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Medizin

Mammographie: Studie findet erhöhtes Krebsrisiko nach falsch-positiven Befunden

Mittwoch, 2. Dezember 2015

dpa

Chapel Hill – Frauen, bei denen nach einem verdächtigen Mammographie-Befund durch erneute weitere Untersuchungen oder eine Biopsie eine Krebserkrankung ausge­schlossen werden konnte, haben in den Folgejahren dennoch ein erhöhtes Risiko auf einen Brustkrebs. Dies kam in einer Datenbank-Analyse in Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention (2015; doi: 10.1158/1055-9965.EPI-15-0623) heraus.

In den USA nehmen zwei Drittel aller Frauen ab dem Alter von 40 Jahren am Mammo­graphie-Screening teil. Dabei kommt es in der ersten Untersuchung bei etwa 16 Prozent und in den nachfolgenden Untersuchungen bei 10 Prozent zu einem Verdacht, der sich durch spätere Untersuchungen nicht bestätigt.

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Diese falsch-positiven Mammographien, die 61 Prozent aller Frauen bei jährlicher Teilnahme und 42 Prozent aller Frauen bei einem Untersuchungsintervall von zwei Jahren in einem Zeitraum von zehn Jahren wenigstens einmal erleben, stellte bislang „nur“ eine psychische Belastung dar, wenn die Frauen über Tage und Wochen im Ungewissen bleiben.

Nach den jetzt von Louise Henderson vorgestellten Daten, müssen die betroffenen Frauen darüber hinaus damit rechnen, dass sie in den Folgejahren doch noch an einem Mammakarzinom erkranken. Henderson hat hierzu die Daten des Breast Cancer Surveillance Consortiums ausgewertet, zu dem sich sieben US-Mammographie-Register zusammengeschlossen haben.

Wenn eine Mammographie einen unklaren Befund ergibt, werden die Frauen in der Regel zu weiteren bildgebenden Verfahren eingeladen. Dazu kann eine Ultraschall­untersuchung oder auch eine Kernspintomographie gehören. Selbst wenn die Radiologen sich bei diesen Untersuchungen sicher sind, dass die Frau nicht am Brustkrebs erkrankt ist, kommt es in den Folgejahren zu 39 Prozent häufiger zu einer Krebserkrankung als bei Frauen mit einem unauffälligen Mammographie-Befund. Henderson errechnete eine adjustierte Hazard Ratio von 1,39, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,35 bis 1,44 signifikant war.

Wenn die bildgebenden Verfahren keine Klarheit ergeben, folgt in der Regel die Einladung zu einer Biopsie. Wenn der Pathologe in den Gewebeproben keinen Hinweis auf ein Mammakarzinom findet, ist das Brustkrebsrisiko der Frauen dennoch um 76 Prozent erhöht. Die adjustierte Hazard Ratio beträgt nach den Berechnungen von Henderson 1,76 (1,65-1,88).

Die Ergebnisse sollten die Frauen nicht weiter beunruhigen, meint Henderson. Immerhin haben Frauen, die regelmäßig an der Mammographie teilnehmen, eine sehr gute Chance, dass der Krebs in einem Frühstadium entdeckt wird, in dem die Heilungs­chancen heute sehr gut sind. Die Ergebnisse sollten ihrer Ansicht nach aber in die Risiko-Kalkulatoren einfließen, mit denen bestimmt wird, ob das Screening intensiviert werden muss. © rme/aerzteblatt.de

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