Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Prostatakrebs: Studie findet doppeltes Alzheimer-Risiko unter Androgenentzug

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Philadelphia – Der Androgenentzug, auch Hormontherapie genannt, der das Fortschreiten des metastasierten Prostatakarzinoms um Jahre hinauszögern kann, fördert möglicherweise die Entwicklung eines Morbus Alzheimer. Dies kam in der retrospektiven Analyse von US-Krankenhausdaten heraus, die im Journal of Clinical Oncology 2015; doi: 10.1200/JCO.2015.63.6266) publiziert wurde.

Die meisten Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom erhalten im Verlauf ihrer Erkrankung eine Hormontherapie, bei der es sich genauer um eine Hormonablation handelt. Durch Entfernung der Hoden oder mittels einer „medikamentösen Kastration“ wird die Bildung von Testosteron unterbunden, das ein wichtiger Wachstumsfaktor für Prostatakrebszellen ist.

Zu den bisher übersehenen Nebenwirkungen könnten kognitive Störungen gehören, berichtet Nigam Shah von der Universität von Pennsylvania. Der Forscher hat zu dieser Frage die elektronischen Krankenakten von 16.888 Patienten ausgewertet, die an zwei US-Kliniken (Stanford Health Care in Palo Alto und Mount Sinai Hospital in New York) betreut werden. Bei 2.397 Patienten (14,2 Prozent) war über median 2,7 Jahre ein Androgenentzug durchgeführt worden.

Bei diesen Patienten wurde signifikant häufiger eine Alzheimer-Demenz diagnostiziert als bei Patienten ohne Hormontherapie. In der traditionellen Multivariat-Analyse war das Risiko um 66 Prozent erhöht. Die modernere „Propensity Score“-Analyse ergab ein um 88 Prozent erhöhtes Risiko. Wichtig für die Beurteilung war ein Anstieg des Risikos mit der Dauer der Therapie: Patienten, bei denen der Androgenentzug über mehr als 12 Monate fortgesetzt wurde, hatten ein 2,12-fach erhöhtes Risiko.

Diese Dosis-Wirkungsbeziehung ist in retrospektiven Studien ein wichtiger Hinweis auf eine Kausalität. Die Forscher führten außerdem zwei Falsifikationstests durch. In einem wurde an der Kohorte der bekannte Zusammenhang von Alter oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem Alzheimerrisiko bestätigt.

Zum anderen liefert die Analyse keine „falsche“ Assoziation mit Tuberkulose oder Allergien, zwei Erkrankungen, die nachweislich nicht das Risiko auf eine Demenz erhöhen. Shah betrachtet die Demenzerkrankung als ein klinisch-relevantes Risiko, auf das die Urologen ihre Patienten hinweisen sollten. Für viele Patienten dürfte es allerdings keine Alternative geben, da der Androgenentzug nachweislich eine lebensverlängernde Wirkung hat. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

03.05.17
Urologen noch gegen allgemeine Empfehlung zum PSA-Screening
Berlin – In der Diskussion um den PSA-Test haben die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) jetzt ein Zwischenfazit gezogen. „Für eine allgemeine......
22.03.17
Prostatakrebs: Risiken auch bei Roboter-Operation und Radiotherapie
Nashville/Chapel Hill – Weder Operationsroboter noch moderne Bestrahlungstechniken können verhindern, dass die Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms zu Impotenz, Inkontinenz und bei der......
22.02.17
Leipzig – Ein neuartiges bildgestütztes System zur Punktion der Prostata kommt seit Kurzem am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) zum Einsatz. Dabei liegt der Patient in einem MRT-Gerät. Anhand der......
02.02.17
Mainz – Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) hat die Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie der Universitätsmedizin Mainz als „Zertifiziertes Prostatakarzinomzentrum“ ausgezeichnet.......
20.01.17
Prostatakarzinom: Multiparameter-MRT könnte jede vierte Biopsie vermeiden
London – Ein Multiparameter-MRT könnte einem Viertel aller Männer mit einem erhöhten PSA-Wert oder anderen Verdachtsmomenten eine schmerzhafte und manchmal riskante Stanzbiopsie der Prostata ersparen.......
10.01.17
Prostatakarzinom: Genetischer Fingerabdruck sagt aggressives Wachstum voraus
Toronto/Melbourne – Die genetische Analyse von fast 500 Prostatakarzinomen hat zur Entdeckung eines genetischen Fingerabdrucks geführt, der laut der Publikation in Nature (2017; doi:......
23.12.16
Berlin – Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie die S3-Leitlinie zur „Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige