NewsMedizinWeiterhin starker Anstieg der Syphilis bei MSM
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Weiterhin starker Anstieg der Syphilis bei MSM

Dienstag, 8. Dezember 2015

Der Syphillis-Erreger Treponema Pallidum /CDC/David Cox

Berlin – Die Zahl der Syphilis-Erkrankungen steigt seit 2010 in Deutschland wie auch in anderen westlichen Ländern stark an. Betroffen ist in erster Linie die Risikogruppe von Männern, die Sex mit Männern haben. Hier ist es auch im ersten Halbjahr 2015 erneut zu einer Zunahme von Meldungen gekommen, wie dem Epidemiologischen Bulletin (2015; doi: 10.17886/EpiBull-2015-020) zu entnehmen ist.

Im Jahr 2014 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 5.722 Syphilis-Fälle gemeldet, 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Mehr als vier von fünf Erkrankungen traten in der Risikogruppe der MSM auf. Als Ursachen kommen nach Einschätzung des RKI die Verbreitung von Dating-Apps infrage, also die Anbahnung über das Smartphone, die die Zahl der Sexualpartner deutlich erhöhen können.

Anzeige

Gleichzeitig scheint das Risikoverhalten zuzunehmen. Auch die Reaktion der Szene auf das HIV-Risiko könnte am Anstieg beteiligt sein. Verbreitet ist offenbar ein „Serosorting“, bei dem Sexualpartner passend zum eigenen HIV-Status gewählt werden. Beim „Sero-Positioning“ werden bestimmte sexuelle Positionen (eindringender oder aufnehmender Partner bei ungeschütztem Analverkehr) aufgrund des eigenen HIV-Status ausgewählt.

Auch das Beenden von ungeschütztem Analverkehr vor der Ejakulation oder das Abstimmen von Sexualpraktiken zwischen den Partnern anhand der aktuellen HIV-Viruslast werden offenbar als Möglichkeit gesehen, eine Ansteckung zu vermeiden. Dieses sero-adaptive Verhalten erhöht jedoch das Infektionsrisiko für sexuell übertragbare Erkrankungen (STI), wenn sie dazu dienen, beim Analverkehr auf Kondome zu verzichten. Wobei Kondome zwar vor HIV, nicht aber vor einer Syphilis und anderen STI schützen, da diese auch extragenital, etwa durch Schmierinfektionen, übertragen werden können. Auch orale Infektionen sind hier laut dem Bericht von großer Bedeutung. 

Neben besseren Informationen raten die Robert Koch-Mitarbeiter zu einem intensi­vierten Screening. MSM sollten sich in Abhängigkeit vom Risikoverhalten alle 3 bis 12 Monate auf STI untersuchen lassen. Dazu gehören neben der Syphilis auch Chlamy­dien- und Gonokokken-Infektionen, die häufig asymptomatisch verlaufen. Die Frühdiagnose der STI wird neben der Änderung des Risikoverhaltens als wichtiges Mittel gesehen, einen weiteren Anstieg der STI-Infektionen zu vermeiden. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

12. Juli 2019
Stockholm – Der Anstieg der Syphilis-Erkrankungen, der seit 2010 erkennbar ist, hat sich auch 2017 im Europäischen Wirtschaftsraum EAA (EU plus Norwegen und Island) fortgesetzt. Das Europäische
Weitere Zunahme von Syphilis-Infektionen in Europa
16. November 2018
Berlin – Der Anstieg bei der Zahl der Syphilis-Infektionen in Deutschland setzt sich weiter fort. Im vergangenen Jahr wurden knapp 7.500 Fälle der sexuell übertragbaren Krankheit gemeldet, wie aus
Syphilis-Zahlen in Deutschland steigen weiter an
27. Juni 2018
Houston – Der Syphilis-Erreger Treponema pallidum subsp. pallidum, der jedes Jahr schätzungsweise 18 bis 56 Millionen Menschen infiziert, andere Species aber meidet, konnte bisher nur mit Mühe und für
Syphilis-Erreger im Labor erstmals langfristig gezüchtet
30. August 2017
Berlin – Geschlechtskrankheiten in Deutschland nehmen zu, vermuten Experten. Doch weil Betroffene nicht darüber sprechen, sind immer neue Infektionen schwer zu vermeiden. Das soll sich ändern. Ein
Syphilis-Warnung per SMS: Kampf gegen sexuell übertragbare Infektionen
19. Dezember 2016
Berlin – Die Zahl der Syphilisinfektionen ist in Deutschland erneut stark gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) bundesweit 6.834 Fälle gemeldet. Das waren rund 19
RKI: Mehr Syphilisfälle, frühe Norovirus-Saison
16. August 2016
Berlin – Die Syphilis-Infektionen in Deutschland haben 2015 einen neuen Höchststand erreicht. Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) registrierte 6.834 diagnostizierte Fälle. Das seien 19 Prozent
Zahl der Syphilis-Diagnosen wieder gestiegen
18. Juli 2016
Stuttgart/München – Sexuell übertragbare Erkrankungen wie Syphilis oder HIV treten bei Flüchtlingen genauso häufig auf wie in der deutschen Bevölkerung. Ärzte diagnostizieren laut Berichten in der DMW
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER