NewsMedizinRisikofaktor Gewichtszunahme zwischen Schwangerschaften
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Risikofaktor Gewichtszunahme zwischen Schwangerschaften

Freitag, 4. Dezember 2015

dpa

Stockholm – Eine Gewichtszunahme zwischen zwei Schwangerschaften erhöht offenbar das Risiko auf eine Fehlgeburt. Nach Lebendgeburten kommt es laut einer bevöl­kerungs­basierten Kohortenstudie im Lancet (2015; 10.1016/S0140-6736(15)00990-3) häufiger zum Tod des Kindes im ersten Lebensjahr.

Immer mehr Schwangere sind übergewichtig oder adipös. In den USA beträgt der Anteil bereits 50 Prozent, in Schweden sind es laut Sven Cnattingsius vom Karolinska Institut 30 Prozent. Auffallend ist auch, dass viele Frauen nach der ersten Schwangerschaft stark an Gewicht zulegen. Gerade bei diesen Frauen scheint es bei späteren Schwan­ger­schaften häufig zu Komplikationen zu kommen. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass es in Abhängigkeit von der Gewichtszunahme häufiger zur Präeklampsie, zum Gestationsdiabetes und zu Frühgeburten kommt. Cnattingsius kann nun in einer Studie zeigen, dass auch das Fehlgeburt-Risiko und die Säuglingssterblichkeit (Tod im ersten Lebensjahr) erhöht sind.

Anzeige

Der Forscher hat hierzu die Daten des schwedischen Geburtenregisters, das unter anderem den Body-Mass-Index (BMI) der Frauen erfragt, mit anderen Patienten-Registern in Schweden abgeglichen. Dies ist in skandinavischen Ländern leicht möglich, da alle Einwohner eine persönliche Identifikationsnummer haben, die bei allen behördlichen Einträgen verwendet wird.

Die Analyse ergab, dass das Risiko auf eine Totgeburt um 38 Prozent ansteigt, wenn sich der Body-Mass-Index (BMI) der Frau zwischen den Schwangerschaften um 2 bis 4 kg/m2 erhöht hat. Bei einem Anstieg des BMI um 4 kg/m2 oder mehr, nahm das Risiko sogar um 55 Prozent zu. In beiden Fällen war die Assoziation statistisch signifikant. Für die Säuglingssterblichkeit konnte Cnattingsius nur für die höhere Gewichtszunahme einen Anstieg um 27 Prozent feststellen. Hier war das relative Risiko von 1,27 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,00 bis 1,67 nur knapp signifikant. 

Bemerkenswert ist, dass beide Risiken für das Kind nur erhöht waren, wenn die Mutter bei der ersten Schwangerschaft noch nicht übergewichtig war. Es könnte aber sein, dass in diesem Fall das Risiko bereits in der ersten Schwangerschaft erhöht war und durch die weitere Gewichtszunahme nicht weiter anstieg.

Erfreulich ist, dass eine Gewichtsabnahme (um mindestens 2 kg/m2 im BMI) zwischen den beiden Schwangerschaften das Risiko auf einen Tod in den ersten vier Wochen nach der Geburt um 51 Prozent senkte. Es könnte deshalb sein, dass eine Gewichts­reduktion, beispielsweise durch Diät und körperliche Aktivität die Aussichten auf ein lebensfähiges Kind bei einer späteren Schwangerschaft erhöhen.

Die Erfolgschancen sollten aber nicht überschätzt werden, meinen Lesley McCowan von der Universität Auckland und Mitarbeiter im Editorial. In Interventionsstudien sei bisher nur eine geringe Gewichtsabnahme erzielt worden, die ohne Einfluss auf den Ausgang der Schwangerschaft blieb. Möglicherweise sei das Problem durch Diät und körperliche Bewegung allein nicht zu lösen.

Ein Grund für die Gewichtszunahme nach der Schwangerschaft ist die Überforderung junger Mütter mit der neuen Situation. Sie führt zu Schlafstörungen oder post-partalen Depressionen, auf die manche Mütter offenbar mit einer übermäßigen Kalorienzufuhr reagieren. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

29. Oktober 2020
Silver Spring/Maryland – Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) können die Nierenfunktion von Feten schädigen, was zu einem Fruchtwassermangel führen kann. Die US-Arzneimittelagentur FDA will deshalb
NSAID: FDA warnt vor Fruchtwassermangel ab 20. Schwangerschaftswoche
26. Oktober 2020
San Francisco – Ein nicht-immunologischer Hydrops fetalis, der dank der Ultraschalldiagnostik häufiger gesehen wird, hat oft genetische Ursachen, die sich mit einer Exomanalyse erkennen lassen. In
Hydrops fetalis: Exomanalyse findet häufig genetische Ursachen
21. Oktober 2020
Melbourne – Grippeviren können – anders als etwa das Zikavirus – die Plazentaschranke nicht passieren. Dennoch kann eine Influenza in der Schwangerschaft den Feten schwer schädigen. Eine
„Vaskulärer Sturm“: Wie eine Grippe in der Schwangerschaft Gesundheit und Leben des Kindes gefährdet
20. Oktober 2020
Indianapolis – Eine Vakuumtherapie, die die Wundheilung durch einen über eine Pumpe erzeugten Unterdruck fördern soll, hat in einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2020; DOI:
Kaiserschnitt: Wundbehandlung mit Unterdruck schützt nicht vor Infektionen
12. Oktober 2020
San Francisco – Eine Infektion mit SARS-CoV-2 führt bei Schwangeren in der Regel nur zu einer milden Erkrankung, die jedoch länger dauern kann als bei anderen Menschen. Dies geht aus einer
COVID-19: Register sammelt Daten zu Erkrankungen in der Schwangerschaft
8. Oktober 2020
Paris – Fast zwei Millionen Kinder werden jährlich tot geboren – und diese Zahl könnte laut einem UN-Bericht wegen der Coronapandemie noch deutlich steigen. Im Schnitt alle 16 Sekunden gebe es eine
UN-Bericht: Zahl der weltweiten Totgeburten droht zu steigen
7. Oktober 2020
Berlin – Zu Beginn der Coronapandemie stellte sich für Schwangere und Geburtshelfer gleichermaßen die Frage, ob Krankenhäuser überhaupt noch ein sicherer Ort sind, um ein Kind zu gebären. Diese Frage
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER