NewsPolitikPetitionsausschuss: Verdi fordert mehr Personal im Krankenhaus
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Petitionsausschuss: Verdi fordert mehr Personal im Krankenhaus

Dienstag, 1. Dezember 2015

Berlin – Insgesamt 180.000 Unterschriften hatte Sylvia Bühler aus dem Vorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gesammelt – genügend, um mit ihrem Anliegen vor dem Petitionsausschuss des Bundestages gehört zu werden. Vor dem Ausschuss forderte sie gestern, dass der reale Personalbedarf im Krankenhaus ermittelt wird und dass die benötigten Stellen in allen Bereichen des Krankenhauses geschaffen und zweckgebunden außerhalb der Fallpauschalen finanziert werden. Menschen, die ins Krankenhaus gehen müssten, könnten sich nicht mehr darauf verlassen, dort gut versorgt zu werden, kritisierte Bühler. Obwohl die Beschäftigten alles aus sich herausholen würden, könnten sie nicht das fehlende Personal wettmachen.

Nach einer Erhebung der Gewerkschaft fehlten bundesweit in den Krankenhäusern 162.000 Stellen, „70.000 allein in der Pflege“. Auch eine große Zahl an Gefährdungs­anzeigen, in denen Mitarbeiter gegenüber den Klinikleitungen auf die Problematiken aufmerksam gemacht haben, habe nicht zu Verbesserungen geführt. „Der Hilferuf wurde nicht gehört“, sagte Bühler. Der Personalnotstand sei aber nicht nur für die Patienten gefährlich, sondern mache auch die Beschäftigten krank.

Ab 2019 330 Millionen jährlich für die Förderung der Pflege
Die parlamentarische Staatssekretärin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Annette Widmann-Mauz (CDU), verwies auf das Pflegestellenförderprogramm im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes. Danach belaufen sich in den Jahren 2016 bis 2018 die Fördermittel auf insgesamt bis zu 660 Millionen Euro. Ab 2019 stünden dauerhaft bis zu 330 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Außerdem werde der Versorgungszuschlag von 500 Millionen Euro ab 2017 durch einen Pflegezuschlag ersetzt, der entsprechend der Pflegepersonalkosten an die Krankenhäuser verteilt werde.

Anzeige

Zudem habe das Ministerium die Expertenkommission „Pflegepersonal im Krankenhaus“ einberufen, sagte Widmann-Mauz, die ermitteln soll, wie viele Pflegepersonal im Kranken­haus gebraucht wird. Den Ergebnissen dieser Kommission wolle man allerdings nicht vorgreifen.

Verdi: Pflegestellenförderprogramm bringt zu wenig 
Die bislang seitens der Politik getroffenen Maßnahmen seien unzureichend, meinte Bühler. „Wenn so durchschnittlich eine Stelle pro Krankenhaus entlastet wird, hilft das nichts.“ Die Beschäftigten hätten vielmehr den Eindruck, „die Politik hat das Problem erkannt, stellt es aber nicht wirklich ab“. Kritik übte sie auch daran, dass der Pflegezuschlag lediglich ein Anreizprogramm darstelle, bei dem die Krankenhäuser mitmachen könnten oder auch nicht. Benötigt würden jedoch gesetzliche Vorgaben.

Hinsichtlich der Expertenkommission bemängelte Bühler, dass diese sich lediglich mit dem Pflegebereich beschäftige, die Problematik des Personalmangels sich aber in allen Krankenhausbereichen zeige. Gleichwohl werde verdi in dem Gremium mitarbeiten. „Wir werden darauf drängen, dass Lösungen nicht auf die lange Bank geschoben werden und es nicht ausschließlich um die Pflegeberufe geht, damit es keinen Verschiebe­bahnhof gibt“, kündigte Bühler an. © hib/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. April 2020
Köln − Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat das strikte Besuchsverbot in Alten- und Pflegeeinrichtungen während der Coronakrise verteidigt. Westerfellhaus
Pflegebeauftragter verteidigt Besuchsverbote in Heimen
3. April 2020
Stuttgart − Freiwillige Pflegekräfte außer Dienst können in der Coronakrise in Baden-Württemberg über eine Plattform an Krankenhäuser sowie stationäre und ambulante Einrichtungen vermittelt
Neue Plattform für freiwillige Pflegekräfte und suchende Kliniken
25. März 2020
Berlin/Mainz – Pflegekräfte und Personen, die in der Pflege während der Corona-Pandemie unterstützen wollen, sollen sich bei einer der Pflegekammern in Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder
Pflegekräfte: Freiwillige Helfer sollen sich bei Kammern melden
25. März 2020
Berlin − Der Wegfall osteuropäischer Pflegekräfte in der Coronakrise führt nach Angaben von Verbänden zu dramatischen Engpässen in der häuslichen Pflege. „Aus Angst vor dem Coronavirus verlassen
Massive Engpässe bei häuslicher Pflege wegen Ausfalls osteuropäischer Helfer
20. März 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat heute unter dem Eindruck der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie Abweichungsmöglichkeiten von der Mindestausstattung mit Intensivpflegepersonal bei
G-BA beschließt Abweichungen von Mindestausstattungen
19. März 2020
Berlin – Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat heute in Absprache mit Pflegeverbänden verschiedene Maßnahmen beschlossen, um das Infektionsrisiko von Pflegekräften und Pflegebedürftigen zu
Coronakrise: Spahn will Pflegekräfte besser schützen
16. März 2020
Berlin – Die Linksfraktion im Deutschen Bundestag hat die Einführung eines Instruments zum 1. Januar 2021 gefordert, mit der der Bedarf an Pflegekräften im Krankenhaus gemessen werden kann. Dieses
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER