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Medizin

Warum Gliome bösartiger werden

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Bonn/New Haven – Viele Gliome werden nach einer Phase des langsamen Wachstums sehr bösartig. Ein Wissenschaftlerteam um Murat Günel von der Yale School of Medicine in New Haven, zu dem auch Forscher aus der Neurochirurgie des Universitäts­klinikums Bonn gehören, konnte molekularbiologische Veränderungen entschlüsseln, die zu dieser Verwandlung der Tumorzellen führen. Die Ergebnisse hat das Fachjournal Nature Genetics“ vorgestellt (DOI: 10.1038/ng.3457).

Unter dem Begriff „Gliom“ werden verschiedene Hirntumore zusammengefasst, die fast ein Drittel aller Tumoren des Zentralnervensystems ausmachen. Ihnen gemeinsam ist, dass sie aus Gliazellen entstehen, nicht aus den eigentlichen, benachbarten Nervenzellen im Gehirn. Die Wissenschaftler untersuchten Tumorproben von insgesamt 41 Patienten, bei denen ein Gliom mit einer charakteristischen Erbgutveränderung (IDH1-Gen-Mutation) operiert worden war. „Viele Gliome wachsen zunächst nur langsam. Häufig werden die Tumore erst wenn sie wiederkehren bösartig und schnell fortschreitend“, berichtet Matthias Simon, stellvertretender Klinikdirektor der Neurochirurgischen Universitätsklinik Bonn.

Von denselben Patienten waren auch Proben verfügbar, die mehrere Jahre später bei weiteren Operationen entnommen wurden und damit das bösartige Stadium der wiederkehrenden Gliome repräsentierten. Darüber hinaus konnten von 20 Patienten auch Blutproben genutzt werden. „Diese Proben boten eine einzigartige Gelegenheit, diese Entwicklung der Gliome mit genetischen, zellbiologischen und molekularen Verfahren zu untersuchen“, berichtet Simon.

Die Wissenschaftler fanden in den wiederkehrenden und dann umso rasanter fortschreitenden Tumoren zahlreiche für das jeweilige Stadium charakteristische Veränderungen im Erbgut. Teils waren sie darauf zurückzuführen, dass die Krebszellen bestimmte Gene an- oder abschalteten oder die Genaktivität hoch- oder herunterregulierten.

Durch den Vergleich der genetischen Landkarten der Gliome im anfänglichen und späteren Stadium konnte das Forscherteam grundlegende molekulare Mechanismen entschlüsseln, die für das Fortschreiten und die zunehmende Gefährlichkeit dieser speziellen Hirntumoren verantwortlich sind. „Diese Ergebnisse können dazu dienen, potenzielle Ansatzpunkte für neue Therapien zu erkennen und darauf aufbauend neue Behandlungsverfahren zu entwickeln“, sagt Simon. © hil/aerzteblatt.de

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