NewsVermischtesWie sich Infektionen auf Intensivstationen verringern lassen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Wie sich Infektionen auf Intensivstationen verringern lassen

Montag, 7. Dezember 2015

dpa

Berlin – Auf die Infektionsgefahr durch sogenannte 4MRGN-Erreger hat die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hingewiesen. Die vier wichtigsten Antibiotikaklassen, die normalerweise für ihre Therapie zum Einsatz kommen, wirken bei ihnen nicht mehr. „Sie kommen im östlichen Mittelmeerraum, in Nordafrika und in Südostasien vor“, erläutert die DIVI-Expertin Petra Gastmeier. Touristen, die diese Länder bereist haben und dort ein Krankenhaus aufsuchen mussten, können diesen Keim tragen. „Wenn diese Patienten in eine Klinik kommen, müssen deshalb alle Vorkehrungen getroffen werden, um eine mögliche Ausbreitung zu verhindern“, betont die Leiterin des Instituts für Hygiene- und Umweltmedizin an der Berliner Charité.

Wichtig ist laut der Fachgesellschaft eine gute Anamnese. Sobald der Verdacht besteht, dass ein Patient den Erreger in sich trägt, muss ein Abstrich für das Labor gemacht werden. Das fordern auch die Leitlinien. „Zudem empfiehlt es sich, Betroffene auf Intensivstationen in einem Einzelzimmer unterzubringen sowie eine Eins-zu-Eins-Pflege zu ermöglichen“, so Gastmeier.

Anzeige

Manchmal sei aus Personalgründen aber nur eine Eins-zu-Drei- oder Eins-zu-Vier-Pflege möglich. „Das erhöht natürlich die Gefahr, dass der Erreger sich ausbreitet. Hier gibt es also Handlungsbedarf“, so die Hygieneexpertin. Darüber hinaus seien konse­quent eingehaltene Hygienemaßnahmen von entscheidender Bedeutung: Das medi­zinische Personal und Besucher müssten sich unbedingt die Hände desinfizieren. Auf 95 Prozent aller Intensivstationen sei das problemlos möglich, weil entsprechende Desinfektionsmittelspender patientennah vorhanden seien.

„Einen perfekten Schutz gibt es zwar nicht, aber es gibt geeignete Maßnahmen, um die Zahl der Infektionen deutlich zu verringern“, betont Gastmeier. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 8. Dezember 2015, 00:24

Zahlen zum Nachdenken

Es gibt in Deutschland derzeit etwa 500 000 Krankenhausbetten (Quelle: www.destatis.de) sowie knapp 148 000 niedergelassene Ärzte. Für deren infektiologische Betreuung gibt es knapp 600 Mikrobiologen, knapp 100 Hygieniker und ca. 10 Infektiologen (Arztzahlen der BÄK, ambulante und stationäre Kollegen jeweils zusammengezählt).

Der Personalschlüssel in der Pflege ist sicher ein wesentlicher Faktor für die Vermeidung von Infektionen. Daß Deutschland bei vielen infektiologischen Fragen nur im europäischen Mittelfeld rangiert, liegt nach meiner Ansicht aber hauptsächlich daran, daß die Zahl der Wissensträger in den letzten Jahrzehnten auf ein Maß reduziert wurde, daß Infektionskrankheiten nur noch punktuell bekämpft werden können. Bei diesen Zahlen wird es schwierig werden, zukünftige Fachärzte auszubilden. Langfristig dürfte entgegen allen Parolen aus der Politik der Mangel an infektiologischem Fachpersonal sogar noch deutlich zunehmen. Und wer einmal einen 4MRGN-Ausbuch miterlebt hat, der weiß, das Einzige was ein Krankenhaus in dieser Situation retten kann, ist vor Ort verfügbares gut geschultes Fachpersonal.
LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2019
Berlin – Gründliches Händewaschen schützt vor Krankheiten – aus diesem Grund hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) eine bundesweite Kampagne zum richtigen Waschen der Hände gestartet.
Spahn startet Kampagne für gründliches Händewaschen
15. Oktober 2019
Berlin – Bei Patienten mit akutem Nierenversagen auf der Intensivstation sollte regelhaft ein Nierenexperte hinzugezogen werden. Dafür hat sich die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN)
Nephrologen für frühzeitige Mitbetreuung gefährdeter Intensivpatienten
4. Oktober 2019
Berlin – Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat vor einem Versorgungsnotstand in deutschen Kinderkliniken gewarnt. Durch Platzmangel auf
Mediziner warnen vor Platzmangel auf Kinderintensivstationen
2. Oktober 2019
Berlin – Die Hygieneleistungen verursachen in Vertragsarztpraxen relevante Kosten: Im vergangenen Jahr mussten die Praxen durchschnittlich 24.287 Euro dafür aufwenden – einschließlich der
Hygienekosten im Durchschnitt bei über 24.000 Euro je Vertragsarztpraxis
30. September 2019
Berlin – Immer mehr Menschen erhalten in Deutschland zum Lebensende im Krankenhaus eine intensivmedizinische Behandlung. Dies zeigt eine Studie in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes, bei
Zunehmende Inanspruchnahme von Intensivmedizin am Lebensende
30. September 2019
Bonn – Antibiotikaresistente Erreger können über Waschmaschinen verbreitet werden. Das zeigen die Analysen von Hygienikern der Universität Bonn, die im Applied and Environmental Microbiology
Resistente Erreger können durch Waschmaschine verbreitet werden
20. September 2019
Berlin – Perinatalzentren dürfen von den Personalvorgaben für die Intensivpflege von Frühgeborenen bis zum 31. Dezember 2021 abweichen. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) verlängerte gestern diese
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER