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Wie sich Infektionen auf Intensivstationen verringern lassen

Montag, 7. Dezember 2015

dpa

Berlin – Auf die Infektionsgefahr durch sogenannte 4MRGN-Erreger hat die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hingewiesen. Die vier wichtigsten Antibiotikaklassen, die normalerweise für ihre Therapie zum Einsatz kommen, wirken bei ihnen nicht mehr. „Sie kommen im östlichen Mittelmeerraum, in Nordafrika und in Südostasien vor“, erläutert die DIVI-Expertin Petra Gastmeier. Touristen, die diese Länder bereist haben und dort ein Krankenhaus aufsuchen mussten, können diesen Keim tragen. „Wenn diese Patienten in eine Klinik kommen, müssen deshalb alle Vorkehrungen getroffen werden, um eine mögliche Ausbreitung zu verhindern“, betont die Leiterin des Instituts für Hygiene- und Umweltmedizin an der Berliner Charité.

Wichtig ist laut der Fachgesellschaft eine gute Anamnese. Sobald der Verdacht besteht, dass ein Patient den Erreger in sich trägt, muss ein Abstrich für das Labor gemacht werden. Das fordern auch die Leitlinien. „Zudem empfiehlt es sich, Betroffene auf Intensivstationen in einem Einzelzimmer unterzubringen sowie eine Eins-zu-Eins-Pflege zu ermöglichen“, so Gastmeier.

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Manchmal sei aus Personalgründen aber nur eine Eins-zu-Drei- oder Eins-zu-Vier-Pflege möglich. „Das erhöht natürlich die Gefahr, dass der Erreger sich ausbreitet. Hier gibt es also Handlungsbedarf“, so die Hygieneexpertin. Darüber hinaus seien konse­quent eingehaltene Hygienemaßnahmen von entscheidender Bedeutung: Das medi­zinische Personal und Besucher müssten sich unbedingt die Hände desinfizieren. Auf 95 Prozent aller Intensivstationen sei das problemlos möglich, weil entsprechende Desinfektionsmittelspender patientennah vorhanden seien.

„Einen perfekten Schutz gibt es zwar nicht, aber es gibt geeignete Maßnahmen, um die Zahl der Infektionen deutlich zu verringern“, betont Gastmeier. © hil/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Dienstag, 8. Dezember 2015, 00:24

Zahlen zum Nachdenken

Es gibt in Deutschland derzeit etwa 500 000 Krankenhausbetten (Quelle: www.destatis.de) sowie knapp 148 000 niedergelassene Ärzte. Für deren infektiologische Betreuung gibt es knapp 600 Mikrobiologen, knapp 100 Hygieniker und ca. 10 Infektiologen (Arztzahlen der BÄK, ambulante und stationäre Kollegen jeweils zusammengezählt).

Der Personalschlüssel in der Pflege ist sicher ein wesentlicher Faktor für die Vermeidung von Infektionen. Daß Deutschland bei vielen infektiologischen Fragen nur im europäischen Mittelfeld rangiert, liegt nach meiner Ansicht aber hauptsächlich daran, daß die Zahl der Wissensträger in den letzten Jahrzehnten auf ein Maß reduziert wurde, daß Infektionskrankheiten nur noch punktuell bekämpft werden können. Bei diesen Zahlen wird es schwierig werden, zukünftige Fachärzte auszubilden. Langfristig dürfte entgegen allen Parolen aus der Politik der Mangel an infektiologischem Fachpersonal sogar noch deutlich zunehmen. Und wer einmal einen 4MRGN-Ausbuch miterlebt hat, der weiß, das Einzige was ein Krankenhaus in dieser Situation retten kann, ist vor Ort verfügbares gut geschultes Fachpersonal.
LNS

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