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Medizin

CLL: Ibrutinib ist Chemotherapie in Erstlinientherapie überlegen

Dienstag, 8. Dezember 2015

Houston – Für ältere Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) gibt es eine Alternative zur klassischen Chemotherapie. Der oral verfügbare Tyrosinkinase-Inhibitor Ibrutinib erzielt in der Ersttherapie deutlich bessere Ergebnisse als eine intravenöse Therapie mit Chlorambucil. Dies zeigen die Ergebnisse einer Phase 3-Studie, die auf der Jahrestagung der American Society of Hematology in Orlando/Florida vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1509388) publiziert wurden.

Chlorambucil, ein vor mehr als 50 Jahren eingeführtes Zytostatikum aus der Gruppe der Alkylanzien, war bis vor kurzem (neben dem nicht viel jüngeren in der DDR entwickelten Bendamustin) das bevorzugte Medikament zur Behandlung der CLL bei älteren Patienten, denen die Strapazen einer effektiveren Chemotherapie mit neueren Zytostatika nicht zuzumuten waren. Dies hat sich seit der Einführung von Wirkstoffen geändert, die gegen das CD20-Antigen gerichtet sind, das ein Kennzeichen für die B-Lymphozyten ist, aus denen die CLL besteht. In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass Rituximab, aber auch Obinutuzumab oder Ofatumumab, die alle ihren Angriffspunkt bei CD20 haben, das progressionsfreie Überleben verlängern.

Die Ergebnisse dieser Studien waren noch nicht bekannt, als die REBSONATE 2-Studie begonnen wurde, die an 269 nicht vorbehandelten Patienten im Alter über 65 Jahre den damaligen Therapiestandard Chlorambucil mit Ibrutinib verglich (das seit 2014 unter anderem zur Behandlung der rezidivierten CLL zugelassen ist). Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 72 Jahre und 45 Prozent hatten ein fortgeschrittenes Stadium der Erkrankung (Rai III oder IV). Da Chlorambucil zu Beginn der Studie der Therapie­standard war, erhielt die Hälfte der Patienten alle zwei Wochen eine Infusion mit Chlorambucil (bis zu 24 Behandlungen), eine damals übliche Behandlung.

Die andere Hälfte der Patienten erhielt keine Infusionen. Hier wurde den Teilnehmern das oral verfügbare Ibrutinib verordnet. Die Teilnehmer sollten die Tabletten täglich einnehmen, solange sie sie vertrugen und bis es zur Krankheitsprogression gekommen war. Der Vergleich wurde nach median 18,4 Monaten vorzeitig beendet, als das Team um Jan Burger vom MD Anderson Cancer Center in Houston erkannte, dass Ibrutinib in allen Endpunkten Chlorambucil überlegen war. Schon die Ansprechrate war mit 86 Prozent gegenüber 35 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Während es im Chlorambucil-Arm im Durchschnitt nach 18,9 Monaten zur erneuten Progression kam, wurde dieser primäre Endpunkt der Studie unter Ibrutinib zum Zeitpunkt der Datenanalyse noch nicht erreicht. Die geschätzte 2-Jahres-Überle­bensrate betrug 98 Prozent gegenüber 85 Prozent unter Chlorambucil.

Auch die Verträglichkeit von Ibrutinib war besser. Zwar kam es bei etwa 20 Prozent der Patienten zu Durchfall, Müdigkeit, Husten und Übelkeit. Dennoch war die Abbrecherrate mit 13 Prozent nur halb so hoch wie im Chlorambucil-Arm, wo die Patienten die typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie ertragen mussten, zu denen in erster Linie Übelkeit und Erbrechen, Abgeschlagenheit sowie  Neutropenie und Anämien gehörten. © rme/aerzteblatt.de

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