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Politik

Kaufmännische Krankenkasse warnt vor steigenden Arzneimittelausgaben

Montag, 30. November 2015

dpa

Hannover/Berlin – Maßnahmen gegen steigende Arzneimittelausgaben fordert die Kaufmännische Krankenkasse KKH. Denn trotz der 2011 eingeführten Nutzenbewertung neuer Medikamente steigen diese laut der Kasse unaufhaltsam. Sie sind gemäß einer Analyse der KKH-Versichertendaten zwischen 2007 und 2014 um 32 Prozent in die Höhe gegangen. „Bald zahlen Krankenkassen wieder mehr für Medikamente als für die gesamte ärztliche Behandlung“, sagte der KKH-Vorstandschef Ingo Kailuweit.

Insbesondere bei den patentgeschützten Originalpräparaten sieht die Kasse „besorgnis­erregende Tendenzen“. Während die Menge der abgegebenen Arzneimittel um 23 Prozent sank, stiegen die Kosten im selben Zeitraum um 31 Prozent. „Das heißt nichts anderes, als dass Pharmafirmen für ihre Originalpräparate immer höhere Preise verlangen, um ihre Gewinne zu maximieren“, so Kailuweit.

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Ein Problem des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) und der damit einhergehenden frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln sei, dass Pharmahersteller im ersten Jahr den Preis frei diktieren könnten. „Geht es anschließend in die Preisver­handlungen, haben Hersteller häufig schon das Nachfolgepräparat auf den Markt gebracht – erneut zu einem extremen Preis“, so Kailuweit. Ein Beispiel hierfür sei das Hepatitis C-Medikament Sovaldi, dessen Nachfolger Harvoni kein Jahr später zu einem noch höheren Preis auf den Markt kam.

Laut dem Kassenchef haben die Preise von zahlreichen neuen Medikamenten mit den eigentlichen Herstellungskosten „oftmals so gut wie nichts mehr zu tun“. „Zur Wahrheit gehört, dass Pharmafirmen für die Vermarktung ihrer Produkte häufig doppelt so viel zahlen wie für Forschung und Entwicklung“, sagte Kailuweit.

Die KKH fordert daher noch in dieser Legislaturperiode ein neues Gesetz „AMNOG2“, um dem Preisanstieg wirksam zu begegnen. © hil/aerzteblatt.de

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