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Medizin

Shigellen: Eine vorhersehbare Infektion unter Flüchtlingen

Mittwoch, 2. Dezember 2015

MIkroaufnahme einer Shigellose dpa

Stockholm – In den letzten Monaten sind in verschiedenen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, mehr als 80 Flüchtlinge an einer Shigellose erkrankt. Für das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) ist dies keine unerwartete Entwicklung, da die hierzulande kaum bekannte Erkrankung weltweit die häufigste Ursache blutiger Diarrhöen ist. Shigellen sind zudem in den Heimatländern vieler Flüchtlinge endemisch. Das Risiko für die einheimische Bevölkerung wird als gering eingestuft.

Weltweit erkranken jedes Jahr 80 Millionen Menschen an einer Shigellose, von denen 700.000 sterben. Mehr als 99 Prozent der Erkrankungen entfallen auf ärmere Länder. Die Shigellose ist auch im Irak und Syrien, Afghanistan/Pakistan und Eritrea/Somalia endemisch, den Heimatländern vieler Flüchtlinge. Die gram-negativen Keime sind hoch-ansteckend. Schon 10 bis 100 Bakterien können eine Durchfallerkrankung auslösen. Die Übertragung erfolgt normalerweise fäkal-oral und häufig über kontaminierte Nahrungs­mittel. Eine sexuelle Übertragung ist bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), möglich.

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Obwohl Shigellen sich unabhängig von Witterungsverhältnissen ausbreiten und deshalb auch in den kalten Monaten übertragen werden können, kommt es in Deutschland nur selten zu Ausbrüchen, die meist auf wenige Personen beschränkt bleiben. Eine weitere Ausbreitung kann durch hygienische Maßnahmen in der Regel verhindert werden. Bei Flüchtlingen, die auf ihrer Reise in Gruppen unterwegs sind, können sich aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse Shigellen schnell ausbreiten. In den letzten Monaten ist es in Österreich, Griechenland, Deutschland, den Niederlanden, Finnland und Schweden zu kleineren Ausbrüchen gekommen.

In Deutschland wurden bis zum 24. November 30 Erkrankungen diagnostiziert, davon 24 seit Juli. Diese Zahl muss mit den insgesamt 494 Infektionen in Beziehung gesetzt werden, die dem Robert Koch-Institut insgesamt in diesem Jahr gemeldet wurden und die vor allem von Reisenden aus den endemischen Ländern nach Deutschland geschleppt wurden.

Nach Einschätzung der ECDC ist in den nächsten Wochen mit weiteren Fällen zu rechnen. Für die betreuenden Ärzte sei es wichtig, bei Durchfallerkrankungen an die Möglichkeit einer Shigellose zu denken. Bei der Behandlung sei darauf zu achten, dass Shigellen häufig gegen traditionelle Antibiotika der ersten Wahl wie Ampicillin und Trimethoprim-Sulfamethoxazol resistent sind. Ciprofloxacin und Azithromycin blieben aber häufig wirksam.

Das ECDC rät allerdings zu einer Resistenztestung. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme sind die Vermeidung von Überbelegungen sowie ein hygienisches Umfeld mit Waschgelegenheit und sauberen Toiletten. Ein Infektionsrisiko sieht die ECDC am ehesten für das Reinigungspersonal. Ein Übergreifen der Infektionen auf die Allgemeinbevölkerung wird nicht befürchtet. Vorsicht geboten sei in Pflegeheimen und Tagesstätten. Auch in der Gemeinschaft der MSM könnten sich Shigellen leicht ausbreiten. © rme/aerzteblatt.de

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