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Medizin

Metformin verändert Darmflora

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Kopenhagen – Metformin, der am häufigsten zur Behandlung des Typ 2-Diabetes eingesetzte Wirkstoff, könnte seine Wirkung zumindest teilweise über den Darm erzielen. Dies zeigen neue Analysen der Darmflora in Nature (2015; doi: 10.1038/nature15766). Die Forscher liefern auch eine Erklärung für die häufigste Nebenwirkung von Metformin.

Die blutzuckersenkende Wirkung von Metformin wird heute auf die Hemmung der Glukoneogenese in der Leber zurückgeführt. Das Biguanid könnte jedoch noch auf andere Weise die diabetische Stoffwechsellage verbessern, wie neue Ergebnisse des von der EU zusammen mit der Industrie geförderten MetaHIT-Konsortiums zeigen.

Das Team um Oluf Borbye Pedersen von der Universität Kopenhagen hat eine genetische Bestandsaufnahme der Darmflora von 784 Typ 2-Diabetikern aus Dänemark, Schweden und China durchgeführt. Diese Metagenomik ergab, dass sich die Darmflora in Abhängigkeit von den eingenommenen oralen Antidiabetika verändert.

Metformin führt zu einer vermehrten Besiedlung mit Bakterien, die bestimmte Typen von kurzkettigen Fettsäuren wie Buttersäure und Propionsäure bilden. Diese Fettsäuren werden dann vom Darm resorbiert. In tierexperimentellen Studien hat dies zu einer Verbesserung der Insulinsensitivität geführt. Da die Ursache des Typ 2-Diabetes eine verminderte Insulinsensitivität ist, könnte diese Wirkung von Metformin auf die Darmflora, zumindest theoretisch, die Blutzucker-senkende Wirkung des Wirkstoffs unterstützen.

Die Forscher haben auch eine Erklärung für eine häufige Nebenwirkung von Metformin gefunden. Bei vielen Patienten kommt es zu Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Ihre Ursache könnte in einer starken Vermehrung von Escherichia-Spezies sein. Diese Bakterien bilden Gase, die bei den Patienten zu Blähungen führen. Die Dysbiose könnte laut Pedersen auch für andere gastrointestinale Beschwerden verantwortlich sein.

© rme/aerzteblatt.de

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