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Medizin

Fitness junger Menschen vermeidet Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen im mittleren Alter

Dienstag, 1. Dezember 2015

dpa

Baltimore – Wer als junger Erwachsener sportlich fit ist, kann über mindestens ein Vierteljahrhundert sein Sterberisiko gering halten und Herz-Kreislauf-Erkran­kungen vermeiden. Der Effekt war laut den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie in JAMA Internal Medicine (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.6309) jedoch nicht auf die Vermeidung einer Atherosklerose zurückzuführen.

Die „Coronary Artery Risk Development in Young Adults“-Studie (CARDIA) begleitet seit nunmehr 27 Jahren eine Gruppe von Erwachsenen, die zu Beginn der Studie zwischen 18 und 30 Jahre alt waren. Zu den Untersuchungen gehörte damals ein Laufbandtest, in dem alle zwei Minuten die Belastung gesteigert wurde. Probanden, die am frühesten schlapp machten, hatten, wie ein Team um Joao Lima von der Johns Hopkins Medical School in Baltimore herausgefunden hat, in den Folgejahren ein erhöhtes Sterberisiko.

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Von den 4.872 Teilnehmern sind bisher 273 (5,6 Prozent) gestorben. Weitere 193 Teilnehmer (4 Prozent) erlitten ein Herz-Kreislauf-Ereignis wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, Kranken­haus­auf­enthalt wegen Angina pectoris, chronischer Herzin­suffizienz oder einer transitorischen ischämischen Attacke.

Diese Ergebnisse waren von Lima erwartet worden. Bewegungsmangel gilt seit langem als Risikofaktor für eine vorzeitige Atherosklerose, die den meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen zugrunde liegt. Auch die Zunahme der linksventrikulären Masse und ein verminderter „myocardial strain“ lassen sich als Folge einer zunehmenden Koronar­sklerose deuten. Doch die Bestimmung des Koronarkalks, die bei der jüngsten Untersuchung der CARDIA-Kohorte durchgeführt wurde, bestätigte diese Annahme nicht. Die Teilnehmer mit einer verminderten kardiovaskulären Fitness im jüngeren Alter, hatten keineswegs mehr Kalk in den Koronararterien abgelagert.

Dies verlangt nach einer Erklärung. David Chiriboga von der University of Massachusetts Medical School in Worcester weist im Editorial darauf hin, dass drei Viertel aller Todesfälle in der relativ jungen Kohorte (Durchschnittsalter 51,7 Jahre) nicht auf Herz-Kreislauf-Ereignisse zurückzuführen waren. Krebs und Aids waren unter den Teilnehmern, die in vier Großstadtregionen noch vor Einführung lebensrettender antiretroviraler Medikamente rekrutiert wurden, die häufigsten Todesursachen.

Unter den kardialen Todesursachen war häufig eine chronische Herzinsuffizienz, die bei jüngeren Menschen selten auf eine Koronarsklerose zurückzuführen ist. Bleibt die Frage, wie die körperliche Fitness vor diesen Erkrankungen schützt. Zu nennen sind hier die Grenzen von prospektiven Beobachtungsstudien. Diese können nicht immer alle möglichen Risikofaktoren abklären – die Ernährung beispielsweise war nicht Thema der Befragungen – und deshalb ist nicht auszuschließen, dass mangelnde Fitness nur ein Marker für ein anderes ungesundes Verhalten bei bestimmten jungen Groß­stadtbewohnern ist. © rme/aerzteblatt.de

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