NewsMedizinCannabis erhöht neuronales Rauschen im Gehirn
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Cannabis erhöht neuronales Rauschen im Gehirn

Donnerstag, 10. Dezember 2015

dpa

New Haven – Der Konsum von Cannabispräparaten erhöht das sogenannte neuronale Rauschen im Gehirn und könnte so zu der Entstehung von Schizophrenien beitragen. Deepak Cyril D’Souza am psychiatrischen Krankenhaus der Yale School of Medicine konnte dies anhand von EEGs von gesunden Probanden feststellen. Die Fachzeitschrift Biological Psychiatry veröffentlichte die Ergebnisse der Arbeitsgruppe (doi:10.1016/j.biopsych.2015.03.023).

Die Nervenzellen des Gehirns, insbesondere des Kortex, zeigen unabhängig von äußeren Reizen eine spontane Grundaktivität. Diese Grundaktivität ermöglicht es dem Kortex schneller und spontaner auf äußere Einflüsse zu reagieren. Wenn ein Mensch wiederholt mit dem gleichen Reiz konfrontiert wird, fällt die Amplitude im EEG trotz gleicher Exposition anders aus. Neurowissenschaftler führen diese unterschiedlichen Amplituden im EEG auf die beschriebene spontane Grundaktivität der Nervenzellen zurück.

Anzeige

In der Fachsprache wird diese auch als neuronales Rauschen (neuronal noise) bezeichnet. Unterschiedliche neurologische Erkrankungen wie Schizophrenien oder ADHS zeigen eine Verstärkung des neuronalen Rauschens. Die Wissenschaftler der Studie wollten untersuchen, wie sich THC auf dieses neuronale Rauschen auswirkt. THC-Konsum gilt als Risikofaktor für die Entwicklung einer Schizophrenie bei vulnerablen Patienten.

Die Forscher wählten 24 gesunde verblindete Probanden aus, welche sie in eine Experimental- und eine Placebogruppe randomisierten. Die Probanden der Experimentalgruppe erhielten eine intravenöse THC-Injektion mit 0,015mg/kg oder 0,03mg kg. Diese Mengen entsprachen somit einer üblichen Konsumdosis. Der Effekt des THC wurde über ein sogenanntes Oddball-Experiment überprüft. Bei solch einem Experiment müssen Versuchspersonen aus einer Reihe ähnlicher Reize, bestimmte Zielreize wiedererkennen. Dieser Reiz kann beispielsweise ein Bild oder ein bestimmter Ton sein. Die Forscher kontrollierten die Kortexaktivität der Teilnehmer über ein EEG, wenn sie den Zielreiz wiedererkannten. 

Teilnehmer, welchen der echte Wirkstoff injiziert wurde, zeigten in der EEG-Kontrolle ein wesentlich stärkeres neuronales Rauschen als Teilnehmer, die nur das Placebo erhielten. Es zeigte sich in Bezug auf das THC eine starke Dosis-Wirkungsbeziehung. Je stärker das neuronale Rauschen ausfiel, desto eher traten auch Positivsymptome einer Schizophrenie bei den Teilnehmern auf. Zu diesen Symptomen zählen beispielsweise Denkstörungen und wahnhaftes Erleben. 

Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass THC das neuronale Rauschen im Gehirn verstärkt hat. Diese Verstärkung könnte ein Grund dafür sein, dass bei Cannabiskonsum häufig schizophrenieartige Symptome auftreten, welche den Anstoß zu einer manifesten Psychose geben könnten, so die Wissenschaftler.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) heute die Erstfassung der Richtlinie über die Personalausstattung der stationären Einrichtungen der Psychiatrie und Psychosomatik (PPP-RL) angepasst.
Richtlinie zur Personalausstattung von Psychiatrie und Psychosomatik konkretisiert
16. Oktober 2020
Berlin – Das 2016 in Kraft getretenen Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) hat aus Sicht der Grünen seine Ziel deutlich verfehlt. Eigentlich sollte das Gesetz dazu beitragen, die Verbreitung
Grüne erklären Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz für gescheitert
13. Oktober 2020
Palo Alto – Die erhöhte Anfälligkeit für Psychosen, unter denen Menschen mit dem Mikrodeletionssyndrom 22q11 leiden, könnte auf das Fehlen eines Gens zurückzuführen sein, das normalerweise eine
Warum eine Genmutation das Risiko auf eine Schizophrenie erhöht
7. Oktober 2020
Berlin – Wissenschaftliche Evidenz und Erfahrungen von Experten und Betroffenen sollten stärker in der Drogenpolitik berücksichtigt werden. Darauf drängen Verbände der Sucht- und Drogenhilfe in ihrem
Drogenpolitik sollte evidenzbasiert sein
21. September 2020
Berlin – Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2020 nach Recherchen von Welt am Sonntag weiter gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitum starben mit 662 Menschen demnach
Zahl der Drogentoten steigt um 13 Prozent
8. September 2020
Berlin – Die Gesellschaft muss ihre Scheu ablegen, über Suchterkrankungen zu sprechen. Das hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), heute in Berlin angemahnt. „Sucht ist
Rauschgiftkriminalität: Mehr Prävention und mehr Hilfsangebote
2. September 2020
San Francisco – Mehr als ein Sechstel aller plötzlichen Herztodesfälle außerhalb einer Klinik konnte in einer prospektiven Kohortenstudie in den Annals of Internal Medicine (2020; DOI:
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER