NewsMedizinDie Gehirne von Männern und Frauen sind nahezu identisch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Die Gehirne von Männern und Frauen sind nahezu identisch

Dienstag, 8. Dezember 2015

dpa

Tel Aviv – Die morphologischen Unterschiede zwischen Männer- und Frauenhirnen sind so gering ausgeprägt, dass ein typisch männliches oder weibliches Gehirn wahr­scheinlich nicht existiert. Zwar fanden Forscher um Daphna Joel an der Tel Aviv University in Israel zum Teil bestimmte Strukturen, die je nach Geschlecht in der Tendenz anders ausfielen, jedoch keine Merkmale, die eine definitive Typisierung zuließen. Über die gefundenen Gemeinsamkeiten und Unterschiede berichtet die Arbeitsgruppe in Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS doi:10.1016/j.biopsych.2015.03.023).

Der Versuch menschliche Gehirne in männlich und weiblich einzuteilen, ist wohl so alt wie die Hirnforschung selbst. In den modernen Neurowissenschaften ist die Frage weiterhin relevant. So berichteten Forscher der University of Pennsylvania, dass die interneuronale Vernetzung zwischen den Geschlechtern unterschiedlich ausgeprägt ist, was zu verschiedenen Fertigkeiten und kognitiven Kompetenzen führe (doi: 10.1073/pnas.1316909110).

Anzeige

Dies ist laut den Autoren nicht nur in soziologischer und psychologischer Hinsicht eine interessante Fragestellung, sondern könnte auch von medizinischer Bedeutung sein. Geschlechtsspezifische Hirnmorphologien könnten beispielsweise für die Therapie neurologischer Erkrankung eine Rolle spielen.

Die Forscher werteten die MRT-Aufnahmen von 1.400 hirngesunden Männer und Frauen aus und verglichen Strukturen, wie die graue und weiße Substanz, die Morphologie von Kerngebieten oder die Konnektivität zwischen einzelnen Hirnarealen. 

Zunächst schien es zwischen den Geschlechtern kleinere Unterschiede zu geben. So hatten beispielsweise Männer einen größeren linken Hippocampus und eine größere Amygdala. Die Amygdala, welche besonders an der Emotionsbildung beteiligt ist, wird in ihrer Größe auch von der Umwelt mit beeinflusst. 

Die Forscher sammelten diese kleinen statistischen Differenzen und erstellten somit Modelle eines, zumindest in theoretischer Hinsicht, klassisch männlichen und klassisch weiblichen Gehirns.

Insgesamt zeigten jedoch nur 23 bis 53 Prozent aller untersuchten Gehirne morphologische Merkmale, die sich tendenziell einem Geschlecht zuordnen ließen. Unter Einbeziehung mehrerer Strukturen zeigten zwischen null und acht Prozent der untersuchten Probanden ein typisch männliches oder weibliches Gehirn. 

In der Analyse konnten die Forscher bei der weit überwiegenden Mehrheit der MRTs keine konsistenten Unterschiede zwischen den Hirnen von Männern und Frauen feststellen. Die Existenz eines stereotypisch männlichen oder weiblichen Gehirns konnte die Arbeitsgruppe in ihrer Studie somit nicht bestätigen. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. August 2020
Braunschweig – Eine Sepsis könnte auch nach der Genesung noch langfristige Auswirkungen auf das Gehirn und das Lernverhalten haben. Das legt eine Studie von Forschern der Technischen Universität
Sepsis könnte Gehirn langfristig schädigen
27. Juli 2020
Frankfurt – Beide Gehirnhälften des Menschen übernehmen während des Sprechens einen Teil der komplexen Aufgabe, Laute zu formen, die Stimme zu modulieren und das Gesprochene zu überprüfen.
Wie das Gehirn das Sprechen kontrolliert
24. Juli 2020
Mannheim – Andauernder Alkoholkonsum aktiviert die Mikroglia im Gehirn, was zu einer erhöhten Diffusion von Botenstoffen zwischen den Nervenzellen führt. Dies könnte zur Suchtbildung beitragen. Eine
Alkohol aktiviert Mikroglia im Gehirn
16. Juli 2020
Magdeburg/Bonn – Im Alter lässt die Fähigkeit zur räumlichen Orientierung tendenziell nach. Grund dafür ist offenbar, dass ältere Menschen die Geschwindigkeit, mit der sie sich fortbewegen, schlechter
Warum im Alter die räumliche Orientierung nachlässt
7. Juli 2020
Chemnitz – Beim Schreiben von Computerprogrammen sind Hirnregionen aktiv, die auch bei der Verarbeitung natürlicher Sprache relevant sind. Das berichten Wissenschaftler der TU Chemnitz, der
Programmieren funktioniert im Gehirn wie Sprechen
30. Juni 2020
Minneapolis – Die Tiefe Hirnstimulation ist bei Parkinsonpatienten etabliert – Studien dazu haben aber laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) das Verfahren bislang immer mit der
Parkinson-Patienten profitieren von Tiefer Hirnstimulation
18. Juni 2020
London – Sind Menschen von einer Entscheidung in hohem Maße überzeugt, nehmen sie Informationen auf, die ihre Entscheidung bestätigen, verarbeiten aber keine Informationen, die ihr widersprechen. Das
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER