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Medizin

Cannabis erhöht neuronales Rauschen im Gehirn

Donnerstag, 10. Dezember 2015

dpa

New Haven – Der Konsum von Cannabispräparaten erhöht das sogenannte neuronale Rauschen im Gehirn und könnte so zu der Entstehung von Schizophrenien beitragen. Deepak Cyril D’Souza am psychiatrischen Krankenhaus der Yale School of Medicine konnte dies anhand von EEGs von gesunden Probanden feststellen. Die Fachzeitschrift Biological Psychiatry veröffentlichte die Ergebnisse der Arbeitsgruppe (doi:10.1016/j.biopsych.2015.03.023).

Die Nervenzellen des Gehirns, insbesondere des Kortex, zeigen unabhängig von äußeren Reizen eine spontane Grundaktivität. Diese Grundaktivität ermöglicht es dem Kortex schneller und spontaner auf äußere Einflüsse zu reagieren. Wenn ein Mensch wiederholt mit dem gleichen Reiz konfrontiert wird, fällt die Amplitude im EEG trotz gleicher Exposition anders aus. Neurowissenschaftler führen diese unterschiedlichen Amplituden im EEG auf die beschriebene spontane Grundaktivität der Nervenzellen zurück.

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In der Fachsprache wird diese auch als neuronales Rauschen (neuronal noise) bezeichnet. Unterschiedliche neurologische Erkrankungen wie Schizophrenien oder ADHS zeigen eine Verstärkung des neuronalen Rauschens. Die Wissenschaftler der Studie wollten untersuchen, wie sich THC auf dieses neuronale Rauschen auswirkt. THC-Konsum gilt als Risikofaktor für die Entwicklung einer Schizophrenie bei vulnerablen Patienten.

Die Forscher wählten 24 gesunde verblindete Probanden aus, welche sie in eine Experimental- und eine Placebogruppe randomisierten. Die Probanden der Experimentalgruppe erhielten eine intravenöse THC-Injektion mit 0,015mg/kg oder 0,03mg kg. Diese Mengen entsprachen somit einer üblichen Konsumdosis. Der Effekt des THC wurde über ein sogenanntes Oddball-Experiment überprüft. Bei solch einem Experiment müssen Versuchspersonen aus einer Reihe ähnlicher Reize, bestimmte Zielreize wiedererkennen. Dieser Reiz kann beispielsweise ein Bild oder ein bestimmter Ton sein. Die Forscher kontrollierten die Kortexaktivität der Teilnehmer über ein EEG, wenn sie den Zielreiz wiedererkannten. 

Teilnehmer, welchen der echte Wirkstoff injiziert wurde, zeigten in der EEG-Kontrolle ein wesentlich stärkeres neuronales Rauschen als Teilnehmer, die nur das Placebo erhielten. Es zeigte sich in Bezug auf das THC eine starke Dosis-Wirkungsbeziehung. Je stärker das neuronale Rauschen ausfiel, desto eher traten auch Positivsymptome einer Schizophrenie bei den Teilnehmern auf. Zu diesen Symptomen zählen beispielsweise Denkstörungen und wahnhaftes Erleben. 

Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass THC das neuronale Rauschen im Gehirn verstärkt hat. Diese Verstärkung könnte ein Grund dafür sein, dass bei Cannabiskonsum häufig schizophrenieartige Symptome auftreten, welche den Anstoß zu einer manifesten Psychose geben könnten, so die Wissenschaftler.

© hil/aerzteblatt.de

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