gradienten. Bei einer absichtlichen oder versehentlichen Überdosierung kann Lithium zu einem prärenalen Nierenversagen führen. Lithium selbst scheint ebenfalls eine begrenzt toxische Wirkung aufzuweisen, sodass sich bei einzelnen Patienten eine Lithium-Nephropathie entwickeln kann. Dies scheint teilweise auf Patienten, mit einer jahrzehntelangen Einnahme zuzutreffen. Da jedoch auch Patienten in teilweise suizidaler Absicht das Medikament überdosieren, bleibt unklar wie stark die reine Therapie die Nierenfunktion beeinflusst.

Anzeige

Die Forscher untersuchten diesen Zusammenhang an 1.120 Patienten, von denen 305 im Laufe ihrer Erkrankung mit Lithium behandelt wurden und 815 mit anderen Psychopharmaka wie Quetiapin, Olanzapin oder Valproat. Sie analysierten, inwiefern sich die Medikamente auf den jährlichen Abfall der glomerulären Filtrationsrate (GFR) auswirkten. Physiologisch nimmt die GFR mit dem Alter um etwa 1 mL/min pro 1.73 Quadratmeter im Jahr ab. Die Beobachtungszeit betrug bis zu zwölf Jahre, wobei die Lithium-Patienten das Medikament im Durchschnitt 55 Monate einnahmen.

In der Lithium-Gruppe betrug die jährliche Abnahme der GFR 1,3 mL/min pro 1.73 m2, während sie in der Vergleichsgruppe 0,9 mL/min pro 1.73 m2 betrug. Der jährliche Verlust der Nierenfunktion war damit nach Ansicht der Wissenschaftler vergleichbar. Patienten mit präexistenten Nierenfunktionsstörungen wurden in der Studie ausgeschlossen. Intoxikationen, zusätzliche nephrotoxische Medikamente und Komorbiditäten waren Risikofaktoren für eine Verschlechterung der Nierenfunktion.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine langjährige Therapie mit Lithium sich nicht negativ auf die Nierenfunktion auswirkt. Die beobachtete Abnahme der GFR lag im physiologischen Bereich, sodass sich Lithium auch als sicheres Langzeittherapeutikum eignet, meinen die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. Oktober 2019
Sydney – Ein 13-minütiges Video zur Ernährung, ein Korb mit gesunden Nahrungsmitteln und ein Gutschein für den Lebensmittelhändler haben in einer randomisierten Studie Studenten bewogen, sich gesünder
Gesunde Ernährung könnte depressive Symptome bei Studierenden lindern
9. Oktober 2019
Köln – Das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wird bislang hauptsächlich in der Traumatherapie eingesetzt. Belastbare Belege dafür, dass es auch Patienten mit Angststörungen hilft,
Keine Belege für Nutzen von EMDR-Training bei Angststörungen
1. Oktober 2019
Berlin – In Deutschland braucht es mehr Aufmerksamkeit und intensivere Aufklärung über Depressionen, damit die Erkrankung bei Betroffenen rechtzeitig erkannt wird. „Das gelingt nur, wenn in unserer
Depression noch immer Tabuthema
26. September 2019
Perth – Jeder 6. adipöse Patient, der sich in Westaustralien einer bariatrischen Operation unterzog, war wegen psychiatrischer Erkrankungen in Behandlung. Die psychischen Probleme haben sich einer
Psychische Erkrankungen und Suizide nach Adipositas-Chirurgie häufig
29. August 2019
Aarhus – Übergewichtige Menschen leiden häufiger unter Depressionen. In einer Studie in Translational Psychiatry (2019; 9: 184) war jede Zunahme des überschüssigen Körperfetts um 10 Kilo mit einer
Mendelsche Randomisierung: Körperfett fördert Depressionen
22. August 2019
Berlin – Patienten mit einer chronischen Depression können sich nicht bei ihrem Psychotherapeuten in das neue Disease-Management-Programm (DMP) Depression einschreiben lassen, das der Gemeinsame
DMP Depression: Ausschluss von Psychotherapeuten als Koordinatoren kritisiert
15. August 2019
Berlin – Die Mitglieder des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) haben nach langer und hitziger Debatte das inzwischen 9. Disease-Management-Programm (DMP) beschlossen. Nachdem im April das DMP Rücken
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER