NewsAuslandSmog in China erreicht Spitzenwerte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Smog in China erreicht Spitzenwerte

Montag, 30. November 2015

Die Skyline von Shanghai im Smog /dpa

Peking – Verheerender Smog schnürt Millionen Menschen in Peking und anderen Regionen Nordchinas die Luft ab. Erstmals in dieser Jahreszeit musste die chinesische Hauptstadt die zweithöchste Alarmstufe “Orange“ ausrufen. Die Behörden forderten die mehr als 20 Millionen Pekinger am Montag auf, wegen der hohen Schadstoffbelastung nicht vor die Tür zu gehen. Schulen und Kindergärten stoppten Freiluft-Aktivitäten. Fabriken sollten die Produktion herunterfahren.

Während Staats- und Parteichef Xi Jinping in Paris am Auftakt der Weltklimakonferenz teilnahm, hüllte der dichte Smog außer Peking auch noch die Nachbarmetropole Tianjin und fünf nordchinesische Provinzen Hebei, Shandong, Henan, Shanxi und Shaanxi ein. Der Index der US-Botschaft für den tückischen Feinstaub mit weniger als 2,5 Mikrometer Durchmesser (PM2,5) kletterte in der Hauptstadt auf über 600 Punkte. Damit wurde der Grenzwert der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) um das 24-Fache überschritten.

Anzeige

Während unter 500 schon vor „gefährlicher“ Luft gewarnt wurde, kommentierte die Webseite der US-Botschaft die weiter steigenden Werte erst mit „verrückt schlimm“, dann mit „Oh mein Gott“ und schließlich mit „Flüchte nach Bali!“. In der Stadt Baoding in der Nachbarprovinz Hebei wurden sogar Werte von 848 für die gefährlichen Feinpartikel erreicht.

Ärzte warnen, dass Feinstaub direkt ins Blut gehen und Krebs erregen kann. Die hohen Schadstoffbelastungen schwächten auch grundsätzlich das Immunsystem und erleichterten den Ausbruch von Atemwegsproblemen oder auch Herz- und Kreislauf-Erkrankungen.

Trotz der extremen Belastung wollten die Pekinger Behörden aber die höchste Alarmstufe „Rot“ nicht ausrufen.“ „Orange“ beinhaltet bereits viele Zwangsmaßnahmen, um den Schadstoffausstoß zu reduzieren“, argumentierte Direktor Wang Bin vom Umweltschutzamt Pekings laut Medienberichten. „Es sollte weitreichende Auswirkungen haben, wenn diese Maßnahmen ernsthaft umgesetzt werden.“

Bei „Rot“ würden Fahrverbote erlassen und Schulen geschlossen, „so dass „Orange“ weniger Beeinträchtigungen für die einfachen Bürger bedeutet“, fand Wang Bin. Auch seien Mitte der Woche schon Wind und günstige Wetterbedingungen zu erwarten, so dass der Smog weggeblasen würde. Die Untätigkeit stieß aber auf Kritik von Internetnutzern: „Die einzige Gegenmaßnahme ist, dass der Wind bläst.“

„Ich war geschockt, als ich die heutigen Smogwerte sah“, sagte die 35-jährige Zhang Li. „Es sieht wie in einem Science-Fiction-Film aus, in dem die Erde verschmutzt oder zerstört ist und alle sterben müssen. Ich bin so deprimiert“, sagte die Übersetzerin zu dem schmutzigen Dunst, der Pekings Hochhäuser einhüllte und die Sichtweite in den Straßen auf wenige hundert Meter fallen ließ.

„Normalerweise trage ich Kontaktlinsen, aber bei derart schlimmer Luft entzünden sich meine Augen.“ Aus Angst traut sich die Angestellte schon nicht mehr, die Schadstoffwerte über die in China weit verbreiteten Programme im Handy oder im Internet aufzurufen.  Wie viele andere lässt Zhang Li daheim und im Büro Luftreiniger laufen. „Wir stellen die Filter auf die höchste Stufe.“ Doch selbst teure Luftfilter, die umgerechnet weit mehr als tausend Euro kosten und sonst in Labors zum Einsatz kommen, konnten die Luftwerte für die gefährlichen feinen Partikel in Wohnungen kaum unter 100 bringen.

„Die Regierung tut nicht genug, um die Luft zu verbessern“, findet Zhang Li. Vielleicht gebe es Begrenzungen für Schadstoffe durch schwer verschmutzende Fabriken, aber diese müssten auch wirklich ernsthaft umgesetzt werden. „Das einzige, was die Behörden tun, ist, davor zu warnen, vor die Tür zu gehen“, sagt sie. „Das ist nicht wirklich eine effektive Art, um gegen Smog anzugehen.“ © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2019
Peking – Die Luftverschmutzung in Großstädten kann offenbar Fehlgeburten auslösen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung in Nature Sustainability (2019; doi: 10.1038/s41893-019-0387-y), in der
Luftverschmutzung könnte Fehlgeburtrisiko erhöhen
16. Oktober 2019
Kopenhagen – Trotz einer Verbesserung der Luftqualität in Europa führt die anhaltende Luftverschmutzung weiterhin jährlich zu Hunderttausenden vorzeitigen Todesfällen auf dem Kontinent. Wie die
Umweltagentur: 400.000 Todesfälle wegen Luftverschmutzung in Europa
20. September 2019
Berlin/Düsseldorf – Mehrere Bundesländer wollen das Rauchen in Autos verbieten, wenn Kinder oder Schwangere darin sitzen. Heute beriet der Bundesrat in erster Lesung über einen entsprechenden Antrag
Neuer Ländervorstoß für Rauchverbote in Autos mit Kindern und Schwangeren
11. September 2019
Berlin – Das Rauchen in Kraftfahrzeugen soll verboten werden, wenn sich dort Minderjährige oder Schwangere aufhalten. Eine entsprechende Bundesratsinitiative wollen Nordrhein-Westfalen (NRW) und
Bundesrat thematisiert Rauchverbot in Autos im Beisein von Kindern und Schwangeren
4. September 2019
Luxemburg – Die Frage, ob Politiker in Zwangshaft genommen werden können, bleibt auch nach der gestrigen rund zweistündigen mündlichen Verhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg
Zwangshaft für Politiker bleibt umstritten
26. August 2019
Berlin – Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr entgegen ihrer Verpflichtung offenbar nicht alle klimaschädlichen Auswirkungen ihrer Dienstflüge mit Hubschraubern kompensiert. Bundeskanzlerin
Regierung kompensiert Klimaauswirkungen von Dienstflügen nicht immer
23. August 2019
Berlin – Die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs/ Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) hält den Klimawandel für die größte Gefahr für die globale Gesundheit. „Der
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER